Krise trifft besonders kleine Unternehmen

Veröffentlicht: Montag, 1. Februar 2021, 10:16 Uhr

Krise trifft besonders kleine Unternehmen

Zu Jahresbeginn stagniert die Berlin-Brandenburger Wirtschaft. Der kurze Aufschwung des letzten Herbstes setzt sich nicht fort. Zwar kommen einige Branchen weiterhin gut durch die Krise und besonders größere Unternehmen haben sich den schwierigen Bedingungen angepasst. Doch vor allem viele kleine Unternehmen sind weiter im Krisenmodus: Personal- und Investitionspläne sind verhalten, die Erwartungen sind wenig zuversichtlich. Dies sind die Ergebnisse der zu Jahresbeginn durchgeführten Konjunkturumfrage der Berlin-Brandenburger Industrie- und Handelskammern.

Berlin-Brandenburger Konjunktur

Die Krise trifft besonders die kleinen Unternehmen

 

Der Konjunkturklimaindex der Berlin-Brandenburger Wirtschaft zählt aktuell 106 Punkte. Das ist zwar ein Punkt mehr als im vergangenen Herbst, aber weiterhin deutlich unterhalb des langjährigen Durchschnitts von 126 Punkten. Bei Unternehmen mit weniger als 50 Beschäftigten liegt der Klimaindex nur bei 96 Punkten. Das konjunkturelle Klima für größere Unternehmen ist deutlich besser - hier beträgt der Klimaindex 117 Punkte.

Die aktuelle Geschäftslage in der Berlin-Brandenburger Wirtschaft ist weiterhin getrübt und hat sich im Vergleich zum Herbst kaum verändert. Der Lage-Indikator, der sich aus positiven und negativen Geschäftseinschätzungen ergibt, zählt aktuell zwölf Punkte, nach elf Punkten im Herbst. Zwischen den Branchen gibt es erhebliche Unterschiede: Während IT-, Finanz- und Immobiliendienstleister von besseren Geschäften berichten, verschlechtert sich die Lage in Branchen, die Tätigkeitsverboten unterliegen, weiter.
Die Erwartungen an die kommenden Monate sind von Ungewissheit geprägt. Jeweils 27 Prozent der Unternehmen blicken pessimistisch bzw. zuversichtlich in die Zukunft. Dabei sind die Unterschiede zwischen Branchen und Unternehmensgrößen erheblich. Betriebe mit 50 und mehr Beschäftigten gehen davon aus, dass sich die Lage verbessert. Kleinere Unternehmen sind pessimistisch gestimmt und rechnen damit, dass sich die Konjunktur weiter eintrübt.

Auch bei den Personalplanungen ist das Bild uneinheitlich. In Handel und Industrie plant nahezu jedes vierte bzw. fünfte Unternehmen die Belegschaft zu reduzieren, während nur elf bzw. 17 Prozent neue Stellen schaffen wollen. Im Gastgewerbe planen sogar 37 Prozent der Unternehmen Stellen abzubauen, nur sieben Prozent sehen Chancen für Neueinstellungen. Und auch im Baugewerbe fallen die Beschäftigungsperspektiven leicht negativ aus. Dagegen wollen 30 Prozent der Dienstleistungsunternehmen neue Mitarbeiter einstellen, nur 14 Prozent planen Entlassungen. Es sind vor allem die großen Berliner Service-Unternehmen, die eine wieder expansive Beschäftigungsentwicklung ankündigen.
Jan Eder, Hauptgeschäftsführer der IHK Berlin: "Die Krise hat wenige Gewinner, aber viele Verlierer. Zu den Verlierern zählen vor allem kleine Unternehmen über nahezu alle Branchen hinweg. Sie haben weder die finanziellen Mittel noch die personellen Ressourcen, um ihre Geschäftsmodelle rasch in einem Maße umzustellen, wie es in dieser Krise notwendig wäre. Kleine Unternehmen haben es zudem schwerer, an Förderung und Hilfen zu gelangen, weil sie seltener als beispielsweise Großunternehmen Fachleute für Subventions- und Förderrecht beschäftigen. Für Berlin sind diese Ergebnisse besorgniserregend, denn die Berliner Wirtschaftsstruktur ist geprägt von kleinen und mittleren Unternehmen.
Daher fordern wir, dass die Corona-Hilfen jetzt endlich ausgezahlt werden! Dass die Neustarthilfe für Soloselbstständige, aber auch die Überbrückungshilfe III Anfang Februar noch immer nicht beantragbar sind, ist fatal. Hier zählt jeder Tag! Bei Förderlücken in den Bundeshilfen muss das Land selbst aktiv werden und stärker in die Einzelfallbetrachtung hinsichtlich der Wachstumsperspektiven der hilfesuchenden Unternehmen gehen. Gerade junge Start-ups oder auch Betriebe, die 2019 hohe Investitionsausgaben hatten, erfüllen die Anspruchskriterien der Bundesprogramme entweder nicht oder nur teilweise. Hier können ein Landesprogramm zu Gewerbemietzuschüssen und Hilfen bei Investitionsausgaben für Hygienemaßnahmen Abhilfe schaffen. Das Land darf seine kleinen Unternehmen, die den Kern der Berliner Wirtschaft ausmachen, im Kampf ums Überleben nicht im Stich lassen."

Gundolf Schülke, Hauptgeschäftsführer der IHK Ostbrandenburg für die Landesarbeitsgemeinschaft der Brandenburger IHKs: "Was das Investitionsklima angeht, hat sich die Situation in der Metropolregion zum Glück etwas entspannt. Vor allem größere Unternehmen aus dem Dienstleistungssektor in Berlin haben zu diesem positiven Gesamtergebnis beigetragen. Das kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass viele andere Unternehmen in der Metropolregion ihre Investitionsvolumen zurückfahren. Das Vertrauen in die Politik und ihre Maßnahmen für ein schnelles oder gar planbares Ende der Pandemie ist nicht gegeben. Hier werden zu wenig klare Signale gesendet. Und wer kein Licht am Ende des Tunnels sieht, legt nicht noch eine Schippe drauf. Die regionale Wirtschaft fordert ein klares, nachvollziehbares Konzept.

Dazu gehört auch, dass jetzt zum einen die versprochenen Corona-Hilfen dringend ausgezahlt werden. Zum anderen müssen Bund und Länder den freien Verkehr von Waren, Dienstleistungen und Arbeitskräften unbedingt gewährleisten. Das gilt für vor allem für die Brandenburger Wirtschaft. Eine erneute Schließung der Grenze zu Polen können wir uns nicht leisten. Die Unternehmen der Metropolregion sind auf funktionierende Lieferketten angewiesen. Ohne die vielen Arbeitskräfte aus Polen würden die Prozesse in zahlreichen Unternehmen zum Erliegen kommen."

Die ausführlichen Konjunkturdaten für Südbrandenburg:
https://www.cottbus.ihk.de/konjunkturumfrage-suedbrandenburg.html

Quelle: IHK Cottbus