Gurkenernte im Spreewald

Veröffentlicht: Donnerstag, 2. Juli 2020, 08:05 Uhr

Gurkenernte im Spreewald

Die Ernte der berühmtesten Gurken der Welt ist angelaufen. Corona bedingt stehen die Betriebe der Schutzgemeinschaft "Spreewälder Gurken" in diesem Jahr vor besonders großen Herausforderungen. Trotzdem entspricht die Größe der Anbaufläche mit rund 500 Hektar dem Niveau des Vorjahres. Davon werden auf ca. 50 Hektar Bio-Einlegegurken geerntet. Geerntet wird in einigen Betrieben seit voriger Woche. Bei den Bio-Gurken begann die Ernte eine Woche früher. Hochgerechnet mit den üblichen Hektarerträgen könnte am Ende der Erntesaison ein Ertrag von insgesamt 30 000 Tonnen Einlege- und Schälgurken zu Buche stehen. Aber die Situation ist 2020 außergewöhnlich.

Ernte der berühmten Spreewaldgurke hat begonnen

Kühle Witterung verzögert Gurkenernte im Spreewald

Auch in diesem Jahr sorgten die Eisheiligen im Mai mit bis zu minus 6 Grad am 12. Mai für Frostschäden auf den Gurkenflächen, die bereits bestellt waren. Punktuelle Nachpflanzungen bzw. Aussaat je nach Lage der Flächen waren die Folge. Im Gegensatz zum Vorjahr blieb die Witterung bis Mitte Juni hinein relativ kühl und verzögerte das Wachstum der Gurken. Lokale Starkregenereignisse verstärkten zudem die uneinheitliche Entwicklung der Gurkenschläge und die Anfälligkeit der Bestände gegenüber Krankheiten. Insbesondere der falsche Mehltau führt stellenweise zu Ernteeinbußen.

Der Erntebeginn verzögerte sich in diesem Jahr wetterbedingt um etwa eine Woche. Das kam insbesondere den Anbaubetrieben entgegen, die den Bedarf an notwendigen Erntehelfern bis dahin noch nicht für die Erntesaison sichern konnten. Allein der Einsatz ukrainischer Erntehelfer ist noch problematisch. Für die Ukraine besteht noch eine Reisewarnung, Ukrainer, die nach Deutschland einreisen, müssen erst einmal 14 Tage in Isolationsquarantäne. Gegenwärtig führen die Betriebe Gespräche mit den Gesundheitsämtern mit dem Ziel, für die ukrainischen Erntehelfer eine Arbeitsquarantäne zu ermöglichen.

Insgesamt benötigen Spreewälder Anbau- und Verarbeitungsbetriebe rund 3.000 Helfer jährlich bei der Ernte und Veredlung der Spreewälder Gurken. Spreewälder Einlegereien und Konservenbetriebe verarbeiten ausschließlich heimische Rohware aus dem regionalen Vertragsanbau. Frisch vom Feld werden die Einleger und Schälgurken in neun Konservenbetrieben nach traditionellen Spreewald-Rezepturen veredelt.

Insgesamt für Deutschland registriert die Sauerkonservenindustrie eine verstärkte Nachfrage der Kunden im Lebensmitteleinzelhandel. Der lange Stillstand der Gastronomie steigert den Bedarf der Verbraucher an Lebensmitteln. Andererseits rechnet die Sauerkonservenindustrie mit einer Verknappung des Angebots von Einlegegurken. Einige Anbaubetriebe in Deutschland haben bereits aus Sorge vor einem Mangel an Arbeitskräften weniger angepflanzt. In der Tat ist die Verfügbarkeit der benötigten Anzahl an Erntehelfern noch nicht gesichert. Gerade jetzt mit der beginnenden Gurkenernte steigt der Bedarf an Erntehelfern. Da kam die Entscheidung der Bundesregierung und weiterer EU-Mitgliedsstaaten, die Einreise von Saisonkräften seit Mitte Juni wieder zu ermöglichen, gerade recht.

Und die Corona-Krise erschwert die Erntebedingungen. Die besonderen Anforderungen bei Vorsorge, Hygiene, Arbeitsschutz und Unterbringung zum Schutz vor Ansteckung mit dem Sars-CoV-2-Virus erfordern von den Anbauern und Verarbeitern aufwändige Maßnahmen. Das erhöht den Kostendruck für die Branche erheblich. Da werden die Forderungen an den Handel, für ein authentisches Produkt, wie Spreewälder Gurken, faire Preise zu bezahlen, lauter und mehren sich. Die Spreewälder Anbauer werden jedenfalls auch unter den erschwerten Bedingungen in diesem Jahr alles daran setzen, die Lieferverträge zu erfüllen, weil sie einen fairen Umgang bevorzugen.

Wenn sich allerdings im Endergebnis für den Landwirt der Gurkenanbau nicht als rentabel erweist, wird er sich grundsätzlich vom Gurkenanbau verabschieden und sich anderen, weniger personalintensiven Kulturen im Ackerbau zuwenden. Und wer einmal mit Gurkenanbau aufgehört hat, fängt damit nicht wieder an. Damit stünden auch Spreewälder Gurken vor einem Dilemma. Hoffen wir das Beste!

Foto: Spreewaldverein e.V "Roh- & Endprodukt dicht beieinander"

Quelle: Spreewaldverein e.V.