Tesla in Grünheide: Verkehrswende oder Verkehrsinfarkt?

Veröffentlicht: Donnerstag, 16. Januar 2020, 10:20 Uhr

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Mehr als 5.000 Personen täglich und 500.000 neue Autos jährlich müssen bewegt werden, VCD fordert dafür konsequenten Ausbau des öffentlichen Verkehrs und der Fahrradinfrastruktur sowie den Gütertransport auf der Schiene.

Stellungnahme des VCD zur geplanten Gigafactory der Firma Tesla in Grünheide (Mark)

Die geplante Gigafactory von Tesla bringt ein großes zusätzliches Verkehrsaufkommen in eine Region, die zum Teil jetzt schon erhebliche Verkehrsprobleme hat. "Ohne konsequente Maßnahmen zur Verlagerung des Verkehrs ist durch die Ansiedlung von Tesla mit rund 8.500 zusätzlichen Pkw-Fahrten pro Tag zu rechnen", verdeutlicht Fritz Viertel Vorsitzender des ökologischen Verkehrsclubs VCD Brandenburg, "Dazu kommt ein erhöhtes Güterverkehrsaufkommen. Dies allein über die Straße abzuwickeln, wäre für die ohnehin schon angespannte Verkehrssituation im südöstlichen Berliner Umland katastrophal. Der VCD Brandenburg fordert deshalb entlastende Verkehrsmaßnahmen von vorneherein mitzudenken und konsequent umzusetzen."

Taktverdichtung beim RE1 und Ausbau des ÖPNV-Netzes im südöstlichen Berliner Umland

Als wichtigste Entlastungsmaßnahme fordert der VCD Brandenburg, die Taktverdichtung des RE1 (Potsdam - Berlin - Erkner - Frankfurt/ Oder) auf drei Fahrten pro Stunde und Richtung bereits mit der Inbetriebnahme des Produktionsstandortes zu realisieren. "Wenn der RE 1 alle zwanzig Minuten fährt und in Fangschleuse hält, können nicht nur die Tesla-Mitarbeiter ohne Auto zur Arbeit kommen, auch die Pendler in der ganzen Region profitieren davon", ist Viertel überzeugt. "Vor allem wenn gleichzeitig die Buslinien als Zubringer entsprechend angepasst und optimiert werden."

Außerdem rät der Verkehrsclub dringend dazu, im Zuge der Planungen für die Tesla-Ansiedlung die Nahverkehrsplanung für den westlichen Landkreis Oder-Spree insgesamt auf den Prüfstand zu stellen und dabei auch einen Ausbau des vorhandenen Straßenbahn-Netzes mitzudenken.

Ausbau und Lückenschluss im Radwegenetz erforderlich

"Um auch das Fahrrad zu einer schnellen und sichere Alternative zum Auto zumachen, fordert der VCD mehrere Lückenschlüsse, um den Fabrikstandort an das vorhandene Radwegenetz anzuschließen. Unter anderem einen Radweg entlang der L38 nach Westen, die Einrichtung einer attraktiven Radwegeverbindung nach Erkner und eine direkte Radwegeverbindung aus dem Grünheider Ortsteil Fangschleuse über die Bahnlinie zum Werksgelände", erläutert der VCD Vorsitzende.

Alternative Transportwege für den Güterverkehr auf der Ost-West-Relation erschließen

Nicht nur der Abtransport der neuen Fahrzeuge sondern auch der Transport der dafür erforderlichen Materialien und der sonstige Lieferverkehr, der durch die Ansiedlung von Tesla entstehen wird, wird zu einer drastischen Zunahme des Güterverkehrs auf der Eisenbahnstrecke Berlin - Frankfurt (Oder) führen, die schon heute durch den Schienengüterverkehr von und nach Osteuropa und Asien stark frequentiert ist. "Zu deren Entlastung fordern wir alternative Routen für den Schienenverkehr nach Osteuropa zu prüfen, wie die Reaktivierung der Strecke Leipzig - Cottbus - Pozna? oder der Verbindung von Fürstenwalde (Spree) über Beeskow, Grunow, Cottbus und Görlitz bis nach Prag", erklärt Viertel, "Dadurch können zwischen Berlin und Frankfurt (Oder) Kapazitäten für die neuen Gütermengen entstehen."

Die vollständige Stellungnahme zu den verkehrlichen Aspekten der geplanten "Gigafactory" der Firma Tesla in Grünheide (Mark) mit einer Karte der geforderten Maßnahmen.

Quelle: Verkehrsclub VCD-Brandenburg