Lausitzer Industriezentrum aus der Bronzezeit

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Seit dem 21. März 2019 werden nördlich von Schleife archäologische Grabungen des Landesamtes für Archäologie Sachsen (LfA) mit Unterstützung der Lausitz Energie Bergbau AG (LEAG) durchgeführt. Die Untersuchungen wurden nötig, da sich auf diesem Areal der zukünftige Ansiedlungsstandort für die Ortschaft Mühlrose befindet, die im Zusammenhang mit dem fortschreitenden Tagebau Nochten umgesiedelt wird.

Ausgrabung bringt frühes Industriezentrum ans Licht

Schleifer Spuren am Umsiedlungsstandort Mühlrose führen bis in die Bronzezeit

Von den etwa 12 Hektar Gesamtfläche wurde der überwiegende Teil bereits auf archäologische Hinterlassenschaften geprüft. Neben einem einzelnen Urnengrab der Bronzezeit (um 1000 v. Chr.) wurde auf einer Teilfläche nahe dem heutigen Friedhof eine Siedlungsstelle entdeckt.

Nachdem dort bereits über 4000 Quadratmeter aufgedeckt wurden, zeichnen sich über vierhundert Einzelbefunde ab, die unterschiedlichen Zeiten angehören. Zuerst hatte man am Ende der Bronzezeit (um 800 v. Chr.) hier gesiedelt, dann noch einmal in der Römischen Kaiserzeit um 200 n.Chr. Damals wurden mindestens sieben Grubenhäuser angelegt, dazu wohl auch längere Pfostenbauten.

Bemerkenswert sind jedoch auch die Überreste von nicht weniger als 100 Rennöfen, die auf Eisengewinnung in großem Stil in diesen Jahrhunderten n.Chr. hinweisen. Die Rennöfen dienten der Verhüttung von Raseneisenerz, das in der Region leicht erreichbar gewonnen werden kann. Achtzig von ihnen waren in einer regelrechten Batterie dicht an dicht angelegt worden, erläutert der örtliche Grabungsleiter Olaf Ullrich. Ein kleines Grubenhaus, in dem vermutlich die Weiterverarbeitung des gewonnenen Eisens stattfand, stand in sicherer Entfernung davon - ein früher Industriestandort in der Oberlausitz.

Die Grabungen bei Schleife werden voraussichtlich noch bis Mitte Juli 2019 andauern. Dabei setzt das Landesamt für Archäologie Sachsen zwei Archäologen und sechs Arbeiter ein.

„Das Landesamt für Archäologie Sachsen führt bereits seit Beginn der 90er Jahre Untersuchungen im Bereich der Tagebaue Nochten und Reichwalde durch. Langfristig angelegte Vereinbarungen mit der der Lausitz Energie Bergbau AG gewährleisten, dass die archäologischen Zeugnisse nicht undokumentiert für die Nachwelt verloren gehen", hebt Dr. Wolfgang Ender, stellvertretender Abteilungsleiter im Landesamt für Archäologie, hervor.

Quelle: LfA - Landesamt für Archäologie