ZDH-Präsident eröffnet Handwerkermesse

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Die 29. Handwerkerausstellung in Cottbus steht in den Startlöchern. An diesem Wochenende, 26. und 27. Januar, öffnen sich die Cottbuser Messehallen. Spitzengast ist Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH). Im Interview erklärt er, weshalb die Messe für die Branche so wichtig ist und wie das Handwerk den Strukturwandel begleiten kann.

ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer eröffnet Lausitzer Handwerkermesse in Cottbus

Wie ist die Stimmung in den Handwerksbetrieben?

Wollseifer: Dem Handwerk geht es weiterhin sehr gut. Wir haben einen starken Binnenmarkt, hohe Löhne, niedrige Zinsen, beste Voraussetzungen, dass es auch in Zukunft gut laufen kann. Wir rechnen mit gut drei, vielleicht sogar vier Prozent Umsatzzuwachs in 2019. Kehrseite dieser brummenden Volllast-Konjunktur im Handwerk: Die Betriebe arbeiten an ihren Kapazitätsgrenzen, es findet sich nicht genügend Personal, der Wettbewerb und die Konkurrenz um Fachkräfte ist groß und als Ergebnis all dessen: Die Wartezeiten für die Kunden werden länger. Das gefällt auch unseren Betrieben ganz und gar nicht. Hinzu kommt, dass die Betriebe immer mehr belastet werden, etwa durch neue arbeitsrechtliche Bestimmungen oder erhöhte Beitragssätze wie in der Pflegeversicherung, dass aber etwa bei Steuern Entlastungen nicht vorgesehen sind. Momentan können unsere Betriebe das noch schultern, aber ob das auch unter konjunkturellen Stressbedingungen der Fall sein wird, ist nicht sicher. Gerade jetzt, wo sich erste konjunkturelle Bremsspuren zeigen, sollten die Bedingungen beim Arbeitsrecht, bei Steuern und Sozialversicherungen für die Betriebe so gestaltet werden, dass sie erfolgreich arbeiten und wirtschaften können. Aber leider steht unsere Regierung bei der Wirtschafts- und Steuerpolitik derzeit auf der Bremse.

Vor welchen Herausforderungen stehen die Handwerksbetriebe im Kammerbezirk Cottbus?

Wollseifer: Strukturwandel ist hier das entscheidende Stichwort: Wie in nur wenigen anderen Kammerbezirken werden sich die Betriebe im Kammerbezirk Cottbus in den kommenden Jahren absehbar auf grundlegende Veränderungen einstellen und diese bewältigen müssen. Der geplante Braunkohleausstieg in der Lausitz wird auch für die Handwerksbetriebe mittelbar deutliche Folgen haben. Viele sind derzeit verunsichert, weil noch unklar ist, unter welchen Bedingungen dieser Ausstieg verlaufen wird und durch welche Maßnahmen und Investitionsprojekte die bisherige jährliche Wertschöpfung von 1,4 Milliarden ersetzt werden soll. Die Handwerksbetriebe befürchten den Verlust von Kaufkraft und vor allem auch eine zunehmende Abwanderung und Abwerbung von Fach- und Nachwuchskräften aus der Region. Damit droht eine Ausdünnung der handwerklichen Versorgungsstrukturen und auch der Verlust von Arbeitsplätzen. Das gilt es zu verhindern, indem für die Region bereits jetzt Perspektiven aufgezeigt und Rahmenbedingungen und Investitionen verbindlich festgezurrt werden, die auch in der Zukunft wirtschaftlich erfolgreiches Handwerkertum ermöglichen.

Inwiefern kann das Handwerk Begleiter oder sogar Impulsgeber im Strukturwandel sein?

Wollseifer: Beim Strukturwandel kann das Handwerk eine entscheidende Rolle spielen. Denn sicherlich werden wir den Strukturwandel nicht nur mit der Ansiedlung von Bundesbehörden in den betroffenen Regionen lösen können. Wir brauchen einen Mix aus kleinen Industriebetrieben, Handwerksbetrieben, Mittelständlern und Einzelhändlern. Nur das wird zum Erfolg führen. Die Schlussberatungen der Strukturkommission zum Ausstieg aus der Stromverkohlung sind angelaufen. Anfang Februar soll der Schlussbericht vorliegen. Wir werden uns bis dahin weiter für die Belange des Mittelstandes und des Handwerks in den betroffenen Regionen einsetzen. Sie müssen bei dem anstehenden strukturellen Wandel ausdrücklich in der Wirtschafts- und der Regionalpolitik berücksichtigt werden. Erst wenn klar ist, mit welchen Maßnahmen man diesen Wandel begleiten und erreichen will, kann über das Ende des Braunkohleabbaus und der Kohleverstromung gesprochen werden. Sonst macht man den zweiten Schritt vor dem ersten.

Wie kann die Handwerkerausstellung, die größte Leistungsschau des Handwerks im Land Brandenburg, dazu beitragen?

Wollseifer: Eine Messe ist immer eine Leistungsschau. Sie zeigt, was das Handwerk drauf hat. Und das ist ziemlich viel: Handwerk ist vielseitig. Handwerk ist modern. Handwerk ist heimatverbunden. Handwerk ist meisterliche Qualität. Das alles zeigen die Ausstellerinnen und Aussteller auf der HandWerker 2019 und damit auch, dass in ihrem Leistungs- und Produktangebot all das enthalten ist, was für den anstehenden Strukturwandel in der Region zwingend gebraucht wird. Ohne das Handwerk werden diese Veränderungen nicht zu stemmen sein - genau das wird durch diese größte Leistungsschau des Handwerks im Land Brandenburg deutlich.

Hintergrund:

Mehr als 300 Unternehmen und Institutionen nehmen an der 29. Handwerkerausstellung in Cottbus teil. Am 26. und 27. Januar öffnen sich von 10 bis 18 Uhr die Cottbuser Messehallen. Die Handwerkskammer Cottbus ist mit ihrem Angebot am Stand 1.70 in der Halle 1 vertreten. www.hwk-cottbus.de/handwerkermesse2019

Autor und Kontakt

Handwerkskammer Cottbus (HWK)
Altmarkt 17
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Handwerkskammer Cottbus (HWK) im Branchenbuch Lausitz.