Grundwasserverseuchung durch Schweinemastanlage

Potsdam / Tornitz - Die Bolart Schweineproduktion GmbH in Tornitz bei Vetschau (OSL) ist nicht nur aufgrund der geplanten Erweiterung der Tierplätze in der Kritik. Untersuchungen bestätigen, dass das Grundwasser seit Jahren dauerhaft belastet ist. Am Freitag, den 7. Dezember 2018 soll das Landesamt für Umwelt (LfU) die Ergebnisse weiterer Prüfungungen dem Umweltministerium vorlegen.

Grundwasserverseuchung durch Bolart-Schweinemastanlage in Tornitz bei Vetschau

Naturschützer fordern endlich Aufklärung der Umweltverschmutzung bei Tornitz

Bereits seit Jahren weisen Naturschützer darauf hin, dass es zu massiven Verunreinigungen des Grundwassers kommt, weil die Schweinemäster die erteilten Auflagen nicht erfüllen. PD. Dr. Werner Kratz, stellvetretender Vorsitzender des NABU Brandenburg und Ökotixikologe, sieht hier ein massives Versagen der zuständigen Behörden, die die Einhaltung der Auflagen nicht einforderten. "Wie kann es sein, dass eine Behörde im Land Brandenburg 10 Jahre braucht, um entsprechend des Bewilligungsbescheides tätig zu werden und ein zwingendes Monitoring durchzuführen? Haben wir es hier mit einem massiven Vollzugsdefizit zu tun?", fragt Kratz.

Bereits im Genehmigungsbescheid vom 30. April1997 wurde für die Bolart GmbH festgelegt, dass das Grundwasser halbjährlich an vier Grundwassermessstellen im An- und Abstrom der Anlage zu beproben ist und die gewonnenen Untersuchungsergebnisse der Unteren Wasserbehörde (UWB) des Landkreises Oberspreewald-Lausitz vorzulegen sind.

Erst durch den Druck der Bürgerinitiative "Schweinewind" und des NABU Brandenburg fanden erste Messungen im Grundwasser statt. Bereits zu diesem Zeitpunkt wurde auf vertauschte und weggelassene Brunnen hingewiesen und der UWB Manipulationen aufgezeigt.

Bisher wurden von der Bolart Schweineproduktion GmbH nur für die Jahre 2013 und 2014 die in der Genehmigung von 1997 geforderten Kontrollen des Grundwassers der UWB lückenlos vorgelegt.

Im Juni 2014 endlich einigten sich die Untere Wasserbehörde und der Anlagenbetreiber darauf, das Grundwasser an allen neun im Umkreis der Anlage befindlichen Messstellen auf das typische Stoffspektrum für Tierhaltungsanlagen - leider ohne Tierarzneimittel - zu untersuchen.

Merkwürdigerweise befindet sich keine der Grundwasser-Messstellen östlich der Anlage. Gerade dies wäre wichtig, um den Einfluss der Mastanlage auf das Grundwasser zu bestimmen, denn das Grundwasser fließt in nordöstliche Richtung. Erst eine Bachelorarbeit deckte im Jahr 2017 die unsinnige Konzeption des Messnetzes auf.

Bei den Messwerten von 2014 bis 2017 wurde der Grenzwert für Sulfat (250mg/l) ist an vier Messpunkten, westlich neben Güllebecken, dauerhaft überschritten. Der Nitratgrenzwert (50 mg/l) ist an einzelnen Messstellen dauerhaft um das 4-5-fache überschritten, der Grenzwert für Ammonium um das 35-fache.

Aus wissenschaftlicher Sicht ist nicht nachvollziehbar, dass benachbarte Messstellen Nitratwerte mit einem Unterschied von bis zu 200 mg/l aufweisen und zwischen den Jahren an den gleichen Messstellen riesige Konzentrationsschwankungen auftreten, die umweltchemisch und hydrologisch nicht zu erklären sind.

"Angesichts dieses Datendefizits ist es unverständlich, dass sowohl die Obere als auch die Untere Wasserbehörde bis dato keinen Handlungsbedarf gesehen und z.B. eigene unangemeldete Messungen angewiesen hat", wundert sich Kratz.

Hintergrund:

Mitte November 2018 räumte das Brandenburger Umweltministerium im Landtagsausschuss für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft ein, dass nach wie vor eine hohe Belastung des Grundwassers mit erhöhten Konzentrationen von Ammonium, Nitrit und Nitrat im Umfeld des Tornitzer Schweinemastbetriebes festzustellen ist und diese auf Gülleeinträge zurückzuführen seien.

Seit 2013 kämpfen die Bürgerinitiative (BI) Schweinewind und der NABU Landesverband Brandenburg gemeinsam gegen eine der europaweit größten Schweinezuchtanlagen in Tornitz bei Vetschau. Dort soll die Schweinemastanlage von bereits über 51.500 auf über 67.300 Tierplätze erweitert werden.
Das Landesamt für Umwelt Brandenburg (LfU) hatte im Jahr 2015 den Betreibern der Schweinezuchtanlage Vetschau einen Neubau genehmigt. Gegen die Erweiterung gehen die örtliche Bürgerinitiative "Schweinewind" und der NABU Brandenburg rechtlich vor.

Mehr dazu unter: https://brandenburg.nabu.de/natur-und-landschaft/landnutzung/landwirtschaft/24101.html

Quelle: NABU Brandenburg