Wachstumsdynamik auf hohem Niveau

Wachstumsdynamik auf hohem Niveau

Cottbus/Dresden. Die Ergebnisse der 8. gemeinsamen Konjunkturumfrage der IHKs Cottbus und Dresden für die Lausitz im Herbst 2018 belegen, dass sich die konjunkturelle Wachstumsdynamik nach dem Stimmungshoch zu Jahresbeginn auf hohem Niveau verstetigt. Die Hochstimmung umfasst alle Branchen, wird aber insbesondere vom Baugewerbe und der Dienstleistungswirtschaft getragen. Die Geschäftserwartungen sind eher von Zurückhaltung bestimmt. Hauptsächlich in der Industrie ist die Skepsis gestiegen. Größtes Geschäftsrisiko bleibt der Fachkräftemangel. Zur Verunsicherung tragen aber auch die Diskussionen um den Ausstieg aus der Kohleförderung und -verstromung bei.

Lausitzer Wirtschaft mit guter Geschäftsentwicklung

Prognosen von Skepsis bestimmt

Die Hauptgeschäftsführer der IHKs Cottbus und Dresden, Marcus Tolle und Dr. Detlef Hamann, stellten am 20.11.2018 in Senftenberg die Ergebnisse der achten gemeinsamen Konjunkturumfrage für die Lausitz vor. Der Wirtschaftsraum Lausitz verbindet beide Kammerbezirke über die Grenzen Brandenburgs und Sachsens hinweg. An der Umfrage beteiligten sich 565 Unternehmen aus Industrie, Bauwirtschaft, Groß- und Einzelhandel, Verkehr und dem Dienstleistungsgewerbe aus den Landkreisen Bautzen, Görlitz, Elbe-Elster, Oberspreewald-Lausitz, Spree-Neiße und der Stadt Cottbus.

"Nachdem wir im Frühjahr 2018 ein Stimmungshoch verzeichnen konnten, bewegt sich die Geschäftslage der Lausitzer Unternehmen jetzt wieder auf dem bereits hohen Niveau des Vorjahres," zeigt sich Dr. Detlef Hamann, Hauptgeschäftsführer der IHK Dresden, erfreut. Bau und Industrie sind klar die Konjunkturlokomotiven, aber auch die Konsumneigung der Verbraucher bleibt ein wichtiger Impuls. Allein von Januar bis August dieses Jahres hat der Umsatz im Verarbeitenden Gewerbe (Betriebe mit mehr als 50 Mitarbeitern) um 12,5 % gegenüber dem Vorjahr auf 9,3 Mrd. Euro zugelegt", hebt Hamann die Bedeutung dieses Wirtschaftsbereiches für die Lausitz hervor.

"Mehr als 23.000 entstandene Jobs seit 2010 sprechen eine eindeutige Sprache. Die positive Wirtschaftsentwicklung in der Lausitz hat auch den Arbeitsmarkt boomen lassen", ergänzt Marcus Tolle, Hauptgeschäftsführer der IHK Cottbus. "Und dieser Boom hält weiter an. Doch inzwischen sagen mehr als zwei Drittel der befragten Unternehmen, dass Sie den Mangel an geeigneten Arbeitskräften als größtes Risiko für die weitere Entwicklung einschätzen. Die gute Auftragslage und die klaffende Lücke zwischen jungen und älteren Arbeitskräften sorgt auch weiterhin für große Nachfrage nach Fachkräften."

Konjunktur

Die Ergebnisse der Konjunkturumfrage bescheinigen der Lausitzer Wirtschaft erneut eine ausgesprochen gute Geschäftslage. So gaben im Herbst 2018 insgesamt 56 % der befragten Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage mit "gut" an. 38 % "befriedigende" und 6 % "schlechte" Lageeinschätzungen runden das Bild ab. Die Werte decken sich mit denen der Vorjahresumfrage im Herbst 2017.

Obwohl die Mehrzahl der Unternehmen mit besseren (14 % ) oder gleich bleibenden Geschäften (71 %) rechnet, sinkt der Prognosesaldo auf minus Eins, und liegt damit erstmals seit zwei Jahren wieder leicht im negativen Bereich (Saldo Herbst 2017: + 6). Hauptsächlich in der Industrie ist die Skepsis spürbar gestiegen. Sorgen bereiten u. a. die handelspolitischen Rahmenbedingungen. Zur Verunsicherung tragen aber auch die angespannte Fachkräftesituation und die Diskussionen um den Ausstieg aus der Kohleförderung und -verstromung bei.

Die Investitionsbereitschaft nimmt ab. So planen 28 % der Unternehmen steigende Investitionen (Herbst 2017: 37 %), 56 % wollen ihr Investitionsengagement auf gleichem Niveau halten, 16 % gehen von rückläufigen Investitionen aus (Herbst 2017: 12 %). Wichtigstes Investitionsmotiv bleiben Ersatzbeschaffungen, gefolgt von Kapazitätserweiterungen.

Branchenbewertung

Jeder zweite Industriebetrieb berichtet über gute Geschäfte (53 %). Vor einem Jahr waren es noch 65 %. Während die Inlandsgeschäfte gut laufen, haben die Exporte nachgegeben. Die Prognosen der Industrie sind verhalten. So rechnen mit 16 % genau so viele Betriebe mit besseren wie mit schlechteren Umsätzen. Im Herbst 2017 lag das Verhältnis noch bei 24 % zu 8 %). Von steigenden Umsätzen geht nur noch jede fünfte Firma aus.

Das Baugewerbe kann ein neues Hoch vermelden. 77 % der Firmen (Herbst 2017: 69 %) berichten über eine gute Geschäftslage. Die Betriebe profitieren nach wie vor vom Wohnungsbau, aber auch vom öffentlichen Straßenbau und von Investitionen im Wirtschaftsbau. Hohe Arbeits-, Material und Energiekosten schmälern allerdings die Gewinne. Die Prognosen sind aufgrund der anhaltenden Nachfrage freundlich. 9 % der Betriebe (Herbst 2017: 11 %) rechnen in den kommenden Monaten mit besseren, 8 % mit schlechteren Geschäften (Herbst 2017: 17 %).

Die Stimmung im Handel hat wieder zugelegt. Groß- und Einzelhandel verweisen auf gute Geschäfte. 37 % der Händler beurteilen ihre Geschäftslage als gut (Herbst 2017: 38 %), 11 % mit schlecht (Herbst 2017: 7 %). Der Einzelhandel profitiert vom stabilen Arbeitsmarkt, Einkommenszuwächsen und niedrigen Zinsen. Die Umsatzentwicklung im Onlinehandel wird günstiger eingeschätzt als im stationären Einzelhandel. Dem Großhandel kam unter anderem die starke Bautätigkeit zu Gute. Die Aussichten sind optimistisch, da das Jahresendgeschäft vor der Tür steht. 20 % der Befragten (Herbst 2017: 17 %) rechnen mit besseren, 18 % mit schlechteren Geschäften (Herbst 2017: 20 %).

Die positive Geschäftsentwicklung im Dienstleistungsgewerbe hat sich fortgesetzt. Vorrangig die unternehmensnahen Dienstleistungen und die Immobilienwirtschaft profitieren von der Industrie- und Baukonjunktur. 57 % der Befragten schätzen ihre Geschäftslage mit "gut" ein (Herbst 2017: 55 %), 6 % mit "schlecht", genau wie im Herbst 2017. Dennoch sind die Prognosen eher zurückhaltend. Saisonal bedingte Nachfragerückgänge und steigende Arbeitskosten dämpfen maßgeblich die Umsatzerwartungen. Eine Verbesserung der Lage erwarten so 11 % (Herbst 2017: 16), von einer Verschlechterung gehen 16 % aus (Herbst 2017: 12 %).

Beschäftigungsentwicklung in der Lausitz

Die Nachfrage nach Mitarbeitern hält aufgrund der Auftragsentwicklung, Kapazitätsauslastung und demographischen Entwicklung in den Lausitzer Unternehmen an. 17 % der Befragten wollen zusätzliches Personal einstellen, insbesondere die Bauwirtschaft und die Industrie. Branchenübergreifend gewinnt die Bindung der eigenen Belegschaft an Bedeutung. Vor dem Hintergrund der Verknappung verfügbarer Fachkräfte, geben mittlerweile 64 % der Unternehmen den Fachkräftemangel als größtes Geschäftsrisiko an (Herbst 2017: 62 %).

Im Zug der positiven Konjunktur der letzten Jahre hat sich die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse von 2010 bis 2018 um rund 23.000 Beschäftigte beziehungsweise um 7 % erhöht. Allein 5.600 neue Arbeitsverhältnisse entfallen auf die letzten 12 Monate. Der Zuwachs verteilt sich auf eine Vielzahl von Branchen und fiel bei Verkehr und Lagerei (+ 7,4 %), Gastgewerbe (+ 3,9 %) sowie Heime und Sozialwesen (+ 3,0 %) am höchsten aus. Dem gegenüber sind die Beschäftigtenzahlen bei Finanz- und Versicherungsdienstleistern (- 7,2 %), im Bergbau einschl. der Energie- und Wasserversorgung (- 0,7 %) und in der Land- und Forstwirtschaft (- 0,6 %) rückläufig.

Die Schere zwischen jungen Beschäftigten unter 25 Jahren (6,9 % aller Beschäftigten) und älteren Beschäftigten zwischen 50 und 65 Jahren (39,1 % aller Beschäftigten) ist in der Lausitz aktuell immer noch weit geöffnet. Es zeichnete sich allerdings in den letzten 12 Monaten eine Zunahme der Mitarbeiter unter 25 Jahren um 1.200 Personen oder 5,3 % ab. Die Zahl der älteren Beschäftigten stieg im gleichen Zeitraum lediglich um 100 Personen, blieb also nahezu konstant.

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IHK Cottbus
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IHK Cottbus im Branchenbuch Lausitz.