Projekt Görlitz Welterbe

Veröffentlicht: Montag, 17. September 2018, 13:50 Uhr

Projekt Görlitz Welterbe

Mit dem Projekt Görlitz Welterbe bemüht sich die Stadt Görlitz seit 2011 um eine Aufnahme in die Unesco-Liste zu bewerben.

Projekt Görlitz Welterbe: Status Quo und Ausblick

Erstmalige Forschungen an den Hallenhäusern unter dem Aspekt der europäischen Handelsgeschichte

Diese gipfelten bisher in der Bewerbung um die Aufnahme in die deutsche Vorschlagsliste, die allerdings scheiterte. Die von der Kultusministerkonferenz eingesetzte Jury zur Bewertung der potentiellen deutschen Welterbestätten hat der Stadt Görlitz 2014 jedoch Potenzial bescheinigt. Im Fokus der Bewertungen stand das architektonische Ensemble der Görlitzer Altstadt mit den typischen Hallenhäusern. Sie sind als herausragende Zeugnisse ihrer Epoche geeignet, das zentraleuropäische Handelssystem der frühen Neuzeit darzustellen. Es wurde empfohlen, diesen Aspekt weiter zu erforschen und für die Öffentlichkeit sichtbar zu machen.

Auf diesem Weg ist die Stadt Görlitz inzwischen weiter vorangeschritten und präsentiert den aktuellen Arbeits- und Wissensstand dazu in der Ausstellung "Kaufmannspaläste an der VIA REGIA". Sie macht deutlich, dass nicht das formale architektonische Prinzip der Hallenhäuser Gegenstand des potentiellen materiellen Weltkulturerbes ist. Vielmehr ist es das aktuelle Forschungsziel, die über Jahrhunderte von der Gotik bis zur Renaissance entwickelte Architektur der Hallenhäuser als Abdruck und Spiegelbild der funktionalen und repräsentativen Ansprüche des Handels und der Kaufleute zu entschlüsseln.

Das Görlitzer Ratsarchiv, eines der bedeutendsten Stadtarchive Deutschlands mit lückenlosen Dokumenten seit dem 14. Jahrhundert, besitzt hierfür einen unschätzbaren Wert. Ob Steuer-, Rechnungs-, Erb- oder Gerichtsbücher - alle tragen dazu bei, für jedes der für die Welterbe-Bewerbung prädestinierten Gebäude inhaltsreiche Eigentümerchroniken zu verfassen. Ca. 60 solcher Chroniken werden gerade erarbeitet.

Parallel dazu wird die Haus- und Bauforschung vertieft. Mit hochauflösenden 3D- Laserscans der Gebäude wird es nun möglich, markante Erweiterungs- und Umbauphasen zeitlich noch genauer einzugrenzen. Diese sind als anschauliche 3D-Druck-Architekturmodelle auch in der Ausstellung zu sehen. Damit wird es möglich, die einzelnen Bauphasen zu einzelnen Besitzern, ihren Handelsgeschäften sowie ihren gesellschaftlichen Positionen zuzuordnen.

Ziel der Forschungen ist es darzustellen, wie das einzigartige Architekturensemble der Altstadt das zentraleuropäische Handelssystem der frühen Neuzeit darzustellen vermag. Die Ergebnisse der aktuellen Forschungen bringen die Stadt Görlitz diesem Ziel entscheidend näher.

Die mit der thematischen Ausschöpfung des Ratsarchivs verschränkte Erforschung der Gebäudesubstanz verspricht auch neue Perspektiven auf Hallenhäuser, die nach den Görlitzer Vorbildern in Städten entlang der VIA REGIA in Osteuropa entstanden sind - insbesondere auch in Polen im Verlaufe des 16. Jahrhunderts. Die VIA REGIA, anerkannte Kulturroute des Europarates, ist nicht nur der wichtigste historische Transferkorridor der technischen, sozialen und kulturellen Innovationen der damaligen Zeit. Sie ist zugleich die Voraussetzung für die untrennbar mit dem Handel und Fernhandel verbundene Entwicklung der Stadt Görlitz vom Mittelalter bis zur frühen Neuzeit. Sie verleiht dem von der Stadt Görlitz verfolgten Welterbethema in entscheidender Weise eine internationale Dimension.

Die von der Kultusministerkonferenz eingesetzte Jury zur Bewertung der potentiellen deutschen Welterbestätten hat der Stadt Görlitz 2014 bescheinigt, dass das architektonische Ensemble der Görlitzer Altstadt mit den typischen Hallenhäusern als herausragenden Zeugnissen ihrer Epoche in der Lage ist, das zentraleuropäische Handelssystem der frühen Neuzeit darzustellen. Es wurde empfohlen, diesen Aspekt weiter zu erforschen und für die Öffentlichkeit sichtbar zu machen.

Quelle: PM Stadt Görlitz