LEADER-Gebiete Westlausitz und Bautzener Oberland besucht

LEADER-Gebiete Westlausitz und Bautzener Oberland

Staatsminister Thomas Schmidt hat heute (3. September 2018) die LEADER-Gebiete "Westlausitz" und "Bautzener Oberland" im Landkreis Bautzen besucht. Bei den Besuchen in Großharthau und in Sohland informierte sich der Staatsminister über den Umsetzungsstand des LEADER-Programms. Die besichtigten Projekte zeigen die vielfältigen Möglichkeiten auf, die mithilfe der Mittel aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des Ländlichen Raums (ELER) unterstützt werden.

Besuch der LEADER-Gebiete "Westlausitz" und "Bautzener Oberland"

Gute Erfahrungen mit regionaler Verantwortung

"Beide Gebiete zeigen, wie vielfältig die Vorhaben sein können, die mit LEADER unterstützt werden - ob Umnutzung vorhandener Baukultur zum Mehrgenerationenhaus, ob Tourismuskonzept, Spielplatz oder individuelle Unternehmensförderung. Die heute besuchten Projekte bereichern die Region und bringen die Dörfer voran", sagte der Staatsminister. "Hier wird deutlich, dass das LEADER-Programm ganzheitlich in den ländlichen Raum hineinwirkt und dabei die großen Freiheiten der LEADER-Gebiete hervorragend und kreativ eingesetzt werden."

Staatsminister Schmidt startete seinen Besuch bei Familie Werab, die sich nach der Wiederherrichtung eines denkmalgeschützten Fachwerkhauses im Großharthauer Ortsteil Schmiedefeld ansiedelte. Das Fachwerkhaus wurde unter Einhaltung heutiger Wohnstandards und der Anforderungen des Denkmalschutzes wiederhergestellt. Durch den Ausbau einer Wohnung und eines weiteren Gebäudes des Hofensembles lebt die Familie mit mehreren Generationen gemeinsam. "Die Häuser unserer Vorfahren und die Struktur unserer Dörfer sind Teil unserer Heimat. Die Menschen im ländlichen Raum identifizieren sich damit, " sagte Staatsminister Schmidt. "Der Erhalt unserer ländlichen Baukultur ist Ziel aller 30 sächsischen LEADER-Gebiete."

Im Rahmen eines Rundganges in Großharthau besichtigte der Staatsminister weitere Projekte, die über LEADER gefördert wurden. Unter anderem wurde das Dachgeschoss der Grundschule ausgebaut und die Rettungstreppe erweitert. Aufgrund von Kapazitätsengpässen in der Grundschule Großharthau wurden zwei weitere Klassenräume geschaffen - einer davon kann auch durch die Hortbetreuung genutzt werden. Die Gemeinde erhielt dafür rund 190 000 Euro LEADER-Fördermittel Zudem besichtigte der Staatsminister Schmidt bei einem Rundgang in Sohland einige Vorhaben des LEADER-Gebietes "Bautzener Oberland" Die Sternwarte "Bruno H. Bürgel" hat knapp 50 000 Euro Förderung erhalten, um den ersten Teil des Tourismuskonzeptes "Sonnenpfade" umzusetzen. Damit können etwa Nachbildungen von Felsen gebaut und Informationstafeln erstellt werden. Hintergrund sind die besonderen Phänomene der Sonnenbeobachtung an verschiedenen legendenumwobenen Felsen der Oberlausitz: Sichtöffnungen im Felsgestein ermöglichen kalendarische Sonnenbeobachtungen zur Bestimmung der Sonnenwenden und Tagundnachtgleichen.

Eine weitere Station war die Firma Schicktanz, die Kunststoffteile herstellt. Sie erhält über LEADER eine Förderung, um ihre Unternehmenskommunikation grundlegend zu erneuern. Der Stauseespielplatz wurde über eine Förderung von knapp 54 000 Euro durch die Gemeinde neu gestaltet: Das Gelände wurde profiliert, Spielgeräte aufgearbeitet sowie die Bepflanzung erneuert. Der Rundgang endete an der "Scheune am See". Das dazugehörige Brauhaus hatte im Juli 2018 einen Förderbescheid über knapp 64 000 Euro für die Anschaffung einer Brauanlage erhalten. Damit soll eine Microbrauerei aufgebaut werden. "Gerade die kleineren Betriebe in unseren Dörfern erhalten über LEADER Unterstützung für einen leichteren Start in eine stabile Selbständigkeit", sagte Staatsminister Schmidt in Sohland.

Die beiden besuchten Regionen gehören mit jeweils 50 000 Einwohnern zu den kleineren sächsischen LEADER-Gebieten. Träger der Region Westlausitz ist der Verein "Westlausitz - Regionale.Wirtschaft.Leben". Dessen Titel beschreibt gleichzeitig das Leitbild. Insgesamt 12 Gemeinden und Städte hatten bereits seit 2007 ein LEADER-Gebiet gebildet und wurden ab 2014 wieder als LEADER-Gebiet anerkannt. Bis zum Jahr 2020 steht dem Gebiet "Westlausitz" ein Budget von rund 8,2 Millionen Euro zur Verfügung, mit dem Vorhaben gefördert werden können.

Die Region "Bautzener Oberland" verfolgt ihre Strategie unter dem Leitsatz "Unser Bautzener Oberland - starke Gemeinschaft - starke Wirtschaft - starke Zukunft". Die 13 Gemeinden südlich der Stadt Bautzen hatten ebenfalls bereits seit 2007 eine Region gebildet und sich ab 2014 als LEADER-Gebiet zusammengeschlossen. Bis zum Jahr 2020 verfügt das Gebiet über ein Budget von knapp 14 Millionen Euro, mit dem es über die Förderung von Vorhaben selbstständig entscheiden kann. Die LEADER-Gebiete "Westlausitz" und "Bautzener Oberland" kooperieren unter dem Titel "Die Fabrik im Dorf lassen - Industriekultur in der Oberlausitz".

Hintergrund:

Nach den guten Erfahrungen mit der Integrierten Ländlichen Entwicklung (ILE) in der vergangenen Förderperiode hatte der Freistaat Sachsen den Regionen für die Jahre 2014 bis 2020 noch größere Gestaltungsmöglichkeiten in der regionalen Entwicklung eröffnet und mehr Verantwortung bei der Verwendung der Fördermittel übertragen. Bei der Förderung der Entwicklung des ländlichen Raums setzt der Freistaat Sachsen wie kein anderes Bundesland auf das LEADER-Prinzip: Die Akteure im ländlichen Raum können nahezu flächendeckend die Vorteile eigenständiger Strategien einschließlich der Verantwortung für ihr Budget nutzen. Die Regionen erhalten dafür mit 427 Millionen Euro 40 Prozent der Mittel des sächsischen Entwicklungsprogramms für den ländlichen Raum (EPLR). Mit diesem hohen Anteil ist der Freistaat Sachsen europaweit an der Spitze.

Nach dem Aufruf des Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL) haben sich 30 sächsische Regionen gebildet und sich mit ihren Entwicklungsstrategien um die Anerkennung als LEADER-Gebiet beworben. Das SMUL genehmigte alle Strategien im April 2015. Die LEADER-Gebiete bestimmen nun in einem transparenten Verfahren selbst, welche Projekte in welcher Höhe gefördert werden. Die Strategien sind die Basis für thematische Aufrufe, nach denen sich Bürger, Unternehmen, Vereine und Gemeinden um eine Förderung bewerben können. Ein Entscheidungsgremium wählt nach den regionalen Prioritäten die Vorhaben aus. Die Bewilligung der Förderung erfolgt durch die jeweiligen Landratsämter.

LEADER (französisch: "Liaison entre actions de développement de l'économie rurale") ist eine Initiative der Europäischen Union zur Entwicklung der ländlichen Räume unter maßgeblicher Mitarbeit der Bevölkerung. Die finanzielle Unterstützung der ländlichen Entwicklung im Rahmen von LEADER erfolgt aus ELER-Mitteln sowie aus sächsischen Landesmitteln auf Grundlage des von den Abgeordneten des Sächsischen Landtages beschlossenen Haushaltes

SMUL - Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft