Sicherheitsbereitschaft am Block F KW Jänschwalde

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Mit einem eigenen Projektteam bereitet sich die LEAG seit knapp drei Jahren auf die ab dem 1. Oktober 2018 beginnende Sicherheitsbereitschaft am Block F des Kraftwerkes Jänschwalde vor. Damit geht der erste von insgesamt zwei 500-MW-Kraftwerksblöcken in eine vierjährige Bereitschaft, während der er innerhalb von zehn Tagen nach Aufruf durch den Übertragungsnetzbetreiber anfahrbereit und nach weiteren maximal 24 Stunden mit voller Leistung am Netz sein muss. Mit Ende der vierjährigen Bereitschaftszeit wird der Block F endgültig stillgelegt. Block E soll am 1. Oktober 2019 in die Sicherheitsbereitschaft folgen und wird im Jahr 2023 stillgelegt.

LEAG bereitet Kraftwerk Jänschwalde auf Sicherheitsbereitschaft vor

Vierjährige Reserve-Zeit am Block F beginnt am 1. Oktober 2018

"Einen Kraftwerksblock in Reserve zu halten, erfordert viele technische und organisatorische Maßnahmen, die wir mit einem großen Aufwand umsetzen, damit wir den Anforderungen einer kurzfristigen Inbetriebnahme zur Sicherstellung der Energieversorgung in Deutschland jederzeit gerecht werden", sagte der LEAG-Vorstandsvorsitzende Dr. Helmar Rendez. "Vor allem auf den Personalbedarf und unsere Systemdienstleistungen für das Stromnetz hat die Sicherheitsbereitschaft mit insgesamt 1000 MW, die wir am Kraftwerksstandort Jänschwalde in Reserve stellen und schließlich stilllegen müssen, gravierende Auswirkungen. So werden wir über alle Unternehmensbereiche hinweg in Summe etwa 600 Stellen in den nächsten Jahren nicht neu besetzen und weniger Systemdienstleistungen wie Regelleistung oder Minutenreserve anbieten können. Auch die Servicepartner werden davon betroffen sein, indem wir weniger Instandhaltungsaufträge vergeben werden", so Dr. Rendez.

Zu den Schwerpunkten bei den technischen Maßnahmen gehört die Konservierung und der Frostschutz für den Block. "Wir müssen sicherstellen, dass es im Kraftwerksblock frostfrei ist. Dafür muss das Kesselhaus zunächst abgedichtet und mit einem Heizsystem ausgestattet werden. Zusätzlich werden wir Messleitungen mit Begleitheizungen versehen müssen", informierte der Jänschwalder Kraftwerksleiter Andreas Thiem. Um Korrosion zu vermeiden, muss die Turbine vor Feuchtigkeit geschützt werden. Dazu wird getrocknete Luft erzeugt, die mit Lüftern in die zu konservierenden Systeme geleitet wird. Eine weitere technische Konservierungsmaßnahme stellt zudem das Einbringen von geringfügigen Mengen von Aminen in den Wasser-Dampf-Kreislauf vor der Außerbetriebnahme dar, um an wasser- und dampfberührten Oberflächen einen Schutzfilm zu bilden.

"Während der Sicherheitsbereitschaft müssen unsere Mitarbeiter vielfältige Arbeiten an den Anlagen durchführen. Dazu gehören diverse Prüfungen, vor allem an Sicherheitseinrichtungen, sowie eine Reihe von Funktionsproben, um für den Einsatz gerüstet zu sein, da dieser Aufruf jederzeit erfolgen kann", erklärte der Kraftwerksleiter. Das Aufrufen aus der Sicherheitsbereitschaft erfolgt für die Jänschwalder Kraftwerksblöcke durch den Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz. Innerhalb von 10 Tagen muss der Block startbereit sein. Die einzuleitenden Maßnahmen reichen vom Wiedereinbau demontierter Aggregate, über die Entfernung von Konservierungsmitteln aus empfindlichen Pumpengehäusen bis zur Demontage von Trocknungseinrichtungen an Turbinenteilen des Blockes. Nach dem Spülen der Systeme folgen die regulären Anfahrvorbereitungen wie Schutzprüfungen und Funktionsproben. Parallel erfolgt die Bereitstellung der Braunkohle und weiterer Medien wie Wasser, da alle Bevorratungsbehälter aus Sicherheitsgründen entleert sein müssen. Von der ersten Zündung im Dampfkessel bis zur vollen Netzeinspeisung dürfen maximal 24 Stunden vergehen.

Für den Bergbaubetrieb der Lausitz Energie Bergbau AG ergeben sich aus der Sicherheitsbereitschaft ebenso zahlreiche Anforderungen. "In erster Linie müssen unsere Tagebaue sicherstellen, dass im Fall eines Aufrufs die notwendige Menge an Kohle zur Verfügung gestellt werden kann. Darüber hinaus muss im Falle des Anfahrens auch die Wasserversorgung des Kraftwerkes erhöht werden. Damit greift die Sicherheitsbereitschaft in verschiedene Fachbereiche unserer Unternehmen ein und erfordert eine permanente Bereitschaft", unterstrich Dr. Rendez.

Als Erweiterung des Energiewirtschaftsgesetzes wurde die Sicherheitsbereitschaft am 30. Juni 2016 neben der Netzreserve und der Kapazitätsreserve als weiteres Steuerungsinstrument beschlossen. Sie stellt die letzte Option zur Gewährleistung der Netzstabilität dar. Sie gilt in Deutschland ausschließlich für Braunkohlenkraftwerke. Insgesamt sind von ihr 2.700 MW Braunkohlenkraftwerkskapazität betroffen. Diese Leistung entspricht 13 Prozent der gesamten in Deutschland installierten Braunkohlenkraftwerkskapazität, die mit Stilllegung der letzten Blöcke im Oktober 2023 vom Netz gehen wird.

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