Droht ein Verkehrsinfarkt am BER?

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Unter Federführung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus haben die IHKs in Brandenburg und Berlin eine Analyse der aktuellen und künftigen Engpässe bei den Verkehrsanbindungen im Umfeld des Flughafens BER in Auftrag gegeben.

IHK-Engpassanalyse zu den Verkehrsanbindungen am BER startet

Ziele und Inhalte der Analyse wurden am 11. April 2018 in Schönefeld den Bürgermeistern der Flughafenumfeldregion, Vertretern der Länder Berlin und Brandenburg sowie der Flughafengesellschaft FBB vorgestellt.

Anlass der Studie ist, dass sich das Fluggastaufkommen der Flughäfen Tegel und Schönefeld weit positiver entwickelt als einst prognostiziert. Das hat bereits heute und auch in Zukunft direkte Auswirkungen auf die Verkehrssituation am Flughafenstandort und im weiteren Umkreis von Schönefeld. Dazu kommen stark steigende Verkehrsaufkommen infolge der positiven Gewerbeentwicklung und der stark wachsenden Einwohnerzahlen im Raum Schönefeld.

Das führt dazu, dass die aktuellen Planungen der Verkehrsanbindungen von Daten ausgehen, die aus heutiger Sicht überholt sind. Zudem beschränkten sich die bisher durchgeführten Verkehrsuntersuchungen im Flughafenumfeld jeweils auf die Berliner oder Brandenburger Kapazitäten bei Straßen und Schienen.
Angesichts der langen Planungs- und Realisierungszeiten von Verkehrsprojekten besteht daher bereits heute akuter Handlungsbedarf.

"Die in der Flughafenregion Schönefeld aktiven Unternehmen berichten schon jetzt von Problemen bei den bestehenden Verkehrsanbindungen. Mit Inbetriebnahme des BER werden die Probleme weiter zunehmen. Wir wollen mit der Studie die Engpässe identifizieren und nach Prioritäten bewerten, damit die Planungen bedarfsgerecht vorangebracht werden können. Es geht darum, Fakten zu erhalten, mit denen wir bei den politischen Entscheidungsträgern in Berlin, Brandenburg und beim Bund nachdrücklich für notwendige Maßnahmen im Straßen- und Schienenausbau aber auch im ÖPNV werben können, damit der stetig wachsende Verkehr im Flughafenumfeld bewältigt werden kann", sagt Dr. Wolfgang Krüger, Hauptgeschäftsführer der IHK Cottbus.

In der Studie werden die verkehrlichen und infrastrukturellen Engpässe im direkten und weiteren Flughafenumfeld benannt. Der Untersuchungsraum liegt in einem Radius von 30 Kilometern um Schönefeld. Hier wird das aktuelle und künftige Verkehrsaufkommen für die Jahre 2020, 2025, 2030 und 2040 im Detail ermittelt - sowohl auf der Schiene als auch auf der Straße. Das betrifft den Individualverkehr genauso wie den ÖPNV oder andere Verkehre wie z. B. Taxis. Im Ergebnis entstehen Szenarien zur gesamten Verkehrsentwicklung, die in Wechselbeziehung zur Entwicklung des Flugverkehrs und der Infrastruktur im Raum Schönefeld gestellt werden.

Die IHK Cottbus hat den Auftrag zur Durchführung der "Verkehrs- und Engpassanalyse Flughafen und Flughafenumfeldanbindung Schönefeld" nach Ausschreibung an die beiden in Berlin und Brandenburg sehr erfahrenen und anerkannten Büros Spreeplan Verkehr GmbH Berlin und PST Werder (Havel) vergeben.

"Das Ziel der neuen Studie ist es, die von Spreeplan bereits durchgeführten Untersuchungen zum Verkehr rund um die Fluggäste und Beschäftigten des Flughafens nun auf die umliegenden Gemeinden auszuweiten. Hier sind erhebliche Entwicklungen nach Inbetriebnahme des BER sowohl bei Gewerbe- als auch bei Wohnansiedlungen zu erwarten. Die verkehrlichen Auswirkungen dieser Potenziale auf Straße und Schiene sind noch nicht genauer untersucht. Dementsprechend fehlen heute Aussagen zum künftigen Infrastrukturbedarf in der Flughafenregion Schönefeld. Die IHK-Studie wird genau hierzu Aussagen treffen", erklärt Bertram Teschner, Geschäftsführer SPV Spreeplan Verkehr GmbH Berlin.

"Das Ingenieurbüro PST Werder hat bereits für die Gemeinde Schönefeld und mehrere weitere Umlandkommunen umfangreiche Verkehrsanalysen erstellt, die in die IHK-Verkehrsanalyse mit einfließen werden. Der besondere Mehrwert der von der IHK beauftragten Verkehrsstudie besteht auch darin, dass auch zusätzliche top aktuelle Daten zu künftigen Einwohnerzuwächsen und Gewerbeansiedlungen im Flughafenumfeld neu erfasst werden und in die Verkehrsprognose einfließen werden. Auf dieser Basis lassen sich dann konkrete Verkehrsmaßnahmen vorschlagen und auch nach Priorität bewerten. Das können neue Autobahnabfahrten sein, ein länderübergreifendes Management bei der Verkehrslenkung, eine engere Taktung der Regionalverkehre, oder ein leistungsfähiges Fluggast-Informationssystem", so Torsten Schulz, Geschäftsführer Ingenieurbüros PST GmbH aus Werder (Havel).

Die Ergebnisse der IHK-Verkehrsstudie sollen im November 2018 vorliegen.

Hintergrund

Im Jahr 2017 nutzten über 33 Millionen Passagiere die beiden Flughäfen Schönefeld und Tegel, davon fast 13 Millionen Schönefeld (Alt). 2011 zählten die Berliner Flughäfen noch 24 Millionen Passagiere. Allein am Flughafenstandort Schönefeld ist das Passagieraufkommen 2017 im Vergleich zu 2016 erneut um zehn Prozent gestiegen, d. h. es nutzen im Durchschnitt täglich über 35.000 Menschen den Flughafen Schönefeld. Mit Eröffnung des BER wird diese Zahl auf ca. 100.000 Menschen täglich steigen. Für das Jahr 2040 wird mit 55 Millionen Passagieren am Standort Schönefeld gerechnet, was 150.000 tägliche Fluggäste von und nach Schönefeld bedeutet.

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IHK Cottbus
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