Sachsens Wirtschaft mit unverändert hoher Dynamik

Konjunkturumfrage der sächsischen IHKs: Sächsische Wirtschaft mit unverändert hoher Dynamik, kein Ende des Aufschwungs in Sicht

Die sächsische Wirtschaft setzt zum Jahresbeginn 2018 ihren Wachstumskurs mit hoher Dynamik fort. Ein Ende des Aufschwungs ist derzeit nicht in Sicht. Dies belegen die Spitzenbewertungen in der aktuellen Konjunkturumfrage der sächsischen Industrie- und Handelskammern, an der sich 1.800 Unternehmen aus Industrie, Baugewerbe, Einzel- und Großhandel, Dienstleistungen und Verkehr mit mehr als 85.000 Beschäftigten beteiligten.

Der stetig steigende IHK-Geschäftsklimaindex zeigt die Wachstumsdynamik der sächsischen Wirtschaft eindrucksvoll. Der Index springt mit 138 Punkten auf eine neue Bestmarke.

IHK-Geschäftsklimaindex

IHK-Geschäftsklimaindex

1.) Der IHK-Geschäftsklimaindex berücksichtigt gleichrangig die Beurteilungen der Unternehmen zur Geschäftslage (Lagesaldo) und zur zukünftigen Geschäftsentwicklung (Erwartungssaldo). Er wird als geometrisches Mittel der Lage- und Erwar-tungssal- den berechnet. Die extremen Indikatorwerte liegen bei 200 bzw. 0 Punkten. Diese würden erreicht, wenn jeweils 100 Prozent der befragten Unternehmen ihre gegenwärtige Lage und die zukünftige Geschäftsentwicklung mit gut bzw. mit schlecht beurteilen würden.

Insbesondere die Geschäftslage der Unternehmen überzeugt zum Jahresbeginn 2018. 67 Prozent der Unternehmen bewerten ihre aktuelle Lage mit gut. Der Lagesaldo aus guten und schlechten Urteilen erreicht mit +63 Prozentpunkten ebenfalls einen neuen Höchststand. Die Geschäftserwartungen der Unternehmen für die kommenden 12 Monate sind optimistischer als bisher. 93 Prozent rechnen mit besseren oder gleich bleibenden Geschäften.

Die Branchen

Die Industrie steht unter Volldampf. Neben der anhaltend starken Binnennachfrage führen die anziehenden Exporte und Investitionen zu einem dynamischen Wachstum. Die aktuelle Geschäftslage wird so gut wie noch nie eingeschätzt. Stark steigende Auftragseingänge aus dem In- und Ausland lassen den Blick auf die nächsten Monate noch optimistischer ausfallen als im Vorjahr. Die Geschäftsprognosen verbessern sich zum vierten Mal in Folge.

Sowohl bei den konsumorientierten als auch bei den unternehmensnahen Dienstleistern ist die Stimmung hervorragend. Die Einschätzungen fallen dank der starken Binnennachfrage und der anziehenden Industriekonjunktur so gut wie noch nie aus.

Die Bauwirtschaft läuft dank der guten Auftragssituation und hohen Auslastung auf Hochtouren. Die Unternehmen zeigen sich mit ihrer Geschäftslage weiterhin sehr zufrieden. Gut drei von vier Befragten beurteilen ihre Geschäfte mit "gut". Im Jahr 2018 rechnet der Bau angesichts des hohen Auftragsbestandes weiter mit steigenden Umsätzen.

Im sächsischen Einzelhandel verbessert sich die Lage nochmals kräftig und erreicht eine neue Bestmarke. Trotz der guten Geschäfte bleiben die Einzelhändler indes mit ihren Geschäftserwartungen Anfang 2018 etwas zurückhaltend. In Anbetracht der strukturellen Herausforderungen - wie des andauernden Bevölkerungsschwunds im ländlichen Raum und dem weiteren Vormarsch des Online-Handels - ist wenig Platz für Euphorie.

Die Stimmung im sächsischen Großhandel ist nach dem Hoch im Herbst weiterhin positiv. Die Unternehmen profitieren von der hohen Nachfrage des Produzierenden Gewerbes und der Konsumlaune der Verbraucher. Viele Großhändler konnten zudem am weiteren Wachstum des Online- und Versandhandels teilhaben.

Das sächsische Verkehrsgewerbe setzt ebenfalls seinen konjunkturellen Höhenflug fort. Nach einer leichten Delle im Frühjahr 2017 verbesserte sich die Situation stetig. Die Lagebewertungen fallen aktuell so gut wie noch nie aus. Die Nachfrage nach Transportkapazitäten und logistischen Dienstleistungen bleibt hoch.

Investition und Beschäftigung

Infolge der steigenden Auslastungen ziehen die Investitionen an. Rund jedes vierte Unternehmen plant mit steigenden Investitionsausgaben, besonders in den Wirtschaftsbereichen Industrie und Großhandel.

Die Personalnachfrage wächst weiter. Mit 27 Prozent ist der Anteil der Unternehmen, die in den kommenden 12 Monaten zusätzliche Arbeitskräfte suchen, so hoch wie nie. Nur 10 Prozent der Unternehmen rechnen mit einem Personalabbau.

Das Risikoradar

Im anhaltenden Konjunkturhoch ist die hohe Auslastung zunehmend spürbar. Die Nachfrage nach zusätzlichem Personal steigt merklich, gleichzeitig wird aber auch die Stellenbesetzung immer schwieriger. Folglich steht der Fachkräftemangel mit 58 Prozent der Nennungen erstmals bei einer Konjunkturumfrage zum Jahresbeginn ganz oben in den Risikoeinschätzungen der Unternehmen. Es folgen im Risikoranking mit ebenfalls steigender Tendenz die Arbeitskosten, die angesichts der guten Konjunktur und höherer Personalkosten wohl weiter steigen dürften. Die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen belegen Platz drei der Risiken. Dabei benennen die Unternehmen häufig Bürokratie, Fahrverbote, hohe Steuer- und Abgabenbelastungen, die kostenintensive Energiepolitik, eine weitere Erhöhung des Mindestlohns, die Russlandsanktionen und neue geopolitische Konflikte als Probleme. Besonders in der Industrie werden die seit Mitte 2017 steigenden Rohstoffpreise als zunehmendes Geschäftsrisiko wahrgenommen.

Wirtschaftspolitische Schlussfolgerungen

Drohendem Fachkräftemangel durch Bildung und qualifizierte Zuwanderung gegensteuern!
Der Lehrermangel in Sachsen muss schnellstmöglich überwunden werden. Dazu sind zusätzliche Kapazitäten für die Lehramtsausbildung und attraktive Angebote für Lehramtsabsolventen zu schaffen. Eine zeitgemäße Anbindung der (Berufs-)schulen an das Breitbandnetz ist zwingend. Die Einführung des Bildungstickets, mindestens eines Azubitickets, muss wie im sächsischen Koalitionsvertrag vereinbart, schnellstmöglich erfolgen. Weiterhin muss die Ausbildungsfähigkeit der Schulabgänger verbessert werden, denn die Ausbildungsunternehmen können nicht die Bildungsdefizite des Schulsystems ausgleichen. Der Stellenwert der dualen Berufsausbildung muss weiter erhöht werden.
Die qualifizierte, arbeitsmarktorientierte Zuwanderung aus Drittstaaten muss durch den Erlass eines Zuwanderungsgesetzes erleichtert werden.

Standortattraktivität des gesamten Freistaates erhöhen!
Der Erhalt und die Verbesserung der Daseinsvorsorge (Kitas, Schulen, Land- und Fachärzte, Breitbandversorgung) müssen vom Freistaat sichergestellt werden. Das Ziel der flächendeckenden Breitbandversorgung mit 50 Mbit/s bis 2018 ist trotz der Zuschüsse von Bund und Land nicht realisierbar. Es bedarf hierbei einer aktiveren Unterstützung der kommunalen Akteure. Bei der Verkehrserschließung sollte die Vernetzung von Großstädten mit dem Umland, etwa durch attraktive ÖPNV-Verbindungen, vorrangig fortgesetzt werden. Zudem ist für alle sächsischen Regionen der Zugang zum schnellen Schienenfernverkehr zu gewährleisten. Insbesondere die Region Chemnitz - als regionaler Ballungsraum - muss vordringlich besser angebunden werden.
Die Marketingaktivitäten des Freistaates sollten zielgerichteter mit den Akteuren vor Ort koordiniert werden, um alle Regionen Sachsens in ihrer Attraktivität zu steigern. Bei der Investorenakquise sind nach Möglichkeit Ansiedlungen von Unternehmen auch außerhalb der Ballungszentren stärker in den Blick zu nehmen.

Die Flexibilität des Arbeitsmarktes sicherstellen, Bürokratisierung der Beschäftigung stoppen!
Einschnitte in unternehmerische Gestaltungsmöglichkeiten schränken die Flexibilität ein und führen zu unnötiger Bürokratie, dem Hauptärgernis vieler KMU. So müssen Zeitarbeit und Werkverträge sowie zeitliche Befristungen von Arbeitsverträgen zum Ausgleich von Auftragsschwankungen mit geringem Bürokratieaufwand weiterhin nutzbar sein. Um die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Unternehmen zu erhalten, ist zudem das Arbeitszeitgesetz hinsichtlich der starren Höchstgrenze der täglichen Arbeitszeit hin zu einer Wochenarbeitszeit zu flexibilisieren. Zusätzliche bürokratische Belastungen zeichnen sich durch die geplante Weiterentwicklung des Teilzeitrechts ab. Der Anspruch auf befristete Teilzeitbeschäftigung mit Rückkehrrecht auf Vollzeit ohne Vorliegen bestimmter Gründe droht die Planbarkeit des Personaleinsatzes noch stärker einzuschränken.

Deutsche Steuerpolitik an globalen Herausforderungen orientieren!
Die US-Steuerreform hat die Standortattraktivität der USA auch für ausländische Investoren erhöht. Um im internationalen Steuerwettbewerb nicht ins Hintertreffen zu geraten, muss Deutschland das Unternehmenssteuerrecht modernisieren. Der Abbau des sog. Mittelstandsbauchs im Einkommensteuertarif und die Abschaffung des Solidaritätszuschlags würden die Investitionskraft der Personenunternehmen und damit die Wettbewerbsfähigkeit der mittelständischen Unternehmen deutlich erhöhen. Neben einer generellen Vereinfachung des Steuer- und Verfahrensrechts ist die Wiedereinführung der degressiven AfA, der Verzicht auf die Besteuerung von Kosten und die Senkung der Stromsteuer auf das europarechtlich mögliche Mindestniveau erforderlich.
Bei der geplanten steuerlichen Forschungsförderung sollten auch Sachkosten berücksichtigt werden, um auch Bereiche mit investitionsintensiver Forschung und Entwicklung zu fördern.

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IHK Dresden
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