Cottbuser Ostsee - Jahrzehntelange Risiken der Tagebauflutung

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Cottbuser Ostsee: Folgeschäden des Tagebaues nicht dem Steuerzahler überhelfen!

Jahrzehntelange Risiken der Tagebauflutung für Trinkwasser, Spreewald und See-Umland

Cottbus: Anlässlich der am 1. November beginnenden Erörterung zur Flutung des Tagebaues Cottbus-Nord als "Cottbuser See" verweisen Anwohner, Umweltverbände und Wasserexperten auf die enormen langfristigen Risiken des Sees und fordern eine langfristige Haftung des Tagebaubetreibers LEAG für alle Folgeschäden.

"Der Tagebausee wird die bergbaubedingte Versalzung der Spree mit Sulfat weiter erhöhen. Die Trinkwasserqualität für zwei Millionen Wasserkunden in Berlin und Brandenburg ist dadurch zunehmend bedroht. Der Antrag der LEAG liefert keine Lösung des Problems. Hier müssen die Behörden mit Auflagen und Grenzwerten tätig werden." sagt Michael Bender von der Berliner Bundeskontaktstelle Wasser des Umweltverbandes GRÜNE LIGA.

"Eisenhaltige Grundwasserströme aus der Tagebaukippe gefährden auch den Spreewald als wichtigstes Natur- und Tourismusgebiet der Region. Das Land muss deshalb mit scharfen Auflagen die jahrzehntelange Beobachtung und eventuelle Gegenmaßnahmen sicherstellen. Der Steuerzahler darf weder jetzt noch später das Risiko tragen. Das wäre nichts anderes als ein Geschenk der Landesregierung an tschechische Oligarchen." sagt Winfried Böhmer vom Aktionsbündnis Klare Spree.

"Wir Anwohner nördlich des Sees sollen künftig unterhalb des Seewasserspiegels leben. Das macht uns Angst." sagt Sascha Fussan von der Bürgerinitiative "Achtung Ostsee". "Wir fordern, dass kein See genehmigt wird, der Vernässungen unserer Grundstücke riskiert."

Auch die Nutzbarkeit des Sees sehen die Fachstellungnahmen der Umweltverbände als unsicher an: "Nach der Flutung mit Spreewasser droht durch Grundwasserzustrom eine allmähliche Qualitätsverschlechterung im größten Teil des Sees. Viele aktuelle Hoffnungen auf Sport und Tourismus könnten dann enttäuscht werden." fasst René Schuster Schuster von der Umweltgruppe Cottbus e.V. zusammen.

Laut Antragsunterlagen hofft der Bergbaubetreiber, dass die Werte für das Schwefelsalz Sulfat 600 mg/l nicht übersteigen werden. Der Grenzwert für Trinkwasser liegt bei 250 mg/l.

Der "Cottbuser See" soll auf 1900 Hektar den nördlichen und westlichen Teil des Tagebaues Cottbus-Nord einnehmen, der im Dezember 2015 stillgelegt wurde. Er soll einer der größten künstlichen Seen Deutschlands werden. Zudem ist es der erste See, für den der privatisierte Bergbau in der Lausitz verantwortlich ist. Seit dem Mitte Oktober umgesetzten Verkauf durch Vattenfall sind die tschechischen Oligarchen Petr Kellner und Daniel Kretinsky mit ihrer neuen Firma "Lausitz Energie Bergbau AG" für das Vorhaben verantwortlich. Bisherige Bergbauseen liegen in Verantwortung der bundeseigenen Verwaltungsgesellschaft LMBV.

Das Brandenburger Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe (LBGR) hat für den 1. und 2. November zur Erörterung der mehr als 200 Einwendungen in die Messehalle Cottbus eingeladen. Zuvor hat es zwei öffentlich Auslegungen des Antrages gegeben. Unter den Einwendern des Verfahrens sind Vertreter der Spreewälder Tourismuswirtschaft ebenso wie Berliner Trinkwasserkunden und Bewohner des Seeumlandes.

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Quelle: Umweltgruppe Cottbus e.V.