Oberspreewald-Lausitz: Fördermittel für Schloss Großkmehlen

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Wo Preußen Sachsen küsst - Förderbescheid für weitere Instandssetzung des Schlosses Großkmehlen

Lausitz ist die Region in der brandenburgische und sächsische Geschichte am engsten miteinander verknüpft sind

Großkmehlen - Mit Fördermitteln aus der Ländlichen Entwicklung unterstützt das Brandenburger Agrarministerium die Sanierung des Wasserschlosses Großkmehlen im Landkreis Oberspreewald-Lausitz. Am kommenden Mittwoch (21. September) übergibt Minister Jörg Vogelsänger vor Ort einen Förderbescheid in Höhe von rund 961.500 Euro an Benedikt Buhl, Vertreter der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, die Hauptgesellschafterin der Brandenburgischen Schlösser GmbH ist, zu deren Bestand das Baudenkmal gehört. Die Fördermittel kommen aus dem LEADER-Programm. Mit dem aktuellen Förderbescheid sollen bis 2018 Baumaßnahmen im Keller, im ersten und zweiten Stockwerk sowie auf dem westlichen Vorplatz des Schlosses in einem Gesamtumfang von 1.095.000 Euro unterstützt werden.

Vogelsänger: "Die Lausitz ist die Region in unserem Land, in der brandenburgische und sächsische Geschichte am engsten miteinander verknüpft sind. Wie groß der Einfluss war, zeigt gerade Großkmehlen, das unverkennbar an sein Vorbild, an das sächsische Jagdschloss Moritzburg, erinnert. Seit Jahren versucht die Gemeinde, dieses Erbe wieder erleb- und nutzbar zu machen. Dank der Unterstützung von vielen Seiten, namentlich der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, kann die Gemeinde diese Aufgabe angehen. Inzwischen ist auch schon viel erreicht worden. Dennoch bleibt auf dem vier Hektar großen Areal mit seinen Haupt- und Nebengebäuden noch viel zu tun. Mit Blick auf die öffentliche Nutzung und in der Erwartung, dass das kulturgeschichtlich bedeutende Ensemble nach seiner Sanierung zusätzliche Impulse in der ansonsten ländlich geprägten Region auslöst, engagiert sich das Land hier seit einigen Jahren auch mit Fördermitteln der ländlichen Entwicklung."

Das Gebäude soll von Wirtschaftsunternehmen (Gastronomen, Veranstalter von Messen, kulturellen Events), von regionalen kleinen Restauratoren- und Handwerksbetrieben, von der Kunst- und Malschule und als Gemeindezentrum genutzt werden.

Im Parterre wird das Gemeindezentrum mit dem Hochzeitssaal Platz finden. Der gastronomische Bedarf soll durch das Schloss-Café, das zugleich Informations- und Touristen-Anlaufpunkt ist und durch ein Hofladen-Angebot ergänzt werden soll, in und an der alten Schlossküche im Westbau entstehen.

Durch Erschließung von Flächen im ersten und zweiten Stockwerk werden weitere Investitionen ermöglicht. Bedarf haben unter anderem die Schradenholz GmbH, die Kunst-und Malschule, Restauratoren- und Handwerksbetriebe, Veranstalter von Lehrgängen, Kursen und Konzerten, die Gemeinden und deren Feuerwehren sowie weitere ortsansässige Vereine. Mit der Sanierung können auch an Geschichte und Kultur interessierte Besucher dieses Juwel sächsischer Baukunst wiederentdecken.

Da insbesondere die Arbeiten an Wand- und Deckenfassungen viel Zeit brauchen, ist es sinnvoll und zweckmäßig, die Sanierung etappenweise voranzutreiben und die Nutzung nach und nach zu erweitern.

Um 1200 wurde eine Burganlage in Großkmehlen angelegt. Das dreigeschossige Wasserschloss wurde Mitte des 16. Jahrhundert im Stil der Renaissance unter Einbeziehung der vorhandenen Gebäude erbaut. Das Schloss verfügt daher über spätgotische Elemente, die noch von seinem Vorgängerbau stammen. Dazu gehören Zellengewölbe, Vorhangbogenfenster und Türeinfassungen mit Stabüberschneidung. Sie lassen eine Verbindung zu Arnold von Westfalen, dem Erbauer der Albrechtsburg in Meißen, zu.

Das Schloss wird von hohen Satteldächern und Renaissancegiebeln geprägt und ist von einem Wassergraben umgeben. Im 17. Jahrhundert wurde im Inneren umfangreich umgebaut. Zum Teil figürlicher Stuck im ersten Obergeschoss zeugt davon. Diese prächtigen, barocken Stukkaturen stammen vermutlich von italienischen Künstlern. Das Herrenhaus besteht aus dem Ost- und Westbau, zwei getrennten Gebäuden, die seit dem 19. Jahrhundert durch zwei kleine Durchbrüche miteinander verbunden sind.

Letzter Eigentümer des Schlosses war die fürstliche Familie zu Lynar, die auch das Schloss Lindenau besaß. Mit Ende des Zweiten Weltkriegs musste sie Großkmehlen verlassen und wurde im Zuge der Bodenreform enteignet. Das Schloss diente nachfolgend als Pflege- und Altersheim.

Ab 1993 stand das sanierungsbedürftige Gebäude leer. Erhaltungsmaßnahmen fanden ab 1997 statt. In jenem Jahr wurde der Landkreis Eigentümer. Ihm folgte im Jahr 2000 die Brandenburgische Schlösser GmbH. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz ist als Hauptgesellschafterin der Brandenburgischen Schlösser GmbH Schlosseigentümerin und trägt für die langfristige Nutzung der Anlage Sorge. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hat über die Brandenburgische Schlösser GmbH rund 12 Millionen Euro in die Instandsetzung des Schlosses, von Nebengebäuden und Parkanlagen investiert.

Von den bisher investierten Sanierungsmitteln in Höhe von rund 12 Millionen Euro stammen fünf Millionen Euro aus dem Förderprogramm LEADER.

Quelle: Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft des Landes Brandenburg