Spreewälder Aronia-Saison startet

Spreewälder Aronia-Saison startet

Mit schwärzlich-dunkelroten Bio-Beeren Spitze in Westeuropa: Start in die Spreewälder Aronia-Saison

Steinreich (Spreewald) - Von der steigenden Nachfrage nach regionalen Produkten, regionalen Geschmacksrichtungen und regionalen Rezepturen profitieren seit einigen Jahren die Wildobstarten. Neben Sanddorn und Holunder ist Aronia - auch als Apfelbeere bekannt - im Kommen. Am 19. August startet im Biohof Frehn in Steinreich die Ernte. Hier am Rand des Spreewalds wird auf inzwischen 130 Hektar Bio-Aronia kultiviert. Deutschlandweit wächst Aronia derzeit auf 400 Hektar.

Die Inhaber Heinz-Peter Frehn und Christoph Frehn haben im November 2012 mit den ersten Arionapflanzungen begonnen. In Schöneiche, einem Ortsteil der Gemeinde Steinreich, steht inzwischen die größte Bio-Aroniaplantage Westeuropas. Mit der Investition in das Großprojekt „Aroniaplantage im Spreewald" versucht der Betrieb, mit der wachsenden Nachfrage Schritt zu halten.

Aronia gehört zur Familie der Rosengewächsen (Rosaceae). Durch Züchtung wurden verschiedene Kultursorten der Aronia entwickelt. Die Kultursorten haben meist größere Beeren, die weniger Gerbsäure enthalten und wesentlich milder schmecken.

Die obstbauliche Bearbeitung der Apfelbeere begann in Russland und wurde in der ehemaligen Sowjetunion fortgesetzt. In Osteuropa ist deshalb das Wissen um die heilende Wirkung der Aronia seit Jahrzehnten Allgemeingut. Hierzulande nimmt ihr Erfolg erst jetzt so richtig Fahrt auf.

Indianischer Kraftspender

Ihren Ursprung hat die Pflanze im nordöstlichen Nordamerika. Sie wächst dort auf den verschiedensten Böden. Bereits Indianer haben die Aroniabeere geschätzt und als Winterproviant genutzt. Für das aus der Cree-Sprache abgeleitete Pemmikan, eine nahrhafte und haltbare Mischung aus zerstoßenem Dörrfleisch und Fett, wurden bei Verfügbarkeit Aroniabeeren untergemischt. Ähnliche Rezepturen kannten auch andere nordamerikanische Stämme.

Russische Züchtung für das Volk

Der russische Botaniker Iwan Wladimirowitsch Mitschurin (1855-1935) brachte Pflanzen um die Wende zum 20. Jahrhundert zu Zuchtzwecken nach Russland. In den Jahren um 1910 bis 1920 kreuzte Mitschurin die Apfelbeere mit den Gattungen Sorbus (hier: Eberesche) und Mespilus (Mispel). 1935 legte sein Nachfolger, der Ukrainer Michael Afanasjewitsch Lisawenko (1897-1967), eine Versuchsanlage mit Aronia in Gorno-Altaisk (Altaigebiet) an. Weil dabei gute Erfahrungen gemacht wurden, wurde die Apfelbeere 1946 erstmals in der Sowjetunion als Obstart anerkannt und für den Anbau im Altai-Kreis empfohlen. In den folgenden Jahren wurde sie schnell im größeren Umfang angebaut. So wurden allein 1948 in der Gegend des heutigen Sankt Petersburg (damals Leningrad) 20.000 Stück in verschiedenen Versuchsanlagen gepflanzt. 1971 wurde die Apfelbeere in Russland außerhalb der Schwarzerdeböden schon auf einer Gesamtfläche von 5.400 Hektar angebaut. Um diese Zeit wurde sie auch in Moldawien, Weißrussland und in der Ukraine kultiviert. 1975 folgte die Aufnahme in die Sortenliste der UdSSR. In Russland gilt sie bis heute als herausragendes Volksheilmittel, das besonders den Zellschutz verbessert und entzündungshemmende Eigenschaften besitzt.

In der DDR startete der Anbau 1976. In der LPG Berglandobst in Schirgiswalde bei Bautzen wurde die erste Plantage bepflanzt. Diese Aronia-Anlage gehört heute zum Obsthof Stolle. In den frühen 80er Jahren begannen Betriebe in Bulgarien, in der damals noch bestehenden Tschechoslowakei und in den skandinavischen Ländern mit der versuchsweisen Kultivierung dieser Wildobstart.

Anwendung und Inhaltsstoffe

Die von Aronia entwickelten Flavonoide gelten als hochwirksame Radikalfänger. Freie Radikale wiederum gelten als Auslöser zahlreicher Krebserkrankungen sowie Arteriosklerose und der Alzheimer Krankheit.

Die Beeren enthalten weiterhin zahlreiche Vitamine: B1, B2 (Riboflavin), B3 (Niacin), B5, B6, B7, B9 (Folsäure) und B12. Der Anteil der fettlöslichen Vitamine in Aronia besteht aus Vitamin A, Vitamin E und Vitamin K sowie dem Provitamin A. An Mineralien sind vor allem Eisen und Jod zu nennen.
Das ebenfalls enthaltene Phenol ist ein hochwirksamer Inhaltsstoff zur Entgiftung des Körpers. Er hat die Eigenschaft, aggressive Sauerstoff- und Stickstoffmoleküle an sich zu binden, weshalb beispielsweise in der Fachliteratur bei Belastungen durch Metalle (zum Beispiel Blei, Quecksilber, Amalgam) Phenol-Zugaben empfohlen werden.

Quelle: Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft des Landes Brandenburg