Bioenergie-Tagung in Zittau

Bioenergie-Tagung in Zittau

Zittau diskutiert die Zukunft der Bioenergie

Minister Schmidt eröffnet Bioenergie-Tagung der Hochschule Zittau/Görlitz

Umweltminister Thomas Schmidt hat heute (1. Juni 2016) in Zittau (Landkreis Görlitz) die 6. Bioenergie-Fachtagung der Hochschule Zittau/Görlitz eröffnet. Thema der zweitägigen Veranstaltung ist die Nutzung von Biomasse zur Strom- und Wärmeerzeugung. Etwa 100 Fachleute aus Wirtschaft und Wissenschaft treffen sich hier zum Erfahrungsaustausch und zur Vorstellung ihrer wissenschaftlichen Arbeiten. Ganz besonders steht die Kooperation mit den östlichen Nachbarländern im Mittelpunkt.

"Die energetische Nutzung von Biomasse ist ein wichtiger Baustein der Energiewende. Sie ist flexibel und vielfältig einsetzbar, ob als Strom, Wärme oder Kraftstoff", sagte Minister Schmidt. "Deshalb setzen wir uns beim Bund bei der Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) für auskömmliche Regelungen für die Stromerzeugung aus Biomasse, insbesondere aus Biogas, ein. Wir dürfen aber bei der Nutzung der nachwachsenden Rohstoffe die Belange der Nahrungsmittelversorgung und der nachhaltigen Waldbewirtschaftung nicht aus dem Auge verlieren."

Für die Landwirtschaft steht die Nahrungsmittelproduktion auch in Zukunft an erster Stelle. Darüber hinaus gehende Potenziale - einschließlich landwirtschaftlicher Reststoffe - können für eine stoffliche und energetische Verwertung aber noch stärker genutzt werden, ohne die Aspekte der biologischen Vielfalt zu vernachlässigen. Da die globalisierten Agrarmärkte deutlichen Preisschwankungen unterliegen, ist eine Erweiterung der Produktion und der landwirtschaftlichen Einkommen für die Stabilität der Betriebe sehr wichtig.

Bei der Holznutzung befürwortet der Staatsminister eine abgestufte Verwertung. Holz und Holzreste sind über möglichst viele Verwertungsstufen vorzugsweise stofflich zu nutzen. Die Umwandlung in Strom und Wärme sollte erst am Ende der Verarbeitungs-, Recycling- und Verwertungskette stehen. Hier gilt es, Fehlanreizen entgegenzuwirken. Da mittlerweile in Europa über 40 Prozent des genutzten Holzes energetisch eingesetzt wird, geht viel auch stofflich nutzbares Holz für die Holzwirtschaft verloren. Die vor allem aus energetischen Gründen stark wachsende Nachfrage nach Holz kann aus den heimischen Wäldern nicht mehr gedeckt werden.

"Die Frage ist: Wie können wir die Voraussetzungen schaffen, holzartige Biomasse am Ende ihrer stofflichen Nutzung effizient und nachhaltig energetisch zu nutzen? Alternativ kann Holz aus Kurzumtriebsplantagen und Holzsortimenten, die stofflich nicht verwertet werden, bedarfsgerecht in Wärme und Strom gewandelt werden. Die Entwicklung und Anwendung von Verfahren und Technologien, mit denen aus lokal verfügbaren Restholzsortimenten hocheffizient der Energiebedarf in Kraft-Wärme-Kopplung gedeckt werden kann, geht in stetigen Schritten voran. Die größten Fortschritte werden dort erzielt, wo die Fachleute verschiedener technischer Disziplinen Hand in Hand zusammenarbeiten können." sagt Prof. Tobias Zschunke, Prorektor Forschung der Hochschule Zittau/Görlitz zur Motivation als Gastgeber der Tagung.

Die Zittauer Fachtagung "Biomass to Power and Heat" wurde von der Hochschule Zittau/Görlitz erstmals im Jahr 2011 veranstaltet. Sie widmet sich insbesondere Innovationen und technischen Entwicklungen für eine effiziente Energieumwandlung. Schwerpunkt sind die Praxiseinführung sowie wissenschaftliche und wirtschaftliche Begleitung dezentraler Versorgungsansätze auf Biomassebasis. Dabei findet die Energieerzeugung dort statt, wo der Verbrauch ist. Dies spart Kosten bei Netzausbau und Infrastruktur. Gleichzeitig entstehen Wertschöpfung und Arbeitsplätze im ländlichen Raum. Der Ausbau der Biomassenutzung zur Stromerzeugung ist seit der Novellierung des EEG 2014 stark zurückgegangen. Die Agrarminister der Länder haben den bisher vorliegenden Entwurf des EEG 2016 hinsichtlich der Biomasseverstromung abgelehnt und fordern eine zügige Anschlussregelung sowohl für Neu- als auch für Bestandsanlagen.

Quelle: SMUL - Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft