Wirtschaft der Lausitz mit bester Geschäftslage seit sieben Jahren

7. gemeinsamen Konjunkturumfrage der IHKs Cottbus und Dresden für die Lausitz

Die konjunkturelle Dynamik der Lausitzer Wirtschaft hat sich spürbar verstärkt

Fachkräftesituation bremst Wachstum und Innovation

Die Ergebnisse der 7. gemeinsamen Konjunkturumfrage der IHKs Cottbus und Dresden für die Lausitz im Herbst 2017 belegen, dass sich die konjunkturelle Dynamik der Lausitzer Wirtschaft spürbar verstärkt hat. Die Hochstimmung umfasst alle Wirtschaftsbereiche und wird getragen von der anziehenden Auslandsnachfrage, weiterhin niedrigen Zinsen, steigender Beschäftigung und Einkommenszuwächsen. Die Geschäftserwartungen sind überwiegend zuversichtlich, geben aber mit Blick auf die Wintermonate branchenabhängig auch nach.

Die Hauptgeschäftsführer der IHKs Cottbus und Dresden, Dr. Wolfgang Krüger und Dr. Detlef Hamann, stellten am 14.11.2017 in Bad Muskau die Ergebnisse der siebenten gemeinsamen Konjunkturumfrage für die Lausitz vor. Der Wirtschaftsraum Lausitz verbindet beide Kammerbezirke über die Grenzen Brandenburgs und Sachsens hinweg. An der Umfrage beteiligten sich 617 Unternehmen aus Industrie, Bauwirtschaft, Groß- und Einzelhandel, Verkehr und dem Dienstleistungsgewerbe aus den Landkreisen Bautzen, Görlitz, Elbe-Elster, Oberspreewald-Lausitz, Spree-Neiße und der Stadt Cottbus.

"Seit wir die Konjunktur für den grenzüberschreitenden Wirtschaftsraum Lausitz analysieren, konnten wir noch nie über ein solch positives Stimmungsbild berichten, zeigt sich Dr. Detlef Hamann, Hauptgeschäftsführer der IHK Dresden, erfreut. "Ein gewisser Durchbruch scheint sich auch bei den Investitionsplänen abzuzeichnen. Nachdem jahrelang Ersatz und Rationalisierung dominierten, wollen jetzt gut ein Drittel der Unternehmen ihre Kapazitäten ausweiten. Ein wichtiges Signal, dass für die Zukunft des Standortes Lausitz spricht", so Hamann.

In Anbetracht der zunehmenden Probleme bei der Suche nach Fachkräften wurden die Unternehmen zusätzlich gefragt, warum und wie sie verstärkt nach Arbeits- und Fachkräften suchen. "Für die Lausitzer Unternehmen ist der Fachkräftemangel ein ernstes Wachstumshemmnis. Da er vor allem demographische Ursachen hat, gibt es auf absehbare Zeit keine kurzfristigen Lösungen. Die Unternehmen haben das erkannt und steuern mit besseren Verdienstmöglichkeiten, erweiterten Qualifikationsangeboten und freiwilligen Leistungen für ihre Mitarbeiter gegen", so Dr. Wolfgang Krüger, Hauptgeschäftsführer der IHK Cottbus. "Die Möglichkeiten der klein- und mittelständisch geprägten Lausitzer Wirtschaft sind jedoch begrenzt, über umfassende Lohnsteigerungen im Wettbewerb auf dem Arbeitsmarkt mit anderen Regionen mitzuhalten. Daher muss in Kooperation mit Politik und Verwaltung auch besonderer Wert auf weiche Standortfaktoren gelegt werden."

Konjunktur

Die Ergebnisse der Konjunkturumfrage belegen, dass die Lausitzer Wirtschaft eine stabile und ausgesprochen positive Geschäftslage verzeichnet. So gaben im Herbst 2017 insgesamt 56 % der befragten Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage mit "gut" an. Das ist der höchste Zufriedenheitswert seit dem Jahresbeginn 2011. 38 % "befriedigende" und 6 % "schlechte" Lageeinschätzungen runden das Bild ab. Bau und Industrie erreichten mit 69 % und 65 % positiver Meldungen ebenfalls Allzeithochs in der Bewertung ihrer Geschäftslage.

Die Prognosen sind zwar zuversichtlich, verharren aber trotz der ausgezeichneten Lage auf dem Niveau des Frühjahres und des Jahresbeginns. So rechnen 18 % der Befragten in den kommenden Monaten mit günstigeren Geschäftsverläufen, 70 % erwarten gleichbleibende und 12 % ungünstigere Geschäfte. Sorgen bereiten u. a. die insgesamt noch zu niedrige Investitionsneigung, die Entwicklung der Arbeitskosten, der Mangel an Fachkräften sowie die Energie- und Rohstoffpreise.

Das Investitionsklima belebt sich weiter. So planen 37 % der Unternehmen steigende Investitionen (Herbst 2016: 25 %), 51 % wollen ihr Investitionsengagement auf gleichem Niveau halten, 12 % gehen von rückläufigen Investitionen aus. Wichtigstes Investitionsmotiv bleiben mit 75 % Ersatzbeschaffungen, allerdings rücken seit geraumer Zeit erstmals wieder die Kapazitätserweiterungen auf Rang zwei (32 %).

Die Beschäftigungsplanungen zeigen kaum Veränderungen mit einer leichten Tendenz nach oben. So beabsichtigen 19 % der Befragten, ihren Personalbestand aufzustocken (Herbst 2016: 17 %), hingegen rechnen 13 % mit einer Reduzierung von Stellen (Herbst 2016: 11 %).

Branchenbewertung

Auftrags- und Umsatzentwicklung geben der Industrie deutlichen Schwung. 65 % der Betriebe berichten über eine gute Geschäftslage - ein Rekordwert. Die Produktionskapazitäten waren gut ausgelastet. Im 1. Halbjahr verbuchten die Industrieunternehmen ein Umsatzplus von 26 % im Ausland und um 4 % im Inland. Allerdings ist die Entwicklung nach Branchen differenziert. Die Prognosen der Industrie lassen einen Fortgang der guten Geschäfte erwarten. So rechnen 24 % mit besseren, und 8 % mit schlechteren Geschäften.

Das Baugewerbe befindet sich in Anbetracht der starken Nachfrage in einem Stimmungshoch. 69 % der Firmen - der Rekordwert über alle Branchen - berichten über eine gute Geschäftslage. Dabei profitieren die Betriebe vor allem vom Wohnungsbau, aber auch vom öffentlichen Straßenbau und von Investitionen im Wirtschaftsbau. Kostendruck und harter Preiskampf schmälern allerdings die Gewinne. Die Prognosen geben vor allem saisonal bedingt nach, dennoch dürfte die Nachfrage nach Bauleistungen anhalten. 11 % der Betriebe rechnen mit besseren, 17 % mit schlechteren Geschäften in den kommenden Monaten.

Die Stimmung im Handel hat wieder zugelegt. Groß- und Einzelhandel verweisen auf stabile Geschäfte. 38 % der Händler beurteilen ihre Geschäftslage als gut, 7 % mit schlecht. Dem Einzelhandel kommen die stabile Lage am Arbeitsmarkt und die Einkommenszuwächse zu Gute. Der Großhandel profitiert von den Impulsen aus Industrie und Bauwirtschaft. Die Erwartungen bleiben verhalten, obwohl das Jahresendgeschäft vor der Tür steht. 17 % der Befragen rechnen mit besseren, 20 % mit schlechteren Geschäften. Händler mit Online-Angeboten sind hinsichtliche ihrer Erwartungen optimistischer.

Das Dienstleistungsgewerbe zeigt eine robuste Geschäftsentwicklung und profitiert sowohl von der Industrie- und Baukonjunktur als auch von der Nachfrage privater Verbraucher. 55 % der Dienstleister melden gute Geschäfte. Dennoch sind die Prognosen eher verhalten. 16 % erwarten in den kommenden Monaten bessere, 12 % schlechtere Geschäfte.

Fachkräftesituation der Lausitzer Wirtschaft

Im Ranking der Risiken für die weitere wirtschaftliche Entwicklung belegt der Fachkräftemangel mit 62 % der Nennungen Platz eins. Der Wert hat sich gegenüber Herbst 2016 (52 %) und Herbst 2015 (42 %) noch einmal deutlich erhöht.

Bei den Motiven für die Suche nach Fachkräften dominiert mit rund 72 % der Ersatz für altersbedingt ausscheidendes Personal. Mit deutlichem Abstand folgen der Ausgleich wg. normaler Fluktuation (36 %) und zunehmende Qualifikationsanforderungen an bestehende Arbeitsplätze (27 %).

Besteht Personalmangel, äußern sich die Folgen in erster Linie (72 %) durch eine stärkere Belastung der Belegschaft (z. B. Überstunden). Bereits heute wirkt sich Personalmangel wachstumshemmend aus. So mussten 53 % der Befragten ihr Angebot einschränken bzw. Aufträge ablehnen. Daraus resultierende Überlegungen hinsichtlich eines Standortwechsels spielen zwar eine untergeordnete Rolle, sind bei einigen Unternehmen aber vorhanden (6 %).

Mit Vollzeitstellen (92 %) und unbefristeten Verträgen (85 %) kommen die Unternehmen nicht nur den Forderungen der Mitarbeiter entgegen, sie zeigen auch, dass sie an langfristigen Arbeitsverhältnissen interessiert sind. Auch die Flexibilisierung von Arbeitszeit und -ort wird häufig (84 %) angeboten. Übertarifliche Löhne und Gehälter zahlen 37 % der Befragten, weitere 9 % planen die Einführung.

Arbeitgeber unterstützen ihre Mitarbeiter auch im privaten Bereich. So werden bei 72 % Arbeitsmittel wie Computer, Mobilfunkgeräte, Bekleidung oder Dienstfahrzeuge gestellt. 61 % der Unternehmen bieten private Altersvorsorge an, bei Wohnungssuche, Kinderbetreuung oder der Pflege Angehöriger helfen 43 % ihren Mitarbeitern.

Der Konjunkturreport Lausitz ist im Internet zu finden unter: www.cottbus.ihk.de/konjunktur-lausitz

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IHK Cottbus im Branchenbuch Lausitz.