Wie geht es dem Handwerk in Oberspreewald-Lausitz?

Landrat zu Gast beim Handwerk- Herbstbesuche starteten am Donnerstag in Vetschau und Calau

Wie geht es eigentlich dem Handwerk in OSL? Um dieser Frage nachzugehen, besucht Landrat Siegurd Heinze gemeinsam mit dem Bereich Wirtschaftsförderung der Kreisverwaltung in jedem Herbst Unternehmen in der Region. Elf Termine, einer in jeder der elf Kommunen, stehen dabei auf dem Programm. Begleitet wird Heinze von dem jeweiligen Bürgermeister bzw. Amtsdirektor. Die Unternehmen wissen dabei Spannendes zu berichten. Der Auftakt fand am Donnerstag (9. November 2017) in den Unternehmen Trans Tec F&E Vetschau GmbH in Vetschau und BGC Brunnenbau und Vertriebsgesellschaft mbH in Calau statt.

Trans Tec F&E Vetschau GmbH in Vetschau

"Auf den Schienen liegt die Zukunft", lautet das Motto der Trans Tec F&E Vetschau GmbH. Das Vetschauer Unternehmen mit Sitz in der Juri-Gagarin-Straße blickt in diesem Jahr auf eine 150-jährige Geschichte zurück. Einiges hat sich geändert in dieser Zeit. Einst als reine Landmaschinenfabrik gestartet, konstruierte und produzierte man hier in den 1960er Jahren das erste Drehgestell für Schienenfahrzeuge. Aus bis zu 700 komplexen Einzelteilen bestehe ein solches heute. Die Spezialisierung auf Entwicklung, Fertigung, Montage und Wartung eben dieser Drehgestelle zeichnet das Unternehmen aus. "Innovation und Qualität werden bei uns groß geschrieben", erklärte Geschäftsführer Dr. Andreas Fiedler mit Blick auf das 52.000 m² große Firmengelände mit mehreren Fertigungshallen. Heute gäbe es deutschlandweit nur eine Handvoll Anbieter, die auf dem Weltmarkt mithalten können. Trans Tec zähle dazu: Schätzungsweise 40.000 Drehgestelle seien mittlerweile in Straßenbahnen, U- und S-Bahnen, Reisezügen, Servicefahrzeugen, Güterwaggons und Schienenbussen verbaut. Weltweit bis nach Afrika schätze man das Know-how und die Qualität made in Vetschau.
Zu den großen Auftraggebern zählen insbesondere auch namhafte deutsche Unternehmen: Bombardier Transportation, Deutsche Bahn, Siemens Verkehrstechnik, Berliner Verkehrsbetriebe und viele weitere finden sich unter den Kunden. Die Auftragslage sei gut. Nahezu jede Woche sitze er aus diesem Grund im Flugzeug, erklärt Mitgeschäftsführer Johann Felde, der sich vordergründig um die Auftragsabwicklung kümmert. Russland sei eines der Länder, in dem man aktuell verstärkt aktiv sei. Trotz guter Auftragslage sei der Gesamtmarkt hart umkämpft. Insbesondere der internationale Preiswettbewerb fordere heraus. Nach einem Jahr 2016 voller Herausforderungen sei man nunmehr wieder auf einem guten Weg, so die Einschätzung. Zudem sei man gut aufgestellt: Zusätzlich zur traditionellen Fertigung der Drehgestelle zählen auch das Fertigen von Baugruppen und Komponenten für andere Branchen und weitere Dienstleistungen im Bereich des Stahlbaus zur Angebotspalette. 120 Mitarbeiter arbeiten am Standort. Dabei lege man größten Wert auf Kontinuität. Die Personalfluktuation liege bei nahezu null Prozent, erklärte der Betriebsratsvorsitzende Bernd Gubatz. Das Werben um geeignete Fachkräfte sei wie vielerorts aber auch hier zunehmend mit Schwierigkeiten verbunden. "Deshalb wünschen wir uns intensivere Bestrebungen um eine größere Vernetzung unter dem Gesichtspunkt Fachkräftebindung in der Region", wandte sich Dr. Andreas Fiedler an die Anwesenden.

BGC Brunnenbau und Vertriebsgesellschaft mbH in Calau

Über volle Auftragsbücher freut man sich auch bei der BGC Brunnenbau und Vertriebsgesellschaft mbH in Calau. Hinter dem Firmennamen verbirgt sich Geschäftsführer Philippe Gessner, der das 1980 gegründete Unternehmen in zweiter Generation führt. Gerade einmal 18 Jahre alt war er, als er die Firma 1999 von Vater Bernhard Gessner übernahm. Noch heute arbeiten beide Gessners, auch die Ehefrau und Schwester im Betrieb. Permanent entwickelte Philippe Gessner die angebotenen Leistungen über die Jahre hinweg weiter, viel Geld floss in moderne Technik. Die Sparten Rohrvortrieb und Grundwasserabsenkung bilden heute die Kernbereiche des Unternehmens. Als weiteres Geschäftsfeld kam 2014 der Spezialtiefbau mit zahlreichen Anwendungsbeispielen hinzu. Seit 2015 findet sich der Firmensitz in der Karl-Marx-Straße in Calau.

Technologische Expertise, eine kontinuierliche Verbesserung der eingesetzten Ressourcen, erfahrene Mitarbeiter: Nur so sei es möglich, den steigenden Anforderungen heutiger Bauvorhaben im Hinblick auf Planung und Koordination gerecht zu werden, erklärt Gessner. Regelmäßige Mitarbeiterschulungen setze dies genauso voraus, wie weitere Investitionen. Der Erfolgt gibt ihm recht: Gestartet mit vier Mitarbeitern, umfasst der Mitarbeiterstamm heute 20 Personen. Dennoch gestalte sich die Suche nach geeignetem Personal auch hier zunehmend problematisch.

Unterwegs sind die Calauer bundesweit. An Großbaustellen wie dem BER, aber auch bei umfangreichen Projekten in der Region, wie aktuell bei der Erweiterung des Wasserwerks in Tettau oder beim Bau des Horizontalfilterbrunnens in Senftenberg in der jüngsten Vergangenheit, sind die Spezialisten gefragt. Bis zu 30 Baustellen betreut das Team rund um Philippe Gessner parallel. Aufträge kommen von großen Baufirmen und öffentlichen Auftraggebern, aber auch kleinere Angebote in der Heimat realisiere man gern.

Fazit

Landrat Siegurd Heinze, Bärbel Weihmann vom Bereich Wirtschaftsförderung der Kreisverwaltung und die jeweiligen Bürgermeister Bengt Kanzler (Vetschau) und Werner Suchner (Calau) zeigten sich im Anschluss an die ersten beiden Unternehmensbesuche beeindruckt: "Es ist immer wieder spannend zu erleben, wie stark die hiesigen Unternehmen aufgestellt sind und was für vielseitige Produkte und Leistungen der Region entstammen. Oft ist nicht zu erahnen, was für Expertise sich hinter den meist unscheinbaren Firmennamen verbirgt. Die an uns herangetragene Problematik der Fachkräfte- und Ausbildungsakquise ist nicht neu. Hier müssen für die Zukunft dringend Ansätzen erarbeitet werden, um die Unternehmen zu unterstützen", fasste Landrat Siegurd Heinze zusammen.

Der nächste Unternehmensbesuch führt ihn und Wirtschaftsförderin Bärbel Weihmann am 15. November 2017 zur ZEDAS GmbH nach Senftenberg. Neben den Handwerksbetrieben steht in diesem Jahr damit auch ein Unternehmen aus der Branche Softwareentwicklung im Fokus. Dieses erhält am 10. November 2017 als eins von sechs Unternehmen die Auszeichnung mit dem renommierten "Zukunftspreis Brandenburg".

Die Unternehmensbesuche des Landrats finden in dieser Form seit 2010 jeweils im Herbst statt. Sie dienen dem ungezwungenen Austausch zwischen Unternehmer und Verwaltung und liefern Außenstehenden einen Überblick über die vielfältigen Leistungen der heimischen Betriebe.

Quelle: LK Oberspreewald-Lausitz