Berlin-Brandenburger Wirtschaft in Hochstimmung

Konjunkturreport 2016

Konjunktur in der Berlin-Brandenburger Wirtschaft läuft so gut wie noch nie zuvor

Starker konjunktureller Rückenwind beflügelt die Geschäfte der Berlin-Brandenburger Wirtschaft zum Jahresbeginn. Die gute Konjunktur wird nach Einschätzungen der Unternehmen auch in den kommenden Monaten anhalten. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammern in Berlin, Potsdam, Cottbus und Ostbrandenburg.

Das konjunkturelle Klima in Berlin-Brandenburg zeigt sich zum Jahresbeginn 2016 von seiner besten Seite: Der Konjunkturklimaindex für die Region zählt 135 Punkte - der höchste Wert seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 1995. Der Klimaindex gibt Auskunft über die aktuelle Geschäftslage und die Erwartungen der Unternehmen. Die hervorragende Stimmung ist in allen Branchen den sehr gut laufenden Geschäften zu verdanken. Die meisten Unternehmen erwarten, dass sich die schwungvolle Geschäftstätigkeit auch in den kommenden Monaten fortsetzen wird. Mit einer weiteren Beschleunigung des bereits hohen Konjunkturtempos rechnet die Wirtschaft aber nicht.

Jan Eder, Hauptgeschäftsführer der IHK Berlin: "Um die Stimmung in der Berlin-Brandenburger Wirtschaft ist es bestens bestellt. Mit großen Worten soll man zwar vorsichtig sein, aber ich würde sogar sagen: Die Konjunktur läuft bei uns so gut wie noch nie zuvor. Das mag überraschen, denn die Weltkonjunktur scheint wieder einer Wachstumsdelle entgegenzusteuern. Doch die Berlin-Brandenburger Wirtschaft ist davon im Moment unberührt. Wie schon in der Vergangenheit schirmt die weiter wachsende Binnennachfrage die meisten unserer Unternehmen gegen Verwerfungen im globalen Wirtschaftsgefüge ab."

Umso mehr profitieren die heimischen Unternehmen vom raschen Wachstum des privaten Konsums in der Region. Diese resultiert aus der sehr guten Arbeitsmarktentwicklung; zudem setzen die fallenden Energiepreise Kaufkraft frei. Und natürlich gilt, wie schon seit Jahren, dass der Tourismus Einkommen aus aller Welt in die Region spült. Nicht minder wichtig für die guten Geschäfte in der Berlin-Brandenburger Wirtschaft ist, dass diese strukturell immer wettbewerbsfähiger wird. Junge Unternehmen in Zukunftsbranchen prägen verstärkt das Bild der Region. Die heimischen Unternehmen können daher eine gute Konjunktur heute viel besser nutzen als in der Vergangenheit. Auch das erklärt die Rekordwerte der aktuellen Konjunkturumfrage.

Gundolf Schülke, Hauptgeschäftsführer der IHK Ostbrandenburg: "Die Firmen in Brandenburg und Berlin blicken zuversichtlich in das begonnene Jahr. Und das während anhaltender Diskussionen über Grenzschließungen und Sanktionen gegen Russland - mit ungewissen Folgen für die Wirtschaft. Trotzdem haben sich die Investitionspläne im Vergleich zum Vorjahr noch einmal spürbar verbessert. 45 Prozent der Unternehmen wollen ihre Ausgaben sogar erhöhen. Investiert wird, um neue Produkte zu entwickeln und Kapazitäten zu erweitern. Außerdem plant fast jedes vierte Unternehmen neue Mitarbeiter einzustellen."

Dr. Wolfgang Krüger, Hauptgeschäftsführer der IHK Cottbus: "Die Prognose ist doppelgesichtig. Guten Geschäftserwartungen stehen zunehmende Risiken gegenüber, so dass die guten Zahlen allein nicht die Gesamtsituation widerspiegeln. Besondere Sorge macht die Entwicklung in der Industrie. Hier sind die Erwartungen zurückgegangen, weil die Industrie von allen Branchen am stärksten von internationalen Entwicklungen abhängt. So beunruhigt der Verfall des Ölpreises zunehmend die Finanzmärkte. Ebenso verunsichern die Konjunkturprobleme in China und in verschiedenen großen Schwellenländern. Hinzu kommen die innenpolitischen Debatten zum Thema Flüchtlinge, die wichtige Wirtschaftsthemen in den Hintergrund rücken lassen. Trotz dieser Probleme rechnet die Berlin-Brandenburger Wirtschaft in den kommenden Monaten aber mit Wachstum. Anhaltend starke Impulse werden vor allem vom Binnenmarkt für Dienstleister, Händler und die Baubranche erwartet."

Prof. Dr. Dr. Mario Tobias, Hauptgeschäftsführer der IHK Potsdam: "Brandenburg und Berlin rücken behutsam enger zusammen. Insgesamt 44 Prozent der Unternehmen sagen heute, dass wirtschaftliche Beziehungen zum Nachbarn wichtig sind. Das sind zwei Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Trotzdem steigt die Zustimmung für eine Länderehe nicht analog, sind es nun 53 Prozent, die ein Zusammengehen von Berlin und Brandenburg befürworten. Bei den Hauptstädtern sind es 60 Prozent. Die Brandenburger fürchten um ihre Identität, scheinen sich scheibchenweise von der Länderfusion zu verabschieden und haben bei den Befürwortern einen Tiefststand von 40 Prozent erreicht. Dies mag auch daran liegen, dass im Flächenland zunächst eine große Kreisreform ins Haus steht, die Brandenburgs Landesregierung bis 2019 umsetzen will. Wir unterstützen dies, wenn es eine wirklich sinnvolle Verschlankung und echte Entbürokratisierung bringt."

Sorgen macht sich Brandenburgs Wirtschaft um die Qualität des Internets: "Nur 62 Prozent der Befragten in Brandenburg ist mit der Breitbandversorgung zufrieden. In Berlin sind es immerhin 72,5 Prozent. Aber: 95 Prozent finden es wichtig. Industrie 4.0, Big Data, Smart City, Internet of Things - die Ansprüche sind groß, jedoch muss die Technik dies auch hergeben. Insbesondere im Kredit- und Versicherungsgewerbe sowie in der Immobilienwirtschaft ist schnelles Internet existenziell wichtig." Immer größere Datenmengen müssten in immer kürzeren Zeiten sicher und zuverlässig transportiert werden. Es gebe heute keine Branche mehr, die ganz darauf verzichten könne, mahnte Tobias.

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Quelle: IHK Berlin