Marktwächter: Falschberatung bei Finanzen

Falschberatung bei Finanzen

Marktwächter Finanzen deckt Missstände und Falschberatung bei Finanzprodukten auf

Über 400 Verbraucheranfragen zu Falschberatungen und Schadenersatz in Finanzfragen zählt die Verbraucherzentrale Brandenburg seit 2014. Dass dies bundesweit Methode hat, beweist nun eine Untersuchung des Marktwächters Finanzen: 95 Prozent der aktuell unterbreiteten Anlagevorschläge von Banken und Finanzvertrieben passen nicht zum Bedarf der Verbraucher.

Ein besonders krasser Fall: Frau M. aus Potsdam bekam von ihrer Unfallversicherung eine hohe Summe Geld ausgezahlt. Dies wollte sie in ihre Altersvorsorge investieren. Der Finanzvermittler verkaufte ihr eine fondsgebundene Rentenversicherung. Dafür leistete sie eine Einmalzahlung von 85.000 Euro sowie weitere monatliche Einzahlungen. Das Problem dabei - aus dem Beratungsprotokoll des Verkäufers geht hervor, dass das verkaufte Produkt ein relativ hohes Kurs- und Kapitalrisiko birgt, ergo nichts für unerfahrene Anleger ist. Im Protokoll wurde ebenfalls angegeben, dass Frau M. über mittlere Kenntnisse und Erfahrungen in allen abgefragten Anlageformen verfüge. "Die Angaben im Beratungsprotokoll sind nicht nachvollziehbar", so Finanzexperte Erk Schaarschmidt von der Verbraucherzentrale Brandenburg (VZB). "Denn Frau M. hat viele Anlageformen noch gar nicht ausprobiert. Als unerfahrene Anlegerin hätte ihr demnach die risikoreiche Versicherung in dieser Größenordnung niemals empfohlen werden dürfen", sagt der Verbraucherschützer. Die Verbraucherin hat durch Verluste an den Aktienmärkten fast die Hälfte ihres bislang eingezahlten Geldes verloren.

"Solche Fälle, in denen Finanzvertriebe und Banken am Bedarf der Anleger vorbeiempfehlen, begegnen uns in der Beratung leider häufig, nicht selten mit hohem finanziellem Schaden für die Verbraucher", so Schaarschmidt.

Diese Beobachtung unterstützt auch eine aktuelle Untersuchung des Marktwächters Finanzen, die am 10. Dezember 2015 veröffentlicht wurde. Darin decken die Verbraucherzentralen auf, dass 95 Prozent der aktuell unterbreiteten Anlagevorschläge von Banken und Finanzvertrieben nicht zum Bedarf der Verbraucher passen. In der Untersuchung wurden 3.502 bestehende Anlageprodukte sowie 362 Vertragsangebote bewertet, mit denen Verbraucher in die Beratung der Verbraucherzentralen gekommen waren. Empfohlene Produkte waren unter anderem zu teuer, zu unrentabel, zu unflexibel oder zu riskant. Sie passten nicht zur individuellen Lebenssituation, den Anlagezielen oder -wünschen der Rat suchenden Verbraucher. Weitere Informationen zur Studie gibt es unter: www.vzb.de/marktwaechter-untersuchung-anlageprodukte

"Damit Verbraucher bedarfsgerecht beraten werden, sollten sie sich an die Verbraucherzentrale wenden", so Schaarschmidt. "Denn die Verbraucherschützer beraten unabhängig und ohne Provisionsinteressen."

Über den Marktwächter Finanzen

Der Marktwächter Finanzen ist ein Projekt, mit dem der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) und die Verbraucherzentralen den Finanzmarkt aus Perspektive der Verbraucher beobachten. Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg analysiert als eine von fünf Schwerpunkt-Verbraucherzentralen im Rahmen des Projekts den Finanzmarkt für Geldanlage und Altersvorsorge. Hierfür werden Beschwerden und Beratungen von Verbrauchern aus allen 16 deutschen Verbraucherzentralen über ein Frühwarnnetzwerk systematisch ausgewertet. Zudem werden empirische Untersuchungen durchgeführt. So können Schwachstellen und Fehlentwicklungen erkannt, Verbraucher frühzeitig gewarnt und Aufsichts- und Regulierungsbehörden bei ihrer Arbeit unterstützt werden. Der Marktwächter Finanzen wird durch das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) gefördert.

Quelle: Verbraucherzentrale Brandenburg e.V.