AktivistInnen besetzen Lausitzer Tagebaue

AktivistInnen besetzen Lausitzer Tagebaue

AktivistInnen von "Ende Gelände" stören Braunkohleförderung im Lausitzer Revier

AktivistInnen des Bündnisses "Ende Gelände!" haben heute morgen in den Tagebauen Jänschwalde und Welzow Süd im Lausitzer Braunkohlerevier wichtige Infrastruktur wie Abraumbagger und Transportbrücke besetzt und so die Braunkohleförderung aktiv gestört und zum Teil unterbrochen. An den Baggern befestigten sie unter anderem Banner mit der Aufschrift "Digger, hier ist Ende Gelände!" und "Hier wird das Klima verhandelt!". Sie fordern den Ausstieg aus der klimaschädlichen Kohleverstromung und das Ende des desaströsen Kohletagebaus. Die Baggerbesetzung ist der Abschluss einer Aktionsreihe.

"Der Kohletagebau in der Lausitz ist ein Skandal", erklärt Hannah Eichberger, Pressesprecherin des Bündnisses Ende Gelände. "Vattenfall darf sich nicht durch einen Verkauf aus der Verantwortung stehlen, sondern muss die Braunkohlesparte stilllegen."

Im Jahr 2016 wird in der Lausitz über die Zukunft der Braunkohle entschieden. Der schwedische Konzern Vattenfall will sein Braunkohle-Geschäft verkaufen. Ein neuer Käufer würde riesige Summen in die Braunkohle investieren und neue Tagebaue in die Landschaft reißen.

"Ende Gelände" kündigt für Mai 2016 Massenblockade von Braunkohlebaggern in den Lausitzer Kohlerrevieren an

"Ende Gelände ist ein Investitionsrisiko für Braunkohlekonzerne", so Hannah Eichberger. "Vattenfall will den maximalen Profit ohne Rücksicht auf Mensch und Natur oder Verantwortung für ihr bisheriges Handeln. Dem stellen wir uns entgegen. Wer in Braunkohle investiert, muss mit unserem Widerstand rechnen."

Bereits am Wochenende setzten AktivistInnen des "Ende Gelände"-Bündnisses ein Zeichen dafür, Klimaschutz selbst in die Hand zu nehmen, statt auf unzureichende Gipfelergebnisse zu warten. Mit Aktionen des zivilen Ungehorsams in weiteren Braunkohletagebauen im mitteldeutschen und rheinischen Revier forderten sie den Ausstieg aus dem Klimakiller Kohle. Die drei Aktionen stellten die AktivistInnen in den Kontext mit dem aktuell stattfindenden Weltklimagipfel und den damit einhergehend ausgerufenen Climate Games.

In der Nähe von Leipzig stoppten AktivistInnen des Bündnisses am Samstag Morgen einen Braunkohlebagger im Tagebau Vereinigtes Schleenhain (bei Leipzig). Eine Gruppe von 10 Personen drang am Vormittag in das Betriebsgelände der MIBRAG AG ein und brachte den Bagger zum Stillstand. Die AktivistInnen zeigten ein Banner mit dem Spruch "System Change, Not Climate Change!".

Wenige Stunden später blockierten AktivistInnen im Rheinischen Braunkohlerevier eine Kohlezufahrt zum Kraftwerk Niederaußem. Einige der ingesamt 20 AktivistInnen ketteten sich dabei in Lock-Ons aneinander. Andere befestigten sich in einem Tripod. Mit ihrer Aktion möchten sie ein Signal senden gegen den Abbau und die Verstromung von Braunkohle im Rheinischen Revier und weltweit.

Für Pfingsten 2016 kündigte das Bündnis "Ende Gelände" eine Massenaktion zivilen Ungehorsams in der Lausitz an. "Der Ausstieg aus der Kohle ist die Voraussetzung für Klimaschutz und globale Klimagerechtigkeit. Damit müssen wir jetzt und hier beginnen", so Hannah Eichberger.

Hintergrund Baggerbesetzung in der Lausitz: Hier wird das Klima verhandelt!

Das Jahr 2015 war das wärmste Jahr seit den Wetteraufzeichnungen. Von Dürren über Hitzewellen bis hin zu Überschwemmungen zeigt sich: Der menschengemachte Klimawandel ist Realität und verursacht schon heute massive soziale Verwerfungen und ökologische Zerstörungen - Tendenz steigend. Viele Millionen Menschen sind aufgrund der direkten und indirekten Folgen des Klimawandels auf der Flucht.

Vom 30. November bis 11. Dezember finden in Paris die internationalen Klimaverhandlungen COP 21 statt. Wie bereits die vorherigen Gipfel wird dieser keine ausreichenden Ergebnisse oder einen rechtsverbindlichen Rahmen schaffen, um die Klimakrise zu überwinden. Stattdessen wird die Unvereinbarkeit von Klimagerechtigkeit und Kapitalismus und dessen inhärentem Wachstumszwang deutlich. Politisch zeigt sich dieser Widerspruch in den aktuellen Repressionen wie Demonstrationsverboten und Hausarresten in Paris sowie den Verhaftungen von Aktivist*innen des Hambacher Forst.

Deshalb gehen wir dahin, wo der Klimawandel herkommt. Die Braunkohleverstromung ist für einen großen Teil der CO2- Emissionen in Deutschland verantwortlich. Wer Klimagerechtigkeit ernst meint, muss die Kohle im Boden lassen.

Deshalb nehmen wir den Klimaschutz selbst in die Hand und stoppen die Kohlebagger.

Der Braunkohleabbau von Vattenfall ist legal, unser ziviler Ungehorsam jedoch legitim und notwendig, um unsere gemeinsamen Lebensgrundlagen zu schützen.

Deshalb besetzen wir die Tagebaue in der Lausitz. Der schwedische Energiekonzern Vattenfall hat jahrelang die Profite des Kohleabbaus eingefahren und will das Revier jetzt verkaufen und so die Kosten der Abwicklung abgeben. Das muss verhindert werden. Der Kohleausstieg muss jedoch in eine umfassende sozial-ökologische Transformation eingebettet sein. Dieser gesellschaftliche Wandel betrifft insbesondere die Bevölkerung vor Ort, die umgesiedelten Dörfer und die bei Vattenfall Angestellten, für die sich der Konzern angesichts des Verkaufs nicht interessiert. Profitinteressen dürfen niemals vor Menschen und Umwelt stehen!

Deshalb kämpfen wir für eine postfossile Gesellschaft ohne Ausbeutung - hier und überall! Ende Gelände für Kohle und Kapitalismus!

Quelle: Einige Aktivist*innen von Ende Gelände