Allergenkennzeichnung - Ein Drittel der Bäcker fällt durch

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Allergiker müssen beim Kauf von Brötchen, Kuchen und Co bei Brandenburgischen Bäckern gut aufpassen

Rund ein Drittel der Bäcker und Backshops weist allergene Zutaten in losen Backwaren nicht ordnungsgemäß aus. Das hat die Verbraucherzentrale Brandenburg (VZB) im September 2015 in einem Marktcheck herausgefunden. Und das, obwohl ein entsprechendes Gesetz Ende 2014 in Kraft getreten ist. Doch selbst wenn Infos in schriftlicher Form fehlten oder unvollständig waren: In den meisten Fällen wusste das Verkaufspersonal in Bäckereien gut über die Inhaltsstoffe ihrer Backwaren Bescheid - ganz im Gegensatz zu Aufback-Stationen der Supermärkte oder Tankstellen.

12 von 31 der getesteten Bäckereien und Backshops im Land Brandenburg haben sich noch nicht auf Allergiker eingestellt. "Schilder waren lückenhaft, Produktordner selbst vom Personal nicht auffindbar oder Hinweise am hinteren Thekenrand versteckt", berichtet Lebensmittelexpertin Heidrun Franke von der VZB. "In drei der getesteten Läden wusste das Verkaufspersonal nicht einmal von einer gesetzlichen Pflicht zur Allergenkennzeichnung", unterstreicht die Expertin. "Fast ein Jahr nach Inkrafttreten der Verordnung sind das schlechte Nachrichten für Allergiker!"

Jedoch fanden die Testerinnen in knapp zwei Drittel der Fälle auch ohne Nachfrage ausreichend Information zu enthaltenen Allergenen in Brötchen, Kuchen und Co. Überwiegend nutzten die Händler dafür Schilder an der Ware (z.B. "enthält Weizen, Milch, Mandeln"), Aushänge oder Produktmappen.

"Am unteren Regalrand im Supermarkt oder am hinteren Brotregal beim Bäcker sind diese Schilder aber oft zu klein und nicht für jeden gut erkennbar", so Franke. "Außerdem finden Kunden Produktmappen mit Informationen zu den allergenen Zutaten nicht immer auf Anhieb, sondern erst auf Nachfrage beim Verkaufspersonal. Hier sollten die Händler noch nachbessern."

Positiv fiel auf, dass in den Supermärkten an den Backregalen zunehmend die kompletten Zutaten der Backwaren abgedruckt sind. "Allerdings müssten die, die Allergien auslösen können, durch Fettdruck oder Großbuchstaben deutlich hervorgehoben werden. Das haben leider nur fünf von neun Supermärkten in unserem Test gemacht", so Franke.

Allergenkennzeichnung ist Pflicht

Seit Ende 2014 müssen nach der europaweit geltenden Lebensmittelinformationsverordnung allergene Zutaten wie z.B. Weizen, Milch, Eier oder Nüsse auch bei nicht verpackten Lebensmitteln gekennzeichnet werden. Diese Informationen können schriftlich, zum Beispiel per Aushang oder Schild bereitgestellt werden. Im Geschäft kann aber auch mündlich über allergene Zutaten informiert werden. In jedem Fall muss ohne Nachfrage ersichtlich sein, dass es eine Allergen-Information gibt. Zusätzlich muss eine Dokumentation verfügbar sein, in der die allergenen Zutaten für jedes Produkt schriftlich aufgelistet sind. Das betrifft neben dem Bäcker zum Beispiel auch das Eis am Eisstand oder Gerichte im Restaurant oder am Imbiss. "Mit der Verordnung soll der gefahrlose Genuss für Allergiker und Personen mit Lebensmittelintoleranzen einfacher werden", erklärt Heidrun Franke.

Um zu prüfen, ob sich Allergiker wirklich auf die neue Kennzeichnungspflicht verlassen können, führt die VZB eine Reihe von Marktchecks durch. Im Sommer 2015 hat sie bereits Speiseeis an Brandenburger Eisdielen ins Visier genommen: www.vzb.de/marktcheck-eisdielen-brandenburg

Wer Fragen zur Lebensmittelkennzeichnung hat, erhält individuellen Rat:

  • in den Verbraucherberatungsstellen, Terminvereinbarung unter 0331 / 98 22 999 5 (Mo bis Fr, 9 bis 18 Uhr) oder online unter www.vzb.de/termine,
  • am Beratungstelefon unter 09001 / 775 770 (Mo bis Fr, 9 bis 18 Uhr, 1 €/min a. d. dt. Festnetz, Mobilfunk abweichend) sowie am Ernährungs-Info-Telefon unter (0180) 579 13 52 (Mo und Do, 10 bis 16 Uhr, 14 Ct/min a. d. dt. Festnetz, Mobilfunk abweichend)
  • per E-Mailberatung auf www.vzb.de/emailberatung

Über die Verbraucherzentrale Brandenburg e.V.

Die Verbraucherzentrale Brandenburg e.V. (VZB) ist die wichtigste Interessenvertretung der Brandenburger Verbraucher gegenüber Politik und Wirtschaft. Sie bietet unabhängige Verbraucherberatung, -information und -bildung zu zahlreichen Themen: Markt & Recht, Reise & Freizeit, Finanzen & Versicherungen, Lebensmittel & Ernährung, Medien & Telefon, Energie, Bauen & Wohnen. Zudem berät sie zu deutsch-polnischem Verbraucherrecht und ist Trägerin der Unabhängigen Patientenberatung im Land.

Darüber hinaus mahnt die VZB Unternehmen ab, die zu Ungunsten von Verbrauchern gegen geltendes Recht verstoßen und klärt die Öffentlichkeit über Verbraucherrechte, Abzockmaschen und Spartipps auf. Im Jahr 2015 feiert sie ihren 25. Geburtstag.

Quelle: Verbraucherzentrale Brandenburg e.V.