20 Jahre Gefäßmedizin in Senftenberg

20 Jahre Gefäßmedizin in Senftenberg

Von der Abteilung Gefäßchirurgie zum modernen, komplexen Gefäßzentrum in Südbrandenburg

Das Klinikum Niederlausitz hat sich frühzeitig auf die Gefäßmedizin ausgerichtet und kann somit heute auf einen leistungsfähigen medizinischen Fachbereich blicken. Im Oktober 1996 wurde der Grundstein für die Gefäßchirurgie in Senftenberg gelegt. Diese zukunftsweisende Entscheidung erfolgte unter dem damaligen Geschäftsführer Jürgen Wienand und war eine wichtige Weichenstellung. Der medizinische Fachbereich, geleitet von Dr. med. Ricardo Matamoros, war zu diesem Zeitpunkt noch eine Abteilung der Allgemeinchirurgie. Neben den Spezialisierungen der Unfallchirurgie und Neurochirurgie war mit der Eröffnung der Gefäßchirurgie ein weiterer Mosaikstein in der Spezialisierung der chirurgischen Abteilung der Klinikum Niederlausitz GmbH erfolgt. Dr. Matamoros, der heute in Koblenz tätig ist, ließ es sich nicht nehmen, im 20. Jubiläumsjahr anlässlich der Festveranstaltung am Mittwoch (30.9.) nach Senftenberg zu kommen und sich ein Bild von der Entwicklung in den letzten zwei Jahrzenten zu machen. "Das Klinikum ist Herrn Matamoros für die Etablierung dieses medizinischen Fachbereichs in unserer Region zu Dank verpflichtet", so Hendrik Karpinski, Geschäftsführer der Klinikum Niederlausitz GmbH. Damals ging man, umgerechnet auf die Bevölkerungszahl des Landkreises (120.000 Einwohner), von zirka 300 gefäßchirurgischen Eingriffen pro Jahr aus. Heute sind es knapp 1.000 Fälle innerhalb eines Jahres.

Im Juli 1997 übernahm Dr. med. Christian Gatzweiler als Chefarzt die Klinik und baute sie weiter aus. Unter seiner Leitung nahm die Spezialisierung weiter zu. Seiner Initiative war es zu verdanken, dass seit 1999 die örtliche Betäubung als Standard-Anästhesieverfahren bei Operationen an der Halsschlagader eingeführt wurde. Diese Methode ermöglicht es, während der Operation die Hirnfunktion am wachen Patienten zu kontrollieren.

Ab 1998 ergänzte Dr. med. Stefan Brehme als Angiologe die Gefäßmedizin in Senftenberg, insbesondere durch die nichtinvasive Gefäßdiagnostik, Ultraschallsprechstunden und die konservative Behandlung von Gefäßerkrankungen. Im Rahmen einer Honorarprofessur war er zudem auch wissenschaftlich für das Klinikum Niederlausitz an der Fachhochschule Lausitz und Brandenburgischen Technischen Universität tätig.

Dr. med. Michael Petzold trat im November 2006 die Nachfolge als Chefarzt von Dr. Gatzweiler an. Aufbauend auf den bereits ausgezeichneten Ergebnissen in der Chirurgie der Halsschlagadern, die die Klinik unter Dr. Gatzweiler erreicht hatte, bildete die chirurgische Frühintervention bei einem akuten Schlaganfall im Rahmen der Behandlung im interdisziplinären Stroke Center Senftenberg einen weiteren Schwerpunkt. Die Versorgung nierenkranker Patienten mit einem Gefäßanschluss für die Nieren-Ersatz-Therapie (Dialyse) sowie die Kooperation mit der Dialysepraxis Nephrologicum sind Meilensteine der Gefäßmedizin in Senftenberg.

Seit April 2012 ist Chefarzt Tom Hammermüller der führende Kopf im Gefäßzentrum der Klinikum Niederlausitz GmbH. In Bad Liebenwerda aufgewachsen, Krankenpfleger im Carl-Thiem-Klinikum Cottbus, Medizinstudium in Berlin und zuletzt tätig in Schleswig-Holstein, kam Tom Hammermüller vor drei Jahren ans Klinikum Niederlausitz und wollte die Gefäßmedizin in Senftenberg zu einem modernen Gefäßzentrum entwickeln. Ein wichtiges Etappenziel auf diesem Weg war die Schaffung eines neuen Angiographie-Traktes. Bis Ende August 2012 wurden insgesamt 180 m2 Fläche umgestaltet und es entstand ein hochmoderner Untersuchungs- und Behandlungsbereich für Blutgefäßerkrankungen, in dem gleichzeitig auch Operationen durchgeführt werden können. Erstmalig in Berlin und Brandenburg konnte das Klinikum Niederlausitz in diesem Hybrid-OP nun einen neuartigen Stentgraft implantieren, der eine gefährliche Aussackung der Bauchschlagader auf innovative Art und Weise abdichtet.

Nach erfolgreicher Zertifizierung ist das Gefäßzentrum Niederlausitz in Senftenberg seit dem 1. Juni 2014 ein durch die Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin (DGG) anerkanntes Gefäßzentrum, welches sich stetig entwickelt. Die Fallzahlen sind in den letzten 20 Jahren über 100% angestiegen. Infolgedessen erfolgte im Mai 2014 die Aufstockung der Betten von 18 auf 36 - das entspricht der Bettenzahl, mit der das damalige Knappschaftskrankenhaus Senftenberg im Jahr 1890 bei der Eröffnung ausgestattet war. Aus den zwei Bereichen Gefäßchirurgie und Angiologie entstand letztendlich ein Verantwortungsbereich, das Gefäßzentrum. "Das Gefäßzentrum ist ein wichtiger Meilenstein für eine solide und zukunftsweisende Gefäßmedizin in Südbrandenburg", hebt Hendrik Karpinski noch einmal hervor. "Und die Umsetzung dieser Leistung ist vor allem durch die engagierte Arbeit der Mitarbeiter gelungen", bedankt sich der Geschäftsführer bei allen Beteiligten.

Perspektivisch wird seit Januar 2015 in der Gefäßmedizin der interventionelle Bereich unter dem leitenden Oberarzt Frank Wittstock auf- und ausgebaut und im kommenden Jahr als eigene Abteilung im Gefäßzentrum etabliert. Somit können die drei Säulen, konservative, operative und interventionelle Gefäßmedizin, im Klinikum Niederlausitz angeboten werden. Das Ärzte- und Pflegeteam entscheidet je nach Befund des Patienten die geeignete Therapie. Die konservative Behandlung umfasst in erster Linie nur äußerliche Anwendungen, im Gegensatz zur operativen Methode. Hier sind in der Regel größere chirurgische Operationen notwendig. Als interventionelle Gefäßtherapie bezeichnet man die Behandlung "von innen" durch minimale Öffnungen, durch die beispielsweise Stents in die Gefäße eingeführt werden. Wie diese Behandlungen funktionieren, können sich Patienten und Besucher regelmäßig bei Informationsveranstaltungen, wie dem Gefäßtag, anschauen. "Uns ist es wichtig, Information und Aufklärung zu leisten sowie mit unseren Patienten in Kontakt zu kommen", sagt Tom Hammermüller, Chefarzt des Gefäßzentrums Niederlausitz und bedankt sich gleichzeitig bei seinen Mitarbeitern. "Das Gefäßzentrum steht auf zwei sicheren Standbeinen, den Ärzten und dem hoch ambitionierten Pflegeteam. Dank der professionellen Zusammenarbeit - alle ziehen an einem Strang - können wir die hohen Standards halten und unsere Ziele weiter verfolgen." Um das Gefäßzentrum zukunftsweisend auszubauen, sind weitere Fachkräfte zur Verstärkung des Teams herzlich Willkommen.