90 Jahre Handwerkstradition in Lauchhammer

Lauchhameraner Schuhmachermeister Gerhard Hensel begeht sein 40jähriges Jubiläum

Schuhmachermeister Gerhard Hensel begeht sein 40jähriges Jubiläum Wenn man dienstags oder freitags die Tür zum Schuhmacherladen in Lauchhammer-West öffnet, ist das wie eine nette kleine Zeitreise durch längst vergangene Zeiten. Eine Türglocke läutet schon seit vielen Jahren durch das kleine Geschäft, und in der Werkstatt kann man noch an altehrwürdigen Maschinen erleben, wie das alte Handwerk funktioniert. "Die Glocke muss man haben. Sonst bemerkt man die Kundschaft nicht, wenn man an den Maschinen arbeitet." meint Frank Hensel. Seit 2008 führt er neben dem Sattler-und Feintäschnerhandwerk das Geschäft seines Vaters Gerhard Hensel nunmehr in dritter Generation weiter. Die Glocke hat er von seinen Eltern übernommen. Er ist stolz auf seinen Vater, der in diesen Tagen auf sein 40jähriges Geschäftsjubiläum zurück blicken kann. Der heutige Altmeister übernahm die Schuhmacherwerkstatt und das Geschäft seines Vaters Emil Hensel und führt beides seit 1975. Seine Meisterprüfung legte er bereits 1960 vor der Handwerkskammer Cottbus ab. Das Geschäft selbst wurde 1923 eröffnet und begeht in diesem Jahr sein 92. Jubiläum. Doch bis dahin war es ein weiter Weg. Ursprünglich hatte Gerhard Hensel im Lauchhammerwerk den Beruf eines Formers gelernt, wollte anschließend studieren und Ingenieur werden. Doch mit dem Krieg kam alles anders, und er lernte gemeinsam mit seinem Bruder im Geschäft seines Vaters den Umgang mit Nadel, Ahle, Dreifuß und Leder. Der gebürtige Mückenberger erzählt allerhand über sein langes und bewegtes Leben. "Wir haben manches erlebt. Da haben die Leute früher in Schlangen gestanden, bloß um ihre Schuhe repariert zu bekommen." Zu DDR-Zeiten wurden Hausschuhe und Pantoffeln für die Berufsgenossenschaft Elsterwerda hergestellt, und für das BKK Lauchhammer wurden alle anfallenden Reparaturen ausgeführt. Im Auftrag der LIA Kleinleipisch fertigte der kleine Familienbetrieb als Zulieferer für Exportaufträge Lederwaren an. "Bis Anfang der 90er Jahre ging das mit den Schuhen." sagt seine Tochter Gudrun Richter und erinnert sich noch an den beißenden Geruch des Ferrowerkes im ganzen Haus. Voller Freude erzählt Gerhard Hensel über seinen Einsatz für Schulen, Sportgemeinschaften, den sehr intensiven, freundschaftlichen Kontakt zum Cottbuser Sportzentrum. Neben seiner eigentlichen Arbeit war er jahrzehntelang für sie unterwegs und arbeitete so manche Nacht durch. Er nähte Bälle oder reparierte sie fachmännisch, drückte auch mal ein Auge zu, wenn kein Geld vorhanden war. "Jeden Tag eine gute Tat", so seine Tochter, und er ist stolz darauf, vielen Menschen mit seiner Arbeit geholfen zu haben. Auch heute schätzt man ihn sehr und würdigt sein besonderes Engagement mit Kartengrüßen von Wettkämpfen aus aller Welt oder einem persönlichen Besuch.

Das kleine Schuhmachergeschäft in Lauchhammer-West ist heute eines der ältesten Handwerksbetriebe in unserer Stadt. Warum ausgerechnet diese Handwerkstradition alle Turbulenzen der letzten 82 Jahre überlebte, weiß Frank Hensel zu berichten. "Schuhmacherei wird immer gebraucht" meint er. "Es gibt so viele Sachen - auch Planen, die repariert oder genäht werden müssen." Und seine Schwester fügt hinzu, dass es immer wichtig war, auch mit der Entwicklung der Schuhmode und des Schuhmacherhandwerks Schritt zu halten. "Wir hatten immer die tollsten und modernsten Stiefel und Schuhe." berichtet sie stolz. "Alles was mit Leder und Leinen zu tun hatte, wurde gemacht." Liebevoll schaut sie zu ihrem Vater hinüber. Für sie und die Familie ist Gerhard Hensel der Dreh- und Angelpunkt allen Geschehens. "Alles konzentriert sich um ihn. Er ist ein sehr wertvoller Mensch, voller Lebenserfahrung." Heute werden zwar weniger Schuhe repariert, aber jeder, der Wert darauf legt, kommt auch weiterhin in das kleine Ladengeschäft im Westen der Stadt. Um am Markt zu bleiben, suchte Familie Hensel immer nach Alternativen und hat ihr Geschäftsfeld erweitert. " Probleme haben wir nicht. Das Geschäft läuft.", so Frank Hensel. Dass der Altmeister auch heute noch seinen Sohn im Geschäft unterstützt, ist für Gerhard Hensel selbstverständlich - und das mit 94 Jahren. "Es nutzt ja nichts. Ich werde ja gebraucht." meint er in seiner bescheidenen und liebenswerten Art. "Schade ist nur, dass ich nicht mehr so kann." Aber so lange es geht, wird er weiter machen. Und vielleicht wird sein Urenkel, der sich heute schon sehr für das Schuhmacherhandwerk interessiert, einmal in die Fußstapfen von Gerhard und Frank Hensel treten. Über so viel Engagement und Enthusiasmus freut sich Bürgermeister Roland Pohlenz sehr und ist beeindruckt vom Lebenswerk der Familie Hensel. "Unternehmensnachfolge ist gerade im Handwerksbereich ein aktuelles Thema und sichert den Erhalt dieser so wertvollen Branchen", hebt Bürgermeister Roland Pohlenz hervor.

Quelle: Stadt Lauchhammer