Berufsschulsituation der IHK-Regionen

Berufsschulsituation in den IHK-Regionen

Ausbildung erfordert leistungsstarke Berufsschulen vor Ort

Als "ausgesprochen besorgniserregend" bewertet Eric Schweitzer, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), dass immer mehr Berufsschulen ihre Pforten schließen müssen.

"Die Kombination von Praxis im Betrieb und Theorie in der Berufsschule ist das Erfolgsrezept der dualen Ausbildung", betonte Schweitzer gegenüber der Tageszeitung "Die Welt".

Doch sei die Zahl der Berufsschulen im dualen System zwischen 2005 und 2013 bundesweit um 6 Prozent gesunken. Besonders litten die ostdeutschen Bundesländer: In Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern habe das Minus 33 Prozent betragen, in Thüringen sogar 42 Prozent.

Als Hauptgründe nannte der DIHK-Präsident den demografiebedingten Rückgang der Schülerzahlen einerseits und den ungebremsten Trend zum Studium andererseits. "Die Folgen: eine zunehmende Konzentration auf weniger Berufsschulen und damit weite Wege für immer mehr Azubis."

Schweitzer verwies auf eine aktuelle DIHK-Umfrage unter 11.500 Ausbildungsbetrieben, der zufolge die Unternehmen befürchten, dass sich die Entwicklung negativ auf die Attraktivität der Ausbildung auswirken wird. "Und: Nahezu die Hälfte der Ausbildungsbetriebe wünscht sich eine engere Zusammenarbeit mit den Berufsschulen", so der DIHK-Präsident weiter. "Auch hier erweisen sich große Entfernungen als Hindernis."

Zwar sagten 39 Prozent der Umfrageteilnehmer, dass das Berufsschulangebot in ihrer Region ihrem Bedarf entspreche. "Aber immerhin 22 Prozent beklagen heute schon, dass es in ihrer Region kein bedarfsgerechtes Angebot mehr gibt. Wir dürfen nicht riskieren, dass diese Betriebe die Ausbildung aufgeben."

Bei der Zusammenlegung von Standorten oder Fachklassen sollten deshalb nach Auffassung des DIHK neben den Berufsschulen selbst auch die regionalen Industrie- und Handelskammern sowie Unternehmen einbezogen werden. Denn, so Schweitzer: "Sie können am besten beurteilen, wie die Zusammenarbeit von Betrieben und Schulen weiterhin gewährleistet werden kann. Darin sind wir uns auch mit den Vorsitzenden der Berufsschullehrerverbände, Eugen Straubinger (BLBS), Angelika Rehm und Ernst G. John (beide VLW) einig." Die Verbände hatten die Umfrage dankenswerterweise unterstützt.

Zu den weiteren Ergebnissen der Erhebung zählt, dass mehr als 40 Prozent der befragten Betriebe für die Zukunft einen Mangel an qualifizierten Berufsschul-Lehrkräften befürchten. "Auch hier wird der Osten wieder besonders betroffen sein, weil dort in den kommenden Jahren ein Generationenwechsel bei den Berufsschullehrern ansteht", erläuterte Schweitzer.

Der DIHK empfehle, Jugendliche, die Lehrer werden wollten, verstärkt auch auf das Lehramt an beruflichen Schulen hinzuweisen. Vielfach würden nur die allgemeinbildenden Schulen in Betracht gezogen - "dabei sind die Beschäftigungsaussichten an den beruflichen Schulen deutlich günstiger". Eine weitere Option sei es, den Berufszugang für Seiteneinsteiger attraktiver zu machen. Schweitzer: "Dabei sollten die Länder abgestimmt vorgehen und einheitliche Lösungen finden."

Außerdem habe die Erhebung große regionale Unterschiede offenbart, beispielsweise bei der Sachausstattung der Schulen. Um die technologischen Herausforderungen der Zukunft und die Digitalisierung zu meistern, würden überall im Land auf hohem Niveau qualifizierte Fachkräfte benötigt, mahnte der DIHK-Präsident. "Eine gute Ausstattung der Berufsschulen, unter anderem mit einer modernen IT-Infrastruktur, ist dafür unerlässlich."

Sie finden die kompletten Ergebnisse der DIHK-Online-Umfrage "Licht und Schatten" hier zum Download.

Quelle: DIHK | Deutscher Industrie- und Handelskammertag e.V.