Sächsisches Landeserntedankfest 2015 in Löbau

Landeserntedankfest vom 18. bis 20. September 2015 in der Großen Kreisstadt Löbau - Einblicke in die Landwirtschaft damals und heute

http://www.lausitz-branchen.de/medienarchiv/cms/upload/2015/april/Landeserntedankfest_Loebau.jpg In die Vorbereitung und Durchführung des 18. Sächsischen Landeserntedankfestes vom 18. bis 20. September 2015 in der Großen Kreisstadt Löbau bringt sich der Bauernverband Oberlausitz e.V. engagiert mit ein. Das Sächsische Landeskuratorium Ländlicher Raum e.V. sprach mit Geschäftsführer Rainer Peter.

Herr Peter, "Im Märzen der Bauer die Rösslein einspannt" heißt es in einem Lied. Wie sind die landwirtschaftlichen Betriebe im Landkreis Görlitz über den Winter gekommen? Welche Aufgaben stehen jetzt im Frühjahr an?

Der Winter, der keiner war, hat den Feldbeständen keinen sichtbaren Schaden zugefügt. Es sind zurzeit ähnlich gute Voraussetzungen für ein gutes Jahr wie 2014. Was fehlt, ist Wasser im Boden. Mit den Frühjahrsarbeiten konnte pünktlich begonnen werden. Beim Befahren der Felder musste nichts erzwungen werden. Die Düngung ist meist abgeschlossen. Das wenige Sommergetreide kann pünktlich gesät werden. Natürlich können März und April noch Überraschungen bereithalten. Für die sich entwickelnden Feldbestände würde ein Wintereinbruch jetzt Schaden anrichten. Zehn Grad Celsius am Tag und minus drei Grad Celsius in der Nacht sind Gift für das Getreide. Auch in der Tierproduktion ist so ein milder Winter von Vorteil.

Was sind die Besonderheiten der Landwirtschaft im Landkreis Görlitz?

So sehr grenzt sich die Landwirtschaft im Landkreis Görlitz von der in Sachsen nicht ab. Wir haben Unterschiede in der Bodenqualität von Zittau bis Weißwasser. Während im Norden kaum Weizen wächst, sind im Süden Erträge über 80 Dezitonnen pro Hektar keine Seltenheit. Die Betriebe haben ihre Produktion den Gegebenheiten angepasst.

Der Bauernverband Oberlausitz e.V. ist ein Regionalbauernverband. Welche Aufgabe hat er, welchen Tätigkeiten geht er nach?

Der Bauernverband Oberlausitz ist Repräsentant und Interessenvertreter seiner Mitglieder gegenüber Behörden, Regierung und Parlament sowie der übrigen Wirtschaft. Parteipolitisch unabhängig setzt sich der Verband für eine vielfältig strukturierte, umweltgerechte, flächendeckende, unter marktwirtschaftlichen Bedingungen wettbewerbsfähige Landwirtschaft bei Chancengleichheit aller Unternehmensformen ein. Als regionale Interessenvertretung streben wir eine enge Zusammenarbeit aller in der Land- und Forstwirtschaft und dem Gartenbau Tätigen sowie mit ihr verbundenen Menschen im ländlichen Raum an. Die freie Verfügbarkeit des Einzelnen über sein Eigentum an landwirtschaftlichen Grund und Boden sind dabei die Voraussetzung. Der Bauerverband Oberlausitz hat die Aufgabe, die wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen, rechtlichen und steuerlichen Interessen seiner Mitglieder wahrzunehmen, geeignete Dienstleistungen anzubieten und die Probleme der Landwirtschaft und des ländlichen Raumes in der Öffentlichkeit zu vertreten. Die Zusammenarbeit mit Fachverbänden der Veredlungswirtschaft und anderen Partnern der Agrarwirtschaft ist zu sichern. Zu unseren Aufgaben zählen auch die Bildung und Ausbildung des eigenen Berufsnachwuchses und die Weiter- und Erwachsenenbildung unserer Mitglieder. Die Unterstützung der Landjugend, der Landfrauen und der Landsenioren ist zu fördern, ebenso die Bewahrung und Pflege der bäuerlichen Tradition.

Das Verbandsgebiet grenzt an Polen und Tschechien. Spiegelt sich das in der Verbandsarbeit wider?

Es bestehen Verbindungen zu den Bauern in Tschechien. Die Betriebe grenzen mit den Feldern aneinander. Die Grenze zu Polen bildet die Neiße. Damit ist auch der Abstand zu den Bauern in Polen größer. In beiden Ländern gibt es viele Verbände für die Bauern. Man erreicht nur einen kleinen Teil der Berufskollegen jenseits der Grenze. Mit den Tschechen sind wir ständig in Kontakt, auch auf dem Gebiet der Ausbildung.

Wo sehen Sie in der nächsten Zeit besondere Herausforderungen für den landwirtschaftlichen Berufsstand?

Die größte Herausforderung ist der Kampf gegen die Vorurteile und das Negativimage der Landwirtschaft. Da seit vielen Jahren Lebensmittel im Überfluss vorhanden sind, wird die Bedeutung der Landwirtschaft und der Wert der Arbeit unserer Bauern von der Gesellschaft nicht mehr anerkannt. Die Billigpreispolitik der Handelsketten unterstützt das noch. Der Naturschutz wird in seiner Bedeutung noch vor die Nahrungsmittelproduktion gestellt und auch die Kompetenzen der Landwirte in Sachen Naturschutz werden verkannt. Jeder "Sachverständige" der Naturschutzverbände, gleich welche Qualifizierung er eigentlich hat, wird über einen Betriebsleiter mit Hochschulabschluss und langjährigen Erfahrungen gestellt. Das ganze Dilemma zeigt sich in den neuen Förderrichtlinien 2014 bis 2020. Die Bauern werden weiter in ihrem Handeln eingeschränkt und von Wettbewerbsfähigkeit auf dem Weltmarkt kann keine Rede sein. Weiter wird es wichtig sein, den Berufsnachwuchs zu sichern, eine schwere Aufgabe bei der Bevölkerungsentwicklung und den Löhnen, die die Landwirtschaft zahlen kann. Wir dürfen nicht weiter täglich so viel landwirtschaftliche Nutzfläche verlieren, zum Beispiel durch Bebauung, aber auch nicht durch Naturschutzausgleich. Und es ist wichtig, dass der Boden bei den Bauern bleibt und nicht bei Geldanlegern landet.

Der Bauernverband Oberlausitz e.V. und Sie persönlich bringen sich engagiert in die Vorbereitung des Landeserntedankfestes ein. Wer unterstützt dabei und arbeitet mit? Was können die Besucher des Landeserntedankfestes erwarten?

Ja, mit der Vorbereitung des Landeserntedankfestes geht viel Arbeit einher. Der Vorstand unterstützt mich und in unserer letzten Mitgliederversammlung wurden alle zur Mitwirkung aufgerufen. Es gibt gute Unterstützung von der Stadt Löbau, insbesondere von Oberbürgermeister Dietmar Buchholz. Nicht unerwähnt lassen möchte ich die tatkräftige Mitarbeit des Sächsischen Landeskuratoriums Ländlicher Raum e.V. und des Christlich-Sozialen Bildungswerkes Sachsen e.V. Geschäftsführer Peter Neunert und Thaddäus Ziesch haben langjährige Erfahrungen bei der Vorbereitung und Durchführung des Landeserntedankfestes. In der Arbeitsgruppe Landwirtschaft sind wir ein Team aus allen Bereichen, mit Sachsenforst, Gartenbau, Fischerei, Berufsausbildung und dem Berufsschulzentrum Löbau. Was die Besucher erwarten können? Ich denke einen Einblick in die Geschichte und Traditionen der Landwirtschaft. Aber vor allem wollen wir den Menschen zeigen, dass unsere Landwirtschaft sichere und gesunde Lebensmittel produziert und auch in der Lage ist, mit der Natur verantwortungsvoll umzugehen.

Das Gespräch führte Dirk Raffe.

Hintergrund zum Sächsischen Landeserntedankfest

Vom 18. bis 20. September 2015 ist die Große Kreisstadt Löbau Gastgeber des 18. Sächsischen Landeserntedankfestes. Gemeinsam mit dem Landkreis Görlitz und dem Sächsischen Landeskuratorium Ländlicher Raum e.V. (SLK) organisiert Löbau die Veranstaltung, wobei sie von Bürgern, Vereinen, Verbänden, Kirchen, Schulen, Institutionen, Behörden und Unternehmen der Stadt, der Region und aus dem ländlichen Raum tatkräftig unterstützt werden. Sachsens größtes Erntedankfest hat sich, auch dank der Unterstützung durch das Sächsische Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft, zu einer traditionsreichen Veranstaltung entwickelt. Es ist Spiegelbild der Leistungen der Menschen aus dem ländlichen Raum und Schaufenster des ländlichen Raumes. Es soll die Leistungsfähigkeit der heimischen Land-, Forst- und Ernährungswirtschaft präsentieren. Schirmherr der Veranstaltung ist der Sächsische Staatsminister für Umwelt und Landwirtschaft, Thomas Schmidt. Ausführlichere Informationen zum 18. Sächsischen Landeserntedankfest sind im Internet unter http://www.loebau.de/ und http://www.slk-miltitz.de/ (Menüpunkt Landeserntedankfest) zu finden.

BU: Rainer Peter, Geschäftsführer des Bauernverbandes Oberlausitz e.V. (Foto: SLK)

Quelle: PM Landkreis Görlitz