Bürgerversammlung zur Schließung der Bahnhalte in Raddusch

Schließung der Bahnhalte Raddusch, Kunersdorf und Kolkwitz offenbart Planlosigkeit der Landesregierung

Gestern rechtfertigt die Infrastrukturministerin Kathrin Schneider die geplanten Einschränkungen der Bahnhaltestellen in den Landkreisen Spree-Neiße und Oberspreewald-Lausitz auf einer Bürgerversammlung in Raddusch. Dazu erklären der Vorsitzende der Brandenburger Bündnisgrünen Clemens Rostock sowie die Sprecher der bündnisgrünen Kreisverbände Andreas Rieger (Dahme-Spreewald), Stefan Schön (Oberspreewald-Lausitz) und Wolfgang Renner (Spree-Neiße):

Clemens Rostock: "Es ist nicht hinnehmbar, dass zum Ausbau des Fernverkehrs wieder der Nahverkehr zur Ader gelassen wird. Durch die Schließung der Bahnhalte Raddusch, Kolkwitz und Kunersdorf werden ganze Landstriche abgekoppelt. Die Fahrgäste, die damit aus dem Zugverkehr gedrängt werden, sind nur schwer zurückzugewinnen. Dieses Agieren der Bundes- und Landesebene ist letztlich Ausdruck ihrer Planlosigkeit in der Bahnpolitik.

Infrastrukturministerin Kathrin Schneider muss ausbaden, was ihr ihre Vorgänger eingebrockt haben. Wir erwarten aber, dass sie sich einer anderen Politik verschreibt. Die Ministerin soll bis 14. April die Haltepunkte wie bisher anmelden und sich für alle Brandenburgerinnen und Brandenburger einsetzen."

Statt erst einen Wunschfahrplan zu entwickeln und die Infrastruktur danach auszubauen, wird in Deutschland und Brandenburg oft umgekehrt vorgegangen. Das Ergebnis sind dann Fahrtzeitverkürzungen auf Punkt-zu-Punkt-Verbindungen. Von diesen profitieren aber nur wenige, da oft die weiteren Anschlüsse nicht stimmen. Durch den Wegfall kleinerer Start- und Zielbahnhöfe verliert der Fernverkehr aber auch Fahrgäste aus diesen Orten.

"Besonders ärgerlich daran ist, dass solche Kollateralschäden vorhersehbar sind, die Landesregierung aber immer wieder überrascht wirkt und hektisch reagiert. Dabei hat unsere Landtagsfraktion bereits letztes Jahr ein ÖPNV-Gutachten für einen leistungsfähigen Nahverkehr erstellt. Außerdem ist unser Landtagsabgeordneter Michael Jungclaus momentan auf Bahnhofstour*, um über die Potentiale der nachfrageschwachen Bahnhöfe mit den BürgerInnen zu diskutieren", schließt Rostock.

Andreas Rieger, Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen im Landkreis Dahme-Spreewald ergänzt: "Wir freuen uns, dass der Bahnhalt Brand nach dem Fahrplanwechsel erhalten bleibt. Dies war aber wegen der Erneuerung der Dresdner Bahn und aufgrund der Fahrgastzahlen von vornherein klar. Hier hat man dem Landrat ein Wahlkampfgeschenk gemacht. Die Verspätungen werden ausgelöst durch gravierende Probleme in der Linien- und Fahrplanstruktur und nicht durch die Anzahl der Haltepunkte. Daher fordern wir, dass die Probleme auch da gelöst werden, wo sie wirklich entstehen."

"Es ist ein Trauerspiel, wie der ländliche Raum zugunsten von Hochgeschwindigkeitsverkehr abgehängt wird. Die ganze Region fühlt sich vernachlässigt und aufgegeben. Pendler werden in ihrer Flexibilität eingeschränkt und könnten wieder ins Auto wechseln", kritisiert der Sprecher des bündnisgrünen Kreisverbands Oberspreewald-Lausitz, Stefan Schön.

"Zwar sind Kolkwitz und Kunersdorf keine Touristenmagnete wie das Tropical Island, aber der Nahverkehr ist schließlich für alle Bürger da, schließt Sprecher im Spree-Neiße-Kreis, Wolfgang Renner. "Ein weiterer Beweis für die Vernachlässigung des ländlichen Raums durch die rot-rote Landesregierung."

Quelle: BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Kreisverband Spree-Neiße