Tourismusmobilität Berlin-Brandenburg im Wandel

Tourismusmobilität im Wandel

Studie zum Ausflugsverhalten der Berliner nach Brandenburg vorgestellt

92,3 Millionen Tagesreisen werden pro Jahr nach Brandenburg gemacht. Fast die Hälfte der Tagesgäste (44,4 Millionen) kommt aus Berlin. Die Hauptstadt ist für Brandenburg ein riesiger touristischer Markt, der sich lohnt einmal genauer unter die Lupe genommen zu werden. Am Freitag, dem 6. März 2015, wurde auf der Internationalen Tourismusbörse in Berlin die Studie zum "Ausflugs- und Mobilitätsverhalten der Berliner Bevölkerung im Freizeit- und Urlaubsverkehr im Land Brandenburg" vorgestellt, die neben dem Reiseverhalten der Hauptstädter auch ihr Mobilitätsverhalten erfragt hat und Empfehlungen gibt, wie Mobilität in Zukunft organisiert sein muss, damit der Tourismus in Brandenburg auch weiterhin so stark vom großen Besucherpotenzial aus Berlin profitieren kann.

Für die Studie hat die touristische Unternehmensberatung dwif Consulting im Herbst 2014 mehr als 1.200 Berlinerinnen und Berliner telefonisch befragt und Expertengespräche geführt. Auftraggeber sind das Clustermanagement Tourismus der TMB Tourismus-Marketing Brandenburg GmbH in Kooperation mit der VBB Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg GmbH und der Arbeitsgemeinschaft der Industrie- und Handelskammern des Landes Brandenburg.

Die Wichtigsten Ergebnisse der Studie

Warum fahren die Gäste nach Brandenburg?

89 Prozent der Berlinerinnen und Berliner unternehmen Reisen nach Brandenburg. 84 Prozent der Gäste aus Berlin fahren wegen der Landschaft, Natur und der Ruhe nach Brandenburg. Für 61 Prozent sind die Bademöglichkeiten im Umland Anlass des Ausflugs. 56 Prozent der Gäste interessieren sich besonders für die Sehenswürdigkeiten und immerhin 49 Prozent geben die Kulinarik als wichtiges Motiv an.

Wie steht es um die Erreichbarkeit der Ausflugsziele?

Die besucherstärksten Ausflugsziele in Brandenburg sind von Berlin aus in weniger als zwei Stunden zu erreichen. 40 Prozent davon können sogar in weniger als einer Stunde und weitere 40 Prozent in einer bis eineinhalb Stunden erreicht werden. Die Ziele im Norden Brandenburgs sind von der Hauptstadt aus in der Regel schneller mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar als mit dem PKW. Zu den Zielen im Süden des Landes ist der PKW häufig das schnellere Verkehrsmittel. In 77 Prozent der Fälle ist der ÖPNV schneller oder mindestens genauso schnell wie der PKW.

Wahl des Verkehrsmittels

Nur knapp 60 Prozent der Haushalte in der Bundeshauptstadt verfügen über einen eigenen PKW. Beim Anteil der autofreien Haushalte liegt Berlin im deutschlandweiten Vergleich weit vorn. Daher verwundert es nicht, dass die Gäste aus Berlin auch überdurchschnittlich häufig den ÖPNV für ihre Ausflüge nach Brandenburg nutzen - entweder als einzige Anreiseform (21 Prozent) oder in Kombination mit anderen Verkehrsträgern wie dem Fahrrad oder dem PKW (34 Prozent). 43 Prozent der Gäste aus der Metropole nutzen den PKW für die Anreise zu ihrem Ausflugziel. Selbst überzeugte Autofahrer, die sich in der Befragung vehement gegen eine Nutzung des ÖPNV aussprechen, sind für alternative Mobilitätsangebote wie Fahrräder oder Shuttledienste durchaus aufgeschlossen. Die Berlinerinnen und Berliner zeigen dabei eine realistische Zahlungsbereitschaft für Komfort und Flexibilität. Auch ein gewisser "Innovationsaufschlag" für neuartige Angebote/Technologien wie zum Beispiel Elektromobilität ist erkennbar.

Das Potenzial für den Ausflugsverkehr ohne Auto ist im Berliner Quellmarkt sehr hoch. Das gute öffentliche Verkehrsnetz und die weiteren Mobilitätsangebote in Berlin, an die die Einwohner gewöhnt sind, sind der Maßstab. Gerne möchte man auch bei Ausflügen oder Reisen auf diesen Standard zurückgreifen.

Was bedeutet dies für Brandenburg?

Gerade für die ländlichen Regionen ist dies eine große Herausforderung. Im Gegensatz zu den Ballungsräumen werden die öffentlichen Verkehrsnetze hier eher zurück- als ausgebaut, weil aufgrund der demographischen Entwicklung keine ausreichende Grundauslastung durch die eigene Bevölkerung gewährleistet werden kann. Doch nur attraktive Verbindungen sorgen für eine intensivere touristische Nutzung und können auch dann wieder zum Erhalt von Strecken beitragen. Die Ansprüche an Faktoren wie Komfort und Schnelligkeit für die Anreise werden weiter steigen. Um weitere Potenziale erschließen zu können und um keine Gäste zu verlieren, braucht es gute Ideen. Brandenburg steht insbesondere vor der Herausforderung die touristischen Mobilitätsangebote noch besser zu vernetzen.

Erste Ansätze wohin die Reise gehen kann, sind bereits zu finden: Von der Bahn aufs Rad: An einigen Bahnhöfen wie in Chorin, Lübbenau und neuerdings auch in Brandenburg an der Havel ist der Fahrradverleih direkt im Bahnhof untergebracht. In Potsdam reisen die Gäste mit der S-Bahn an, steigen aufs Fahrrad und legen mit ihrem Fahrrad Wegstrecken mit dem Wassertaxi zurück.

Entwicklung alternativer Lösungen für ländliche Regionen: Touristische Ringbuslinien wie es sie bereits mit dem Uckermarkshuttle und dem Burgenbus im Fläming gibt, verbinden Städte, Dörfer und touristische Highlights. Sammeltaxis, Shuttles und Car-Sharing sind weitere Ansätze, die derzeit bereits ausprobiert werden.
Die Gäste sind dank mobilem Internet auch unterwegs immer besser informiert. Der Planungsaufwand für einen Ausflug oder eine Reise wird dadurch geringer, man ist flexibler. Mit Hilfe von Apps werden ganze Touren von der morgendlichen Abfahrt bis zur Ankunft am Abend an der eigenen Haustüre sichtbar und planbar.

Mit den Apps von TMB und des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg VBB kann man schon heute ein Routing von und zwischen beliebigen Punkten in Brandenburg mit dem Auto, den Öffentlichen Verkehrsmitteln, zu Fuß oder dem Fahrrad erstellen. Die Studie zeigt aber auch: Hier sind weitere Entwicklungen nötig, um entspannte Ausflüge nach Brandenburg anzuregen und zu motivieren, neue Ziele zu entdecken.

Quelle: TMB Tourismus-Marketing Brandenburg GmbH www.reiseland-brandenburg.de