Offen zur Tötung von Braunkohlekritikern aufgerufen

LR online

Aufruf zur Tötung von Braunkohlegegnern in Kommentaren auf der Internetseite der Lausitzer Rundschau

In Online-Kommentaren der Lausitzer Rundschau werden Braunkohlekritiker seit längerer Zeit massiv und oft unsachlich verunglimpft. Meist geschieht das aus dem Deckmantel der Anonymität heraus. Auf fachliche Diskussionen wird sich von den Braunkohlebefürwortern meist nicht eingelassen, so dass ein ernsthafter Austausch nicht stattfinden kann.

Eine neue Qualität von Kommentaren durfte man zu dem Artikel "Vattenfall fordert von Greenpeace über 20 000 Euro" vom 03. März 2015, 17:08 Uhr erleben. Hier wird deutlich die Grenze der Meinungsfreiheit überschritten, wenn offen zur Tötung von Braunkohlekritikern aufgerufen wird. Trotzdem ist die Redaktion der Lausitzer Rundschau auch am nächsten Tag noch nicht eingeschritten (Stand: 4. März 13.00 Uhr) Im Gegenteil. In der Online-Ausgabe wurde der Artikel mit den mittlerweile 22 Kommentaren auf die Titelseite zusammen mit einem etwas längeren Bericht über die Gerichtsverhandlung präsentiert. Entgegen den Gepflogenheiten der Online-Ausgabe der Zeitung befindet dieser Artikel nicht hinter der "Bezahlschranke", sondern wird allen Lesern frei zugänglich gemacht. Die Lausitzer Rundschau hat im Monat fast eine Viertel Million Online-Leser (vgl. Mediadaten-Online: 248.018 Nutzer)

In den Kommentaren ruft beispielsweise der User "Einervonhier" dazu auf, Lokführer sollen doch die Braunkohlekritiker überfahren.

"Wenn sich der Kohlezug der Stelle nähert wo sich Leute an die Schienen gekettet haben, da sucht zufällig der Zugführer sein Frühstücksbrot in der Brotdose und übersieht zufällig, dass da ein Hindernis auf den Schienen liegt. Kleiner Nebeneffekt, dass Hindernis wird von den Schienen geschoben. Es werden sich die Grünen dann überlegen, ob sie sich dann noch auf die Schienen legen, wenn sie wissen sie werden danach zusammengekehrt und in einem schwarzen Sack abtransportiert" (Einervonhier)

Vor dem Hintergrund des Mordes an den russischen Kremlkritiker Boris Nemzow ist es besonders verwerflich wenn, der User „JudgeDread" russische Verhältnisse in Deutschland fordert und sich die Inhaftierung in Gulags wünscht.

"... Alternativ gibt es noch die putinsche Vorgehensweise. Sehr effizient wahrscheinlich, oder hat da schon mal jemand wieder etwas von der Erdölplattform oder einer Besetzung derselbigen gehört? Die Androhung des GULAG wirkt Wunder..." (JudgeDread)

(Anmerkung: Gulag bezeichnet ein umfassendes Repressionssystem in der Sowjetunion. Es bestand aus Zwangsarbeitslagern, Straflagern, Gefängnissen und Verbannungs­orten. Sie dienten der Unterdrückung politischer Gegner, der Ausbeutung durch Zwangsarbeit und der Internierung von Kriegsgefangenen. Das Lagersystem stellte ein wesentliches Element der stalinistischen Herrschaft dar. vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Gulag)

Der Kommentator "Muschelchen" fordert indes, die Braunkohlekritiker mit Triebwerken von russischen Kampfjets zu vertreiben.

"Vor Jahrzehnten gab es im Tgb. Greifenhain eine Eigenbaukonstruktion zum Freiblasen der Weichen im Winter, war ein auf einen Plattenwagen montiertes Mig 15 Triebwerk........-grins-..." (Muschelchen)

Wenn man verfolgt, wie Leserkommentare auf der Rundschau-Seite seit Monaten verbreitet werden, wäre dies in anderen Zusammenhängen längst unter der Bezeichnung Hassprediger geächtet sein. Oft wird der Vorwurf laut, dass Kohlekritiker den sozialen Frieden in der Lausitz gefährden. Es sind jedoch Kommentare wie diese, die den Boden für Attentate bereiten. Bereits im Jahr 2013 gab es Bombenanschläge gegen Braunkohlekritiker in Sachsen, bei denen zum Glück "nur" Sachschaden entstanden ist. Erst als das Landeskriminalamt eingeschaltet wurde, ebbte die Anschlagserie ab. Siehe hier: "Oberlausitz: Anschlagserie auf Tagebau-Kritiker geht weiter - Bündnis wendet sich an das LKA" http://www.kein-weiteres-dorf.de/presse/62-oberlausitz-anschlagserie-auf-tagebau-kritiker-geht-weiter-buendnis-wendet-sich-an-das-lka

Update 4. März 18.08 Uhr: Alle Kommentare, auch die harmloserer Natur, wurden gelöscht.

Autor: Hannelore Wodtke