Bauernbund Brandenburg zur Diskussion um Massentierhaltung

Massentierhaltung in Brandenburg

Position des Bauernbundes in der Diskussion um Massentierhaltung in Brandenburg

Zur Diskussion über Massentierhaltung in Brandenburg gibt es zwei Aspekte, die gern durcheinandergebracht werden: Die Frage nach dem Tierwohl und die Frage nach der Agrarstruktur.

Das Thema Tierwohl führt unserer Meinung nach in die Irre: Selbsternannte Tierschützer wollen uns vorschreiben, wie wir die Tiere zu halten haben und haben dabei oftmals sehr praxisferne Vorstellungen. Der Bauernverband nimmt diesen Ball dankbar auf, um dann zu behaupten, Tierwohl hätte nichts mit der Größe der Ställe zu tun, größere Ställe seien im Gegenteil häufig besonders tiergerecht.

Wir vertreten dazu eine grundsätzlich andere Auffassung: Das Tierwohl sollte bitte dem Bauern überlassen werden, der die Tiere hält. Der Bauer will Leistung von seinen Tieren - also wird er dafür sorgen, dass sie sich so wohl fühlen, dass sie diese Leistung bringen. Wenn der Verbraucher mehr Tierwohl will, kann er dafür Geld ausgeben. Es gibt gut eingeführte Siegel von den ökologischen Anbauverbänden und von Neuland, die besonders hohe und zugleich praxistaugliche Anforderungen an die Tierhaltung stellen. Aus unserer Sicht ist deshalb hier alles in Ordung und es gibt keinen Handlungsbedarf.

Beim Thema Agrarstruktur stellen wir allerdings mit Sorge fest, dass in Brandenburg immer mehr überdimensionierte Tierproduktionsanlagen entstehen, die von der Bevölkerung nicht akzeptiert werden und zwar von ganz normalen Dorfbewohnern, die sie nicht in ihrer Nachbarschaft haben wollen. Auch wir sehen diese gigantischen Anlagen kritisch, weil sie die Agrarstruktur negativ verändern.

Wir vertreten daher die Auffassung, dass das baurechtliche Privileg für die Landwirtschaft, Ställe im Außenbereich zu bauen, auf Bauvorhaben beschränkt werden sollte, die unterhalb der Grenzen für die verpflichtende Umweltverträglichkeitsprüfung liegen. Und zwar unabhängig davon, ob die Betreiber gewerblich oder landwirtschaftlich sind. Anträge für größere Tierproduktionsanlagen dagegen sollten grundsätzlich über die Bauleitplanung der Gemeinde entschieden werden. Für Altanlagen sollte es Bestandsschutz geben.

An die Landesregierung und den Bauernverband folgende weiterführende Gedanken: Wenn wir uns grundsätzlich einig sind, dass wir aus fachlichen landwirtschaftlichen Gründen mehr Tierhaltung in Brandenburg wollen, dann führt die bisher von Ihnen verfolgte Politik strategisch in eine Sackgasse: Einerseits spaltet sie den Berufsstand in Tierwohl-Bauern und Nicht-Tierwohl-Bauern. Andererseits stärkt sie die selbsternannten Tierschützer, indem diese die Dorfbewohner aus der Nachbarschaft überdimensionierter Tierproduktionsanlagen als Verbündete gewinnen. Ein strategisches Desaster!

An die Volksinitiative auch noch was zum Weiterdenken: Neue, höhere Anforderungen an die Tierproduktion kosten Geld und haben in ihrer Wirkung bislang immer den Strukturwandel angeheizt, d. h. kleinere Tierhalter zum Aufgeben gezwungen. Ich sage nur Qualitätsmangagement, Nachverfolgbarkeit, Güllelagerkapazität, Anbindeverbot usw. Wollen Sie das wirklich? Und die neuen Tierwohlsiegel, die sich die Agrarindustrie dann ausdenkt, schwächen das klare Marktprofil der bestehenden Siegel. Genauso wie damals "aus kontrolliertem Anbau". Noch
mehr Verwirrung beim Verbraucher!

Fazit aus Sicht der bäuerlichen Tierhalter

Wir fordern die Landesregierung auf

  1. im Bundesrat aktiv zu werden, um eine entsprechende Änderung des Baugesetzbuches auf den Weg zu bringen
  2. ihre Investitionsförderung auf Bauvorhaben unterhalb der Grenzen für die verpflichtende Umweltverträglichkeitsprüfung zu beschränken statt irgendwelche Tierwohlanforderungen zu stellen.

Und wir schlagen der Volksinitiative vor, sich auf diese beiden sinnvollen und ganz konkret umsetzbaren Ziele zu beschränken, um damit tatsächlich eine breites gesellschaftliches Bündnis für bäuerliche Tierhaltung in Brandenburg zu ermöglichen.

Quelle: Bauernbund Brandenburg