Braunkohleabbau gefährdet Berliner Gewässerqualität und Trinkwasserversorgung

Sulfat-Belastung steigt in Berliner Gewässern mit Folgen für die Gewässerqualität und Trinkwasserversorgung

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND Berlin) fordert vom Berliner Senat Maßnahmen, um die Qualität des Berliner Trinkwassers vor steigenden Sulfatwerten zu sichern. Der Braunkohleabbau in der Lausitz ist Hauptverursacher für den Anstieg der Sulfat-Konzentration. Schon seit 1996 steigen diese in der Dahme, Müggelspree und Stadtspree an.

Im Frühjahr 2014 wurde eine Sulfatbelastung von 244 mg/l in der Spree gemessen, damit kann unter bestimmten Bedingungen schon 2015 der Grenzwert von 250 Milligramm Sulfat je Liter in der Berliner Spree überschritten werden. Vor diesem Hintergrund ist es nicht akzeptabel, dass der Berliner Senat stillschweigend die Erschließung neuer Tagebaue in Brandenburg und Sachsen akzeptiert.

Dies sind zunächst nur einzelne Spitzenwerte, aber nach der Trendberechnung des BUND ist spätestens 2020 mit einem Durchschnittswert von 210 mg/l zu rechnen. Damit steht fest, dass die Gewässerqualität der Spree als Grundlage für die Rohwasseraufbereitung zur Trinkwasserherstellung langfristig nicht ausreichen wird. Berlin deckt seinen Trinkwasserbedarf zu 70 Prozent mit Uferfiltrat aus Havel und Spree.

Der Grenzwert von 250 mg/l gilt für Trinkwasser. Zu viel Sulfat im Trinkwasser führt zu Durchfall und Erbrechen. Dem kann durch Vermischung mit weniger belastetem Trinkwasser entgegen gewirkt werden. Mittel- bis langfristig hätte die Überschreitung der Grenzwerte zunächst Folgen für das Wasserwerk Friedrichshagen. Dort müsste dann im Extremfall der Betrieb eingestellt werden. Andere Wasserwerke müssten mehr Trinkwasser fördern, was zur verstärkten Grundwasserabsenkung führt mit der Folge, dass wertvolle Feuchtgebiete und Moore austrocknen.

Zusätzlich fördert Sulfat Gebäude- und Wasserleitungsschäden bedingt durch Betonfraß, die zu steigendem Unterhaltungskosten führen. Und auch die technische Sulfat-Reduzierung bei der Trinkwasseraufbereitung führt zu Mehrkosten, die letztlich die Endverbraucher tragen müssen.

Winfried Lücking, Leiter Gewässerpolitik: "Der Senat hat bisher die Augen vor diesem Problem verschlossen. Wenn er sich auf den G.E.O.S.-Bericht beruft, ist er ganz schlecht beraten. Er beruht auf sehr grobe Parameter, arbeitet mit Annahmen und hat die neuen Tagebaue nicht berücksichtigt. Letztendlich trägt der Senat die Verantwortung dafür, dass frühzeitig Maßnahmen ergriffen werden. Als erstes muss er die Konsequenzen bei weiterhin steigendem Sulfatgehalt in der Spree für die Infrastruktur und Kosten der Trinkwasseraufbereitung feststellen und dann dafür sorgen, dass der Verursacher Vattenfall oder dessen Nachfolger die Kosten übernimmt und nicht den Endverbrauchern aufgebürdet werden. Um die Berliner Trinkwasserversorgung bei gleichbleibender Qualität und Kosten langfristig zu sichern, muss aus dem Braunkohletagebau ausgestiegen werden. Zusätzliche Tagebaue dürfen schon gar nicht ohne Widerspruch der Berliner Verantwortlichen genehmigt werden."

Konkret fordert der BUND vom Senat Folgendes:

  • Die Konsequenzen bei weiterhin steigendem Sulfatgehalt in der Spree für die Infrastruktur und Kosten der Trinkwasseraufbereitung müssen festgestellt werden.
  • Es muss sichergestellt werden, dass die Kosten der Trinkwassergewinnung nach dem Verursacherprinzip auch bei Verkauf der Braunkohletagebaue durch Vattenfall oder Nachfolger gedeckt werden.
  • Das Land Berlin muss sich für den Ausstieg aus dem Braunkohletagebau einsetzen, um den Sulfateintrag dauerhaft zu reduzieren.
  • Berlin muss die EU-Wasserrahmenrichtlinie beachten, die eine Verschlechterung der Gewässerqualität untersagt.

Quellen:

  • Sulfat-Monitoring der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt
  • G.E.O.S. Bericht: "Durchführung von speziellen Untersuchungen bezüglich Sulfat im brandenburgischen Einzugsgebiet der Spree unter den Bedingungen des Sanierungs- und aktiven Bergbaus" 2009

Internet: Grafiken zu Trendberechnung Sulfat-Monitoring (5 Seiten) (PDF)

Quelle: PM BUND für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Berlin e.V.