Filmfestival Cottbus: Gehen oder bleiben?

"Heimat | Domownja" wirft einen Blick auf die Region im Wandel

Im letzten Jahr als Programmreihe erfolgreich gestartet, bietet "Heimat | Domownja" zukünftig als neue Sektion des Filmfestivals Cottbus dem regionalen und sorbischen/wendischen Filmschaffen ein ständiges Zuhause. In fünf Filmprogrammen bietet die Kuratorin Dr. Grit Lemke Einblicke in Themen, die die Brandenburger Heimat und ihre Bewohner bewegen.

Gehen oder bleiben, das ist eine Frage, die immer mit dem Begriff Heimat einhergeht, nicht zuletzt, wenn man mit deren potenziellen Verlust konfrontiert wird und sich dadurch gezwungenermaßen dieser Wahl stellen muss. Die Lausitz ist hierbei ein ganz besonderes Beispiel, was sich in der wiederkehrenden Thematisierung des Heimatverlustes im regionalen Filmschaffen wiederspiegelt: So folgt der spannungsgeladene Dokumentarfilm "Brückenjahre" (Deutschland 2014) von Peter Benedix dem verzweifelten Kampf dreier Dörfer gegen einen Energieriesen, dessen Kohletagebau für jene eine existenzielle Bedrohung darstellt. Doch ist das Thema kein neues, beschäftigten sich doch schon Filmemacher in den 1980er-Jahren mit genau derselben Problematik; wie zum Beispiel der kürzlich verstorbene Peter Rocha: In Gedenken an den sorbischen Filmemacher wird sein Kurzfilm "Hochwaldmärchen" (DDR 1987) zu sehen sein. Neben Rocha wird eine weitere sorbische Künstlerin mit einer eigenen Werkschau geehrt: Maja Nagel, die sowohl als bildende Künstlerin als auch als Filmemacherin tätig ist, reflektiert in ihrem Werk neben der Beziehung zwischen Individuum und Gemeinschaft auch die Veränderung und Zerstörung von Natur und Landschaft, die gleichbedeutend mit dem Verschwinden des Lebensraumes für ihre Sprache und Kultur ist.

Mit diesem Verlust beschäftigt sich ebenfalls Konrad Herrmanns "Rublak - Die Legende vom vermessenen Land" (DDR 1983). Beim 24. Filmfestival Cottbus wird sein Film - 31 Jahre nach seiner Erstaufführung - nun als rekonstruierte unzensierte Fassung zu sehen sein und zwar gemeinsam mit der Kurzdokumentation "Rublak kehrt zurück". Mit "Struga - Bilder einer Landschaft" wird im Rahmen des Specials "60 Jahre HFF" noch ein weiterer Film Konrad Herrmanns auf die Leinwand gebannt. Basierend auf dem gleichnamigen Gedichtzyklus des sorbischen Poeten Kito Lorenc schlug der Absolvent der heutigen Filmuniversität Babelsberg "Konrad Wolf" mit Bildern und Schnittrhythmus eine Brücke zwischen Text und Film.

Die Verbindung zwischen Heimat und der eigenen Identität knüpft die TV-Doku- Serie "Die Ostdeutschen". Das Projekt des RBB, credo:film, der Berliner Zeitung und des Christoph-Links-Verlags begibt sich auf die Spurensuche nach der "ostdeutschen Identität". Im Rahmen des Filmfestivals Cottbus wird eine Auswahl von sechs Kurzbiografien zu sehen sein, bei der sich alles um Brandenburger Geschichten und Schicksale drehen wird. Was tun, wenn einem die Heimat keine Perspektive bietet? Mit dieser Frage beschäftigten sich Studierende der dffb und der Filmuniversität Babelsberg und setzten sie in Bilder um, wie zum Beispiel Övünç Güvenisik, der in "Kral" (Deutschland 2013) die Heimatverbundenheit eines jungen Mannes thematisiert.

Passend zur Sektion "Heimat | Domownja" heißt es im Festivalrahmenprogramm am kommenden Freitag, 7. November, ab 22:00 Uhr "Luzyca rocks" - "Die Lausitz rockt!" Gleich drei verschiedene Bands, Berlinska Dróha, Corna Kruswa und DeyziDoxs, setzen mit ihren unterschiedlichen Musikstilen von Folk über Hardcore bis hin zu Death Metal ein eindeutiges Zeichen für die Lebendigkeit der sorbischen Sprachkultur.

Quelle: PM Stadt Cottbus