Sulfatbelastung des Frankfurter Trinkwassers

Sulfat in der Spree als Folge des Bergbaus in der Lausitz

Sulfatproblematik der Spree und des Frankfurter Trinkwassers als Folge des Braunkohleabbaus in der Lausitz

Wegen steigender Sulfatbelastung als langfristige Folge des Braunkohleabbaus in der Lausitz muss im Landkreis Oder-Spree das erste Wasserwerke seine Trinkwassergewinnung umstellen. Am Rande des Informationsbesuches von Anton Hofreiter, Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag und von weiteren bündnisgrünen Abgeordneten im Wasserwerk Briesen (Oder-Spree) am letzten Donnerstag äußerte der Geschäftsführer der Frankfurter Wasser- und Abwassergesellschaft mbH (FWA) Gerd Weber, dass sich eine Lösung für die Sulfatproblematik am Wasserwerk Briesen abzeichnen könnte. Es gebe belastbare Hinweise auf ausreichende Grundwasservorkommen mit einer guten Qualität in der Nähe des Wasserwerkes, die nun untersucht werden sollen und es der FWA ermöglichen könnten, bei der Trinkwasseraufbereitung künftig komplett auf sulfatbelastetes Spreewasser zu verzichten. Die zuständigen Behörden und die FWA sind nun endlich in konkreten und konstruktiven Gesprächen zur Lösung des Sulfatproblematik der FWA. Damit könnte die Gefahr für das Frankfurter Trinkwasser aufgrund der erwartbar weiter steigenden Sulfatwerte in der Spree gebannt werden.

"Trotz der vorrausichtlich gebannten Gefahr für die Trinkwasserbelastung in Frankfurt (Oder) bleibt das Problem der Sulfatbelastung bestehen", warnte die Kreissprecherin der Bündnisgrünen Oder-Spree Daniela Setton: "Neue Grundwasservorkommen lassen sich nicht beliebig entdecken". Es ist davon auszugehen, dass die Sulfatbelastung der Spree in den nächsten Jahren etwa bis 2015 auf mehr als 130 000 t/a anwachsen wird, heißt es aus dem sächsischen Regierungspräsidium in Dresden. Der Grenzwert von Sulfat im Trinkwasser beträgt 250 mg/l. Sulfat ist sehr reaktionsträge und wird im Fließgewässer sehr weit verfrachtet. Beim längerfristigen Genuss von sehr sulfatreichem Wasser können Störungen im Verdauungssystem des Menschen auftreten. Weiterhin kann Sulfat vor allem ältere Betonbauwerke, wie z.B. Brücken, schädigen. Höhere Sulfatgehalte können zudem zu verstärktem Algenwachstum in Seen führen. "Über kurz oder lang wird das Sulfat der Spree auch die Grundwasserleiter erreichen. Wann kann derzeit niemand sagen", so Sabine Niels, Landtagsabgeordnete und Fraktionsvorsitzende der Kreistagsfraktion von Bündnis 90/ Die Grünen & Piraten Oder-Spree. Niels kündigte an, die Sulfatbelastung im Kreistag zu thematisieren. Grundsätzlich sprechen sich die Bündnisgrünen dafür aus, nicht nur die Symptome zu bekämpfen, sondern an die Ursachen ranzugehen: "Wenn die Brandenburger Landesregierung den Kampf gegen die Sulfatbelastung ernst nehmen würde, dürfen keine neuen Tagebaue mehr genehmigt werden", forderten Setton und Niels.

Dennoch betrachten die Bündnisgrünen die anvisierte Lösung am Wasserwerk Briesen als ersten Erfolg. Der Stadtverordnete und Fraktionsvorsitzende der Frankfurter Bündnisgrünen, Jörg Gleisenstein, erklärt dazu: "Wir freuen uns sehr, dass unser intensiver Einsatz in den letzten Monaten, die Landes- und Bundesbehörden für die steigenden Sulfatwerte im Spreewasser und somit für die Gefährdung des Frankfurter Trinkwassers zu sensibilisieren, erfolgreich war. Die FWA hat mit den Nebenwirkungen des aktiven Braunkohletagebaues und den Spätfolgen der Alttagebaue vor Herausforderungen gestanden, die sie allein nicht lösen kann. Unsere bündnisgrünen Anfragen im Brandenburger Landtag, im Bundestag und im Berliner Abgeordnetenhaus haben die Behörden und Vattenfall endlich so unter Druck gesetzt, dass sie nicht mehr die Augen vor dem Problem verschließen und jetzt offensichtlich Verantwortung übernehmen wollen. Die Millioneninvestitionen am Wasserwerk Briesen, aber auch die erhöhten Betriebskosten, die entstehen, wenn die FWA künftig ihre Trinkwassergewinnung verändern muss, dürfen auf keinen Fall von den FrankfurterInnen über erhöhte Wasserpreise getragen werden."

Download "Sulfat in der Spree" (Regierungspräsidium Dresden /Umweltfachbereich Bautzen)

Hintergrundinformationen

  • Technologie der Trinkwasser-Bereitstellung: 55%. Oberflächenwasserentnahme aus der Spree, natürliche Filterung durch Sickerbecken, 45% Grundwasserentnahme
  • Herausforderung bei der Trinkwasser-Aufbereitung: eine steigende Sulfatkonzentration im Rohwasser (Spreewasser) hat eine steigende Sulfatkonzentration im Reinwasser (Trinkwasser) zur Folge, da Sulfate sich nicht durch einfache Filter sondern nur durch technologisch sehr aufwendige Verfahren aus dem Wasser entfernen lassen.
  • Sulfat - Grenzwert laut derzeit gültigen Trinkwasser-Verordnung: 250 mg/l, bisherige Tages-Höchstwerte 170-176 mg/l - Seit 2005 zusätzliche Erfassung der Sulfatkonzentration im Rohwasser (Spreewasser) und im Reinwasser (Trinkwasser).
  • Seit 2008 geänderte Bewirtschaftungsweise der Infiltrationsbecken im Wasserwerk Briesen, um eine höhere Verdünnung im Trinkwasser zu erreichen und damit den Sulfatgehalt im Trinkwasser (um ø ca. 100 - 200 mg/l) zu dämpfen.
  • Problem: eine weitere Erhöhung der Sulfatkonzentration in der Spree ist zu erwarten und es gibt auch nur begrenzte Grundwasser-Vorkommen, Kosten für Monitoring, Studien etc.
  • Bisher mögliche Verfahren zur Sulfatbereinigung: Carix - Verfahren (Ionenaustauscherverfahren) oder Nanofiltration (Senkung der Konzentration aller Ionen) mit jeweils sehr hohen Investitionskosten (ca. 10 - 12 Mio.) und steigenden Betriebskosten (um ca. 12 - 20 cent/m3).
  • Ursachen für die Sulfatbelastung in der Spree:
    • Eisenpyrit verwittert in den alten Tagebauhalden zu Eisenhydroxid und Sulfat - mit dem Grundwasserwiederanstieg in den Rekultivierungsgebieten kommen diese in den Wasserkreislauf, o aktiver Braunkohlebergbau im Lausitzer Revier: das beständig abgepumpte Grundwasser ist sulfathaltig und wird in die Spree und andere Fließgewässer eingeleitet.
  • Auswirkungen erhöhter Sulfatkonzentrationen im Trinkwasser:
    • geschmackliche Beeinträchtigungen,
    • Erhöhung der Wasserhärte,
    • Metallkorrosion und Korrosion zementgebundener Werkstoffe (ab 200 mg/l schwach und bei Konzentrationen höher als 500 mg/l Sulfat stark betonschädlich), gusseiserne Rohre grafitieren, Lochfrass bei Stahlrohren, o Laxierende (abführende) Wirkung (WHO: ab 500 mg/l), bei empfindlichen Menschen schon bei geringeren Konzentrationen, o ab 500 mg/l nicht empfohlen für die Zubereitung von Säuglingsnahrung

Quelle: PM Sabine Niels - MdL Brandenburg