Arbeitsgruppe Mobile Oberlausitz gegründet

Alte Oberlausitzer Eisenbahnstrecken, Kombibus nach schwedischem Vorbild und Car-Sharing im Gespräch für die Region

Auf den Oberlausitzer Zukunftstagen vom 21.-24.8.2014 gründete sich die Arbeitsgruppe Mobile Oberlausitz. Deren Köpfe sind Matthias Böhm (Verkehrsplaner, Zittau), Tobias Schlüter (Hochschule Zittau/Görlitz) und Moritz Filter (Görlitz). Im Rahmen einer Werkstatt zur Mobilität in der Oberlausitz wurden erfolgsversprechende Ansätze vorgestellt und mit den Menschen, die teilnahmen, besprochen. Böhm warf dort neben seinem Schwerpunktthema "alternative Bedienformen im ÖPNV" z.B. die Frage auf, wie wir mit unseren alten, ungenutzten Bahnstrecken umgehen. Eine sog. Freistellung von eisenbahnverkehrlicher Nutzung für einen Radweg auf einer geschichtlich sehr bedeutsamen Verkehrsverbindung, die Ostsachen effizient mit dem Osten Europas verbindet und zugleich ein enormes regionales Potential aufweist, bewertet er als wenig zielführend.

Böhm findet: "Die weitgehend stillgelegte Bahnstrecke Oberoderwitz - Herrnhut - Löbau könnte Güterverkehre nach Tschechien aus dem Elbtal aufnehmen. Gleichzeitig hat diese einst als Hauptbahn trassierte Verbindung auch raumordnerische Bedeutung im Personenverkehr als schnelle Anbindung von Zittau an die Oberzentren Bautzen und Dresden, aber auch als regionale Achse zwischen den ehemaligen Kreisstädten Löbau und Zittau."

Mit wenig Geld kann so Nachhaltigkeit und regionale Entwicklung sichergestellt werden: sein Konzept sieht die Nutzung vorhandener Schienenstrecken vor. Bisher geplant sind durch die Landesregierung ca. 3 Mrd. € Kosten für eine neue Verbindung nach Prag. Angesichts der Haushaltslage und katastrophalen Unterfinanzierung des Bundesverkehrswegeplans völlig utopisch.

"Wenn man noch zusätzlich Geld ausgeben will, wäre die Realisierung effektiver Lärmschutzmaßnahmen bei der Reaktivierung der Herrnhuter Bahn sinnvoll", so Böhm.

Weiterhin zur Sprache kam das Thema eines Kombibusses, der wie die früheren Postbusse wichtige Funktionen im ländlichen Raum übernehmen könnte: Personen- und Warentransport für den täglichen Bedarf. Dort, wo es keine Dorfläden mehr gibt, wie neuestens in Großhennersdorf, und die Bevölkerung älter wird, kann dieses Modell vielversprechend sein, wie das schwedische Vorbild beweist. Mittels dieser Kombibusse können z.B. Landwirte, Bäcker, Fleischer, Apotheken ihre Produkte "verteilen", ohne eigene Transportmittel aufwenden zu müssen. An festen Stationen können dann die Menschen entweder ihre Bestellungen/ Produkte abholen und gleichzeitig den Bus nutzen, um mobil zu sein.

In Schweden funktioniert dieses Modell seit Jahren äußerst erfolgreich und würde sich in der Oberlausitz ebenfalls anbieten. Die Idee eines Car-Sharings, was Schlüter einbrachte, ist hingegen für jüngere Menschen reizvoll, wenn man die Nutzungsstatistiken der Mitfahrzentralen und Teil-Auto-Angebote betrachtet. Die Arbeitsgruppe Mobile Oberlausitz wird sich nun regelmäßig treffen, um die Projekte voranzubringen. MitstreiterInnen sind herzlich eingeladen, sich zu melden beim Bündnis Zukunft Oberlausitz (zukunftskonvent@googlemail.com)

Quelle: PM Bündnis Zukunft Oberlausitz und Arbeitsgruppe Mobile Oberlausitz