Wir lassen die Lausitz nicht ausradieren - wir baggern sie ab!

Wir lassen die Lausitz nicht ausradieren - wir baggern sie ab!

Diskussion um Braunkohleabbau spaltet die Lausitz

"Bürger gegen Bürger. Die Braunkohle spaltet die Lausitz" hieß die Sendung, die der Deutschlandfunk am 15.08.2014 ausstahlte. - "Bürger gegen Bürger" stimmt momentan. Die Braunkohle ist aber unschuldig. Die liegt unter der Erde und kann nicht bestimmen, was mit ihr geschieht.

Die Spaltung geht von den Menschen aus: Auf der einen Seite der Konzern Vattenfall, von dem ein paar tausend Arbeitskräfte abhängen. Mit der Lausitzer Kohle, die er kostenlos erhält, macht er beste Profite. So kann er die weltweit größte Baggermaschine und eben auch eine Propagandamaschine betreiben, die ihm erheblichen Einfluss auf die Meinungsbildung in der ganzen Region verschafft.

Auf der anderen Seite stehen diejenigen, die den Ausstieg aus der Kohleverstromung verlangen. Ihre Gründe: Braunkohleverbrennung ist die klimaschädlichste und dreckigste Methode der Stromerzeugung. Zusätzlich macht sie Menschen zu Heimatvertriebenen und hinterlässt nachhaltig zerstörte Landschaften. Das ist heute, wo Strom regenerativ und fast völlig unschädlich erzeugt werden kann, nicht mehr zu vertreten.

Auch die Vattenfall-Seite erkannte die Stichhaltigkeit dieser Argumentation und ergriff daher besondere Maßnahmen, um gegen sie vorzugehen. So entstand vor wenigen Jahren der Verein "Pro Lausitzer Braunkohle e.V.".

Braunkohle: "tragende Rolle für das Gelingen der Energiewende"

Dass dessen Vorsitzender, der pensionierte Richter Rupieper, nach dem Beschluss der Landesregierung für Eröffnung des Tagesbaues Welzow Süd II "den Nutzen der auf Jahrzehnte festgeschriebenen Wertschöpfung aus Lausitzer Braunkohle" begrüßte und sich freut, dass die Kohle auch weltweit "auf dem Vormarsch" sei, ist bei der Zielsetzung des Vereins nicht anders zu erwarten. Bemerkenswert und erstaunlich ist jedoch, dass er der Braunkohle "eine tragende Rolle für das Gelingen der Energiewende" zuspricht! - Und im Interview mit dem Deutschlandfunk erklärt sich Rupieper mit den "klimapolitischen Zielsetzungen vollkommen einverstanden" und möchte, dass sie "eher morgen als übermorgen realisiert werden". Doch die Diskussion müsse "versachlicht" werden, und darunter versteht er, dass ein Zeitrahmen für den Kohleausstieg kein Thema sein kann, denn "wann alles so weit ist mit den erneuerbaren Energien, mit den ganzen Techniken" könne man heute ja gar nicht wissen. - Ob oder wie er zur Erfüllung seines Wunsches nach Realisierung der klimapolitischen Ziele "eher morgen als übermorgen" vielleicht selber etwas beitragen möchte, sagt er nicht - doch - pardon! - sagt er: indem er dafür kämpft, dass die Braunkohle ihre "tragende Rolle für das Gelingen der Energiewende" auch in Zukunft spielen kann! - Das ist also so, wie wenn ich vorhabe, auf ein E-Mobil umzusteigen und der Meinung bin, dass mir dies umso besser gelingt, je länger ich weiterhin mein Benzinauto fahre.

Rupieper beklagt sich des öfteren über mangelnde Berichterstattung seitens der Medien. Dies könnte daran liegen, dass seine Aussagen das Maß an Absurdität und Plumpheit übersteigen, das Journalisten ihrem Publikum zumuten können.

Lausitz = Braunkohle

Darin, dass er die CO2 emittierende Energieerzeugug, die durch die Energiewende beendet werden muss, zu einem tragenden Bestandteil eben dieser Wende umetikettiert, kommt aber auch etwas Absolutistisches, ja Totalitäres, zum Ausdruck: Die Braunkohle als das Dogma, dem sich alles zu unterwerfen hat. Lausitz = Braunkohle. Wer die Braunkohle abschaffen will, "radiert die Lausitz aus". "Wir lassen die Lausitz nicht ausradieren" lautet der Kampfruf derjenigen, die sie abbaggern wollen.

Dass es in der Lausitz auch Gegner der Braunkohleverbrennung gibt, erfährt man aus den Veröffentlichungen des Vereins nur am Rande. Auch hier wird mit Etikettierungen gearbeitet: Zwangsweise Enteignung und Vertreibung vom angestammten Grund und Boden werden zu "sozialverträglichen" und "bewährten Lösungen". - Dass von den Abbaggerungen insbesondere auch Angehörige der sorbischen Kultur betroffen sind, die zu ihrer Ackerscholle eine Verbundenheit haben, die sich die Fans der Braunkohleverbrennung vermutlich nur schwer vorstellen können, wird nicht thematisiert. - Das Verhältnis zu einem gesunden und fruchtbaren Boden als Grundlage unserer Existenz sollte übrigens durchaus nicht als ein Überbleibsel aus vergangenen Epochen betrachtet werden. Der Club of Rome sieht in seiner jüngsten Stellungnahme "Der geplünderte Planet" die Zukunft der menschlichen Zivilisation - sofern es sie denn geben wird - in einer allenfalls von gewissen naturverträglichen Techniken flankierten landwirtschaftlichen Existenzweise.

Ende der Kohleverstromung: entweder durch uns oder durch den Klimawandel

Eins ist sicher: In dieser Welt der Zeitlichkeit wird auch die Braunkohleverstromung nicht ewig existieren. Entweder wird sie infolge des ungebremsten Klimawandels mit Windgeschwindigkeiten von 300, 400 und mehr kmh hinweggefegt wie alles andere, oder wir steigen selbsttätig, intelligent und planvoll aus der CO2-Produktion aus und verhindern damit das Katastrophenszenario.

Der Grund, weshalb momentan eine fossile Energieerzeugung noch nicht total verzichtbar ist, liegt - neben den noch nicht genügend ausgebauten regenerativen Quellen - darin, dass Techniken zum Ausgleich des volatilen Wind- und Sonnenstroms noch nicht genügend installiert sind. Alles Nötige, wie Kurzzeitpufferung durch Batterien und Langzeitspeicherung durch Power to Gas steht bereit und wird zunehmend erprobt und eingesetzt, aber eben noch nicht ausreichend.

Arbeitsplätze durch "Kombi-Kraftwerk"

Ein Beitrag Brandenburgs hierzu könnte ein "Kombi-Kraftwerk" sein: Windkraft, Photovoltaik, Biogasanlagen und Power to Gas werden zum gegenseitigen Ausgleich zusammengeschaltet und können so den Bedarf der Abnehmer über 24 Stunden an 365 Tagen im Jahr decken. - Dies wäre ein Schritt zur "Zukunftsfähigkeit", die auf Grundlage der Braunkohle nur vergeblich beschworen werden kann. Und Arbeitsplätze würden hierbei in weit höherer Zahl entstehen als sie das Braunkohlesystem bietet.

Quelle: Verein Lausitzcamp, Cottbus