700 freien Ausbildungsplätzen - Leider nur die halbe Wahrheit …

Aus Sicht der IG Metall ist Argumentation der IHK/HWK zu den Gründen für die freien Ausbildungsplätzen zu einseitig

IG Metall Cottbus / Südbrandenburg Der Rundfunk Berlin Brandenburg meldet das laut Industrie- und Handelskammer noch rund 700 freien Ausbildungsplätzen vorhanden sind - diese allein in Cottbus. Von Seiten der Handwerkskammer Cottbus wird von 455 freien Ausbildungsplätzen gesprochen.

Als Grund der unbesetzten Ausbildungsplätze wird unter anderen der demografische Wandel und viele Wegzüge aus den Regionen genannt - aber auch der Wunsch vieler Jugendliche, statt einer Ausbildung ein Studium absolvieren zu wollen.

Das ist aber nur die halbe Wahrheit, wenn man genau hinschaut entwickelt sich ein ganz anderes Bild. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit Cottbus führen die folgenden Berufe die TOP 10 der unbesetzten Ausbildungsplätze an:

  • Koch/Köchin
  • Kaufmann/-frau im Einzelhandel
  • Restaurantfachmann/frau
  • Anlagenmech. - Sanitär-/Heiz.-Klimatech.

Diese Ausbildungsberufe gehören zu Branchen wo gute Tarifveträge und Betriebsräte ein Fremdwort sind (dies ist sehr nett formuliert). Als Beispiel in Sanitärhandwerk sind Ausbildungsvergütungen im 1.Lehrjahr um 320€ eher üblich als die Ausnahme. Auch Arbeitszeiten jenseit der 10 h/Tag sind die Regel. Auch die betriebliche Ausbildungsqualität ist an bestimmten Stellen fragwürdig.

Deswegen ist es aus Sicht der IG Metall ist Argumentation der IHK/HWK zu einseitig. Denn Lösungen für diese Dilemma sind aber lange bekannt:

  1. jungen Menschen vom 1. Tag an Perspektiven bieten (Übernahme, Weiterqualifizierung)
  2. Ausbildung nicht als bloße betriebliche Notwendigkeit ansehen
  3. faire Rahmenbedingungen bei der Vergütung ohne das staatliche Zuschüsse nötig sind auch nach der Ausbildung
  4. Sind die Anforderungsprofile die an die jungen Menschen gestellt werden nicht zu hoch/zeitgemäß, denn die Berufsausbildung war und ist immer ein Entwicklungs- und Reifeprozess!
  5. Imageverbesserung des Handwerks/regionalen Wirtschaft funktioniert nicht mit Aufklebern, Plakaten und Werbeclips
  6. Die duale Berufsausbildung sowie die Ausbildung an Hochschulen haben ihren Platz in unserem Bildungssystem.

mehr zur unseren Bildungspositionen: www.revolutionbildung.de

Quelle: PM IG Metall Cottbus / Südbrandenburg