Geoportal Kamenz online

Geoportal Kamenz online

Geoportal Kamenz seit 1. Juli im Internet verfügbar

In einer Stadt wie Kamenz gibt es vielfältige Planungen und Satzungen, die einen eingegrenzten räumlichen Bezug haben und die von einem allgemeinen Interesse für Bürger, Gewerbetreibende und Gäste sind. Bei bestimmten Verfahren wie bei der Aufstellung von Bebauungsplänen werden solche Pläne im Rathaus öffentlich ausgelegt und nach Erlass der Satzung durch den Stadtrat verbleiben die Originalpläne in der Stadtplanung. Die Bürger haben es immer schwer, die Details und die eigene Betroffenheit zu erkennen. Mit dem Geoportal Kamenz besteht das Ziel, die Öffentlichkeit mit umfangreichen Informationen zu versorgen, die über die bisherigen Publikationen auf der Homepage von Kamenz hinausgehen. Eine gesetzliche Verpflichtung für datenhaltende Stellen gibt es dazu in der europäischen Richtlinie "INSPIRE", im Geodatenzugangsgesetz des Bundes und im sächsischen Geodateninfrastrukturgesetz. Die Stadt Kamenz ist auch eine datenhaltende Stelle und folglich zur Bereitstellung solcher Daten gesetzlich verpflichtet. Die Motivation der Stadt Kamenz, ein solches System aufzubauen und der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen, ist darin begründet, dass die heutige zunehmende Verfügbarkeit von modernen Informations- und Kommunikationstechnologien genutzt werden soll, um vielfältige Informationen zu publizieren. Die Gesetze selbst geben dazu den rechtlichen Rahmen.

Wie kam die Stadt Kamenz dazu sich ein eigenes Geoportal zu schaffen?

Einerseits wurden die Gesetzesgrundlagen bekannt und andererseits erhielten wir Informationen, dass Fördermittel für ein solches Portal beantragt werden können. Im Jahr 2012 wurde eine Arbeitsgruppe "Geoportal Kamenz" gebildet und ein Fördermittelantrag gestellt. Die Fördermittel wurden Anfang 2013 bewilligt und die Arbeitsgruppe konnte ihre Arbeit fortsetzen. Es handelt sich hierbei um eine Projektförderung für Maßnahmen "Kommunaler E-Government" im Rahmen des Projektprogramms EFRE - "Europäischer Fonds für regionale Entwicklung". Damit standen über 60.000 EUR für das Projekt "Geoportal Kamenz" zur Verfügung. Das ist eine Förderquote von 75 Prozent. Mit diesem Fördermittelantrag waren noch recht grob die erforderlichen Leistungen bekannt, die zu beauftragen gewesen sind. Es musste nicht nur eine Softwarelösung gefunden werden, um ein solches Portal verfügbar zu haben, sondern vielmehr waren die analogen Planunterlagen zu digitalisieren. Für die Abgabe der Planungsdaten in einer einheitlichen Datenstruktur vereinbarte man die Nutzung des Standards XPlanung. XPlanung reiht sich in eine Reihe von XÖV-Standards der Öffentlichen Verwaltung (auf Basis von XML) ein, die das Ziel eines einheitlichen, verlustfreien Austausches von fachbezogenen Daten haben. Die Bereitstellung der Fördermittel stand unter der Bedingung, dass die Stadt Kamenz bereit ist, diesen Standard bei der Digitalisierung von Planungen zu verwenden.

Was ist XPlanung und wer kann diese Planungsleistung anbieten?

Innerhalb des Projektes "XPlanung" wurde in den Jahren 2004 bis 2007 im Rahmen der E-Government-Initiative Deutschland Online und Media@Komm-Transfer das objektorientierte Datenaustauschformat "XPlanGML" für Bauleitpläne entwickelt. Dieses Format basiert auf den gesetzlichen Vorschriften der Bauleitplanung wie dem Baugesetzbuch (BauGB), der Baunutzungsverordnung (BauNVO) und der Planzeichnungsverordnung (PlanzV).

Was die XPlanung technisch bedeutet, konnten die Arbeitsgruppenmitglieder der Stadtverwaltung nur erahnen. Die Mitarbeiter der Stadtplanung erarbeiteten eine Übersicht aller Bebauungspläne und suchten einen Dienstleister, der die großformatigen Pläne preiswert einscannen konnte. Danach wurde ein gemeinsamer Termin mit Planern geführt, die bisher für die Stadt Kamenz tätig waren. Das "XPlanungs-Format" war unbekannt. Die Planer waren aber bereit, sich die technischen Voraussetzungen dafür zu beschaffen und Schulungen zu absolvieren. Sogenannte Fachschalen kosten pro Arbeitsplatz ca. 8.000 EUR. Der Aufwand für die Umwandlung der Bebauungspläne in dieses Format konnte kaum eingeschätzt werden. Dennoch entstanden verbindliche Angebote für die Stadt Kamenz. Durch die Vereinbarung zur Nutzung des Standards XPlanung erlangten alle Planungsdaten die gleichen Datenstrukturen. Nur so konnte ein verlustfreier Import in die kommunale Geodateninfrastruktur erfolgen. Nun stehen alle Planungen einheitlich in Struktur, Inhalt und Darstellung im Portal 24h zur Verfügung. Aus Sicht der Arbeitsgruppe kann sich der Standard XPlanung nur über einen solchen Weg durchsetzen. Die Planer sollten bereit sein die erforderlichen Anschaffungen zu tätigen und sich zu qualifizieren. Gegenwärtig gibt es im Umfeld von Kamenz drei Planungsbüros, die diese Leistung den Kommunen aber auch anderen Berufskollegen anbieten können.

Die Stadt Kamenz hat einen Beitrag dafür geleistet, dass sich dieses einheitliche Format weiter durchsetzen kann.

Was ist das Geoportal Kamenz und was bietet es?

Die Stadt Kamenz hat sich für ein eigenes Geoportal-System entschieden. Es handelt sich hierbei um eine preisgünstige OpenSource-Software mit Namen "Geoportal Kommune". Die Software ist einfach und selbsterklärend. Das System ist eine Web-Anwendung und läuft über gängige Internetbrowser wie Internetexplorer und Firefox. Das externe Geoportal wird über die Stadthomepage Kamenz.de verlinkt. Die Adresse zum Geoportal der Stadt Kamenz lautet: www.geoportal-kamenz.de

Beim Start des Portals gelangt der Internet-Nutzer auf eine Startseite. Hier kann er Informationen über verschiedene Themen z.B. zu Geodaten und Geodiensten abrufen oder er klickt gleich auf das Symbol "Kartenanwendungen" und gelangt zur Grundkarte. Die Besonderheit bei unserem Portal ist, dass auch die benachbarten Gemeinden zu sehen sind und die Karte hier nicht "weiß" bleibt. Bei der Entwicklung des Portals stand der Vernetzungsgedanke mit anderen Kommunen und Partnern der Stadt im Vordergrund. Jetzt bei der Einrichtung des Portals wurden vielfältige Vernetzungen bereits vollzogen. Es sind zwar noch einige "Kinderkrankheiten" zu überwinden, denn nicht immer funktioniert der Austausch von Sachdaten. Gemeinsam mit unserem Dienstleister und unseren Partnern werden wir weiter daran arbeiten und Lösungen finden. Nicht immer verstehen sich die verschiedenen Systeme.

Das Geoportal Kamenz enthält die Bebauungspläne von Kamenz, geordnet nach Kamenz Stadt und den Ortsteilen. Ferner enthält das Portal sonstige Satzungen mit abgegrenzten räumlichen Geltungsbereichen, sonstige Planungen wie Denkmäler und die Fördergebiete, öffentliche Einrichtungen, die Freiwilligen Örtlichen Feuerwehren, Einrichtungen der

Gesundheitsfürsorge und für Soziales, Straßensperrungen und Umleitungsstrecken, Anlagen der Öffentlichen Beleuchtung, Informationen zur Umwelt und Ökologie, Freizeiteinrichtungen, Einzelhandel und Abfallentsorgung. Im Geoportal kann man Informationen über Schulen, Kindertagesstätten und Verwaltungseinrichtung erhalten. Über die Geobasisdaten kann man die Gemarkungsübersicht, die Flurstückskarte (ALK Inspire), Luftbilder, Berliner Meilenblätter (historische Karten), eine weitere Grundkarte (Top.Sachsen) zuschalten. Zu den verschiedenen Ebenen kann man sich dann noch Sachdaten ansehen. Die Funktionen, die sich nicht selbst erklären, können in einer kurzen und übersichtlichen Beschreibung nachgelesen werden.

Das Geoportal wird auch nach der Freischaltung um weitere Fachinformationen von Zeit zu Zeit ergänzt. Es gibt viele Dinge in einer Stadt, die einen räumlichen Bezug haben und die für Menschen von Interesse sein können. Bisher haben nur wenige Städte ein solches Portal. Dank der gewährten Förderung konnte das Geoportal Kamenz entwickelt und jetzt für die Öffentlichkeit freigeschaltet werden.

Was ist so aufwendig an einem solchen Geoportal?

Der Aufwand entsteht vor allem durch die Digitalisierung der Bauleitpläne. Es ist sehr aufwendig, jedes Detail zu erfassen. Innerhalb der letzten zwanzig Jahre sind viele Bebauungspläne rechtskräftig geworden. Bebauungspläne sind zum Teil sehr große Pläne, die immer wieder angefasst werden und dadurch auch Schaden nehmen können. Mit der Digitalisierung der Plandokumente können diese für immer der Nachwelt erhalten werden. Durch die Einstellung der Pläne in das Geoportal kann man erstmalig diese in einer Grundkarte mit abbilden. Es ist möglich mittels Luftbild die Umgebung und die baulichen Anlagen zu erkennen. Das hilft für Entscheidungsfindungen nicht nur der Verwaltung, sondern auch künftigen Bauherren, Medienträger und anderer Beteiligter. Bei der Bearbeitung neuer Bebauungspläne wird gleich das XPlanungs-Format mit beauftragt. Somit entsteht kein weiterer Aufwand. Der Betrieb des Portals stellt selbst keinen großen Kostenaufwand dar, da hier ein OpenSource-Produkt gewählt wurde, für das nur eine Schutzgebühr anfällt. Für die geplante Einpflege weiterer kommunaler Fachdaten entstehen pro Jahr ca. 5.000 EUR Kosten. Der Mehrwert, den man nicht in Geld bestimmen kann, ist aber wesentlich höher zu bewerten.

Die Stadt Kamenz hatte nach der Ausschreibung des Portals auch wesentlich teurere Produkte angeboten bekommen. Da aber die OpenSource-Software geeignet ist und die gewollten Funktionen erfüllt, wurde sich dafür entschieden. Diese Software wurde für viele Kommunen im Land Brandenburg entwickelt. In Kamenz erfolgt erstmalig in Sachsen die Nachnutzung. Es wäre sehr wünschenswert, wenn sich weitere Gemeinden in Sachsen für ein solches System entscheiden. Man kann bei einer solch preiswerten Lösung kaum einen Fehler machen, denn wenn man später das System wechseln möchte, gibt es kaum Verluste. Entscheidend ist, dass Daten erfasst sind, die nicht verloren gehen und in anderen Systemen auch eingebunden werden können. Welche Systeme sich durchsetzen werden, das wird die Zukunft zeigen.

Quelle: PM der Stadt Kamenz