Freilandsaison bei Erdbeeren startet

Die Erdbeeren sind reif zur Ernte. Selbstgepflückt schmecken sie am besten.  Foto: Buschmann&Winkelmann

Brandenburgs Obstbauern starten in die Freilandsaison bei Erdbeeren

Traditionell nutzt der Landesgartenbauverband Berlin-Brandenburg den Start in die Freilandsaison bei Erdbeeren, um einen seiner Mitgliedsbetriebe in den Mittelpunkt zu rücken. In diesem Jahr ist das Obstgut Franz Müller in Wesendahl Gastgeber des Saisonauftakts. Und anders als der Unternehmensname nahelegt, ist der elterliche Betrieb inzwischen fest in weiblicher Hand: Anke und Cathleen Wollanik, die Geschäftsführerin und ihre Tochter, führen hier, nordöstlich des Berliner Stadtrands, nicht nur einen der erfolgreichsten, sondern auch einen der engagiertesten Brandenburger Obstbaubetriebe, der mit Selbstpflücke, Hoffesten, bei Ausstellungen und als Gastgeber der Brandenburger Landpartie engen Kontakt zu seinen Kunden hält. Am kommenden Donnerstag (22. Mai) überzeugt sich Brandenburgs Staatssekretärin Kathrin Schneider von der Arbeit „des Musterbetriebs in Sachen Betriebsführung, Qualität, Quantität und Hofnachfolge."

Die drei großen Obstanbaugebiete in Brandenburg liegen im Werderaner Raum, im Landkreis Märkisch-Oderland, wozu Wesendahl gehört, sowie in und um Frankfurt (Oder).

Erträge bei und Flächen bei Erdbeeren in Brandenburg

2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013
Tonnen 2.148 1.629 1.285 1.322 1.638 2.173 1.978 2.212 2.189
Hektar 401 423 348 300 283 316 319 331 414

Kulturerdbeere: Fragaria ananassa

Erdbeeren, die eigentlich keine Beeren, sondern botanisch gesehen Nüsschen sind (auch: Sammelnussfrucht), gehören in Brandenburg zu den Bestsellern des heimischen Gartenbaus. Die Brandenburger Produktion kann nicht mit der großen Nachfrage in der Region mithalten, weswegen überregionale und internationale Anbieter in die Bresche springen.

In der Antike priesen römische Dichter die Qualität der Beere und nannten sie "frega" oder "fregum". Der botanische Name leitet sich vom lateinischen Wort "fragare" (duften) ab. Auf diesen Ursprung gehen auch die Bezeichnungen für die Erdbeere in den romanischen Sprachen zurück - fragola (italienisch), fraise (französisch), fresa (spanisch).

Ursprünglich war die Beere ein Waldbewohner. Im Mittelalter wurde die Walderdbeere auf großen Flächen kultiviert. Mit der Entdeckung der Neuen Welt fand man in Südamerika Erdbeeren mit größeren Früchten - die so genannten Scharlacherdbeeren. Walderdbeeren wurden verdrängt. Die direkten Vorfahren der heutigen Erdbeerenkulturen sind eine Kreuzung der relativ kleinen amerikanischen Scharlacherdbeere mit der großfruchtigen "Schönen aus Chile".

1840 begann in der Nähe von Baden-Baden der erwerbsmäßige Anbau. Mittlerweile gibt es über tausend Sorten mit sehr verschiedenem Aussehen. Eine Weiterentwicklung ist zum Beispiel die Wiesenerdbeere, eine Kreuzung von Wald- und Gartenerdbeere.

Aber es gibt auch Sorten, die im Aroma nur noch entfernt an die intensive Würze der traditionellen Sorten erinnern. Aromatische Sorten wie "Mieze Schindler" oder "Lambada" werden eher als Liebhabersorten angesehen.
Erdbeeren haben einen Vitamin-C-Gehalt von 60 Milligramm pro 100 Gramm Fruchtfleisch und damit mehr als Orangen. Sie enthalten wichtige Mineralstoffe wie Kalzium, Kalium, Phosphor und Eisen. In der Volksmedizin gelten sie als wirksames Mittel gegen Blutarmut und werden wegen ihres hohen Salizylsäuregehalts zur Linderung von Gicht und Rheuma empfohlen.

Obstgut Franz Müller Wesendahl

In dem von Franz und Jutta Müller 1992 gegründeten Familienbetrieb wird vor allem Obst angebaut. Der Fokus liegt im Apfelanbau, gefolgt von Erdbeeren, Sauerkirschen, Holunder und Pflaumen, Spargel. Vermarktet wird über eine Erzeugergemeinschaft, über den Hofladen, aber auch direkt ab Feld. Auch bei der Erdbeerente sind Berliner und Brandenburger aufgerufen, selber Hand anzulegen und so preiswerter als im Handel die Früchte erwerben können. Die heute verantwortlichen Familienmitglieder haben nicht nur einen "Grünen Daumen" geerbt, sondern auch das Konzept, den Obstanbau mit einem Höchstmaß an Umweltschonung für Boden, Wasser, Luft und Artenvielfalt zu verbinden. Bei ihrem Anbau legt Geschäftsführerin Anke Wollanik Wert auf einen Betrieb, in dessen Umfeld auch viele heimische Tiere und Pflanzen überleben können. Grundlage ist der Schutz der natürlichen Feinde der Schädlinge. Bei Düngung und Pflanzenschutz lautet das Motto: So wenig wie möglich, so viel wie nötig! Deshalb ist der Betrieb seit 2006 QS-GAP (Qualitätssicherungssystem vom Landwirt bis zur Ladentheke) zertifiziert. Alle betrieblichen Gebäude wurden nach der Betriebsgründung in Etappen neu aufgebaut, die übernommenen alten Apfelanlagen zum großen Teil gerodet und neue Obstanlagen gepflanzt, die Alttechnik nach und nach ersetzt. Zehn fest angestellte Mitarbeiter und 50 Saisonkräfte bewirtschaften 209 Hektar. Erdbeeren werden auf sechs Hektar in sieben Sorten angebaut.

BU: Die Erdbeeren sind reif zur Ernte. Selbstgepflückt schmecken sie am besten. Foto: Buschmann & Winkelmann

Quelle: Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft des Landes Brandenburg