Fachkräftestudie Pflege in Brandenburg

Brandenburger Fachkräftestudie Pflege veröffentlicht

Pflege steht vor großen Herausforderungen

Fachkräftestudie Pflege in Brandenburg Das Sozialministerium hat die erste "Brandenburger Fachkräftestudie Pflege" jetzt im Internet veröffentlicht. Das teilte Sozialminister Günter Baaske heute in Potsdam mit. Die 380 Seiten starke Studie stellt sieben Handlungsfelder dar, auf denen die pflegerische Versorgung und die Fachkräftesicherung in der Pflege zukunftssicher gestaltet werden sollen. Sie wurde im Auftrag des Sozialministeriums aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) und des Landes gefördert. Die Ergebnisse sollen in gekürzter Form als Broschüre im April bei einer bundesweiten Fachtagung in Potsdam öffentlich vorgestellt und diskutiert werden.

Baaske: "In der Pflege stehen wir vor großen Herausforderungen. Die Zahl der pflegebedürftigen Menschen und damit der Bedarf an Pflegekräften steigen in den kommenden Jahren deutlich an. Gleichzeitig sinkt die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter, viele Pflegefachkräfte stehen kurz vor der Rente. Damit stehen immer mehr Menschen, die gepflegt werden müssen, immer weniger Menschen, die pflegen können, gegenüber. Die Pflegestudie zeigt eindeutig, ein weiter so geht nicht. Notwendig ist ein pflegepolitischer Aufbruch. Die Ergebnisse der Studie geben die Richtung der künftigen Pflegestrategie des Landes Brandenburg vor. Bei der Umsetzung von herausgearbeiteten Handlungsempfehlungen wird das Land Brandenburg alle Akteure in der Pflege intensiv mit einbinden."

Bleiben die Rahmenbedingungen in der Pflege unverändert, würde die Zahl der pflegebedürftigen Menschen in Brandenburg von aktuell knapp 96.000 bis zum Jahr 2030 auf etwa 162.000 steigen. Das ist eine Zunahme von knapp 70 Prozent. Daraus würde sich ein erheblicher Bedarf an Pflegepersonal ergeben: Der Personalbedarf der ambulanten Dienste würde von derzeit etwa 12.500 Beschäftigten auf fast 21.000 in 2030 steigen. Der Fachkräftebedarf in der stationären Versorgung würde in Brandenburg von gut 16.400 Beschäftigten auf über 33.000 in 2030 steigen. Das ist eine Zunahme von über 86 Prozent.

Baaske: "Ein wichtiges Handlungsfeld ist die Vermeidung von Pflegebedürftigkeit. Hier werden heute längst noch nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft. Unsere Gesellschaft muss noch viel stärker auf das aktive Altern ausgerichtet werden. Wer länger fit und vital bleibt, bei dem sinkt deutlich das Risiko, ein Pflegefall zu werden. Wir brauchen pflegevermeidende Unterstützungsstrukturen vor Ort in den Städten und Dörfern. Dazu gehören barrierefreier Wohnraum und öffentlicher Nahverkehr, wohnortnahe Betreuungs- und Alltagsdienstleistungen, aber auch Orte der Begegnung für Seniorinnen und Senioren."

In Brandenburg werden 77 Prozent der pflegebedürftigen Menschen entweder von Angehörigen oder von ambulanten Pflegediensten in der eigenen Häuslichkeit betreut. Baaske: "Der Grundsatz ‚ambulant vor stationär‘ wird in Brandenburg erfolgreich umgesetzt. Um diesen Spitzenwert auch in Zukunft halten zu können, müssen niedrigschwellige Entlastungsangebote weiter ausgebaut werden. Auch bei der Vereinbarkeit von Beruf und Pflege von Angehörigen sind innovative Ansätze gefragt. Informationsangebote und Beratungsstrukturen, wie sie zum Beispiel die 19 Pflegestützpunkte leisten, müssen ausgebaut werden."

Weniger als ein Drittel der Beschäftigten in den Pflegeeinrichtungen haben eine Vollzeitstelle. Baaske: "Wir wissen von vielen Pflegekräften, die ganztags arbeiten wollen, aber keine entsprechende Arbeit bekommen. Eine höhere Vollzeitquote ist ein wichtiger Beitrag zur Lösung der Fachkräfteproblematik. Außerdem verdienen Pflegekräfte für ihre wertvolle Arbeit nicht nur Anerkennung, sondern sollen auch ordentliches Geld verdienen. Ein allgemeinverbindlicher Tarifvertrag für die gesamte Pflegebranche ist notwendig und von den Beschäftigten gewünscht. Die aktuellen Gespräche hierzu verlaufen in Brandenburg konstruktiv. Für die Gewinnung von jungen Nachwuchskräften ist es entscheidend, dass es Klarheit über die Verdienstmöglichkeiten in der Pflegebranche gibt."

Die "Brandenburger Fachkräftestudie Pflege (PDF)" wurde unter der Leitung von Prof. Dr. Johann Behrens am Institut für Gesundheits- und Pflegewissenschaft der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg erstellt. Die Studie kann auf der Internetseite des Sozialministeriums www.masf.brandenburg.de unter dem Menüpunkt "Soziales - Pflege" heruntergeladen werden.

Quelle: PM des Ministerium für Arbeit, Soziales, Frauen und Familie des Landes Brandenburg