Landwirtschaft und Handwerk

Lebensmittel haben ihren Wert

Gemeinsam die Wertschöpfung des ländlichen Raumes verbessern

Landwirtschaft und Handwerk haben ein wachsendes gemeinsames Interesse, die Wertschöpfung des ländlichen Raumes zu sichern und zu steigern. Beide Wirtschaftsbranchen wollen in Zukunft noch enger zusammenarbeiten, wenn es zum Beispiel um die Einführung von schnellem Internet und die Sicherung von Fachkräften in ländlichen Räumen geht. Dies haben der Deutsche Bauernverband (DBV) und der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) Ende Januar auf der Grünen Woche deutlich gemacht. Beide Verbände sehen in dem geschärften Verbraucherbewusstsein für Regionalität wachsende Marktchancen. Allerdings darf der Gesetzgeber auf die geänderten Verbrauchereinstellungen nicht mit überbordender Kontrollbürokratie und überzogenen Kennzeichnungspflichten reagieren.

In einem Gespräch zwischen DBV-Vizepräsident Udo Folgart und DBV-Generalsekretär Bernhard Krüsken mit dem Präsidenten des Deutschen Fleischer-Verbandes, Heinz-Werner Süss, und dem Präsidenten des Deutschen Konditorenbundes, Gerhard Schenk wurde hervorgehoben, dass Landwirte, Fleischer, Bäcker, Konditoren und andere Handwerker persönlich und ganz unmittelbar für Herkunft und Wert der angebotenen Lebensmittel bürgen. Sie stehen für transparentes Handeln und Tun sowie für Heimat und Genuss ihrer erzeugten hochwertigen Lebensmittel. Gleichwohl muss der Dialog mit den Verbrauchern weiter intensiviert werden und die Regionalität noch sichtbarer werden. Hierbei gilt der Grundsatz, über gute Dinge zu reden, in dem eigenen Tun und Handeln transparent zu sein und mit "Gesichtern und Namen sich aus der Anonymität des Marktes abzuheben".

In der Öffentlichkeit werde der Regionalität mittlerweile mehr Aufmerksamkeit gewidmet als dem Label "Bio". "Dieser wachsenden Herausforderung werden wir uns stellen", so DBV-Vizepräsident Udo Folgart, und verwies auf die brandenburgische "pro agro"-Initiative, in der Akteure des ländlichen Raumes bei der Herstellung, der Vermarktung und dem Absatz von Produkten und Dienstleistungen der Agrar- und Ernährungswirtschaft unterstützt werden. Folgart machte aber auch auf die fließenden Übergänge von regional, überregional, national und international aufmerksam. Mittlerweile würde die deutsche Landwirtschaft direkt oder indirekt etwa jeden vierten Euro im Export verdienen. "Wir müssen alle Märkte bedienen. Jeder kann alles kaufen", so Folgart.

Mit Heinz-Werner Süss, dem Präsidenten des Deutschen Fleischer-Verbandes, war man sich einig, dass die Lebensmittelüberwachung eine originäre Aufgabe des Staates im Rahmen der Daseinsvorsorge und keine Aufgabe der Lebensmittelwirtschaft ist. Hier erwarte man die Unterstützung der Bundesregierung auf europäischer Ebene, da die EU-Kommission plant, amtliche Kontrollen ausschließlich gebührenfinanziert durchführen zu lassen. Sollte dieses gebührenfinanzierte Kontrollsystem eingeführt werden, könnte sich dies nachteilig auf die Lebensmittelpreise auswirken.

Die enge Zusammenarbeit der meist klein- und mittelständischen Unternehmen im ländlichen Raum kann die Zukunftsfähigkeit der Regionen und die Wertschöpfung vor Ort sichern helfen. Gerhard Schenk, Präsident des Deutschen Konditorenbundes und Beauftragter des Präsidiums des ZDH für die ländlichen Räume, betonte, dass die ländlichen Regionen gegenüber den Ballungsräumen von der Politik nicht benachteiligt werden dürfen: "Der ländliche Raum als Standort erfolgreicher Handwerksbetriebe bietet zum Beispiel jungen Menschen ebenso gute Chancen in zukunftsträchtigen Berufen wie die Stadt. So stehen Konditorei-Cafés auf dem Lande den Betrieben mit Innenstadtlage in nichts nach - weder in der Sortimentsvielfalt, noch in der konditorlichen Kreativität und Qualität, noch in der Ausbildung! Jugendliche erhalten hier eine erstklassige Ausbildung als Konditor/in oder als Konditoreifachverkäufer/in. Das gilt für die allermeisten der über 130 Handwerksberufe genauso wie für die 14 "grünen Berufe". Handwerk und Landwirtschaft gemeinsam müssen diese Botschaft noch stärker an die Jugendlichen herantragen".

Quelle: PM Deutscher Bauernverband e.V.