IG BAU erzielt Lohnplus bei Piepenbrock in Eisenhüttenstadt

Streik in Eisenhüttenstadt beendet

IG BAU erzielt Lohnplus bei Piepenbrock in Eisenhüttenstadt  

Sechzig Tage Arbeitskampf zahlen sich für die Mitarbeiter der Piepenbrock Instandhaltung in Eisenhüttenstadt aus. Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) einigte sich mit dem Unternehmen sowohl auf einen neuen Lohn- als auch auf einen Rahmentarifvertrag. Danach steigt der Ecklohn für Facharbeiter rückwirkend vom 1. August 2012 bis zum 1. August 2013 in drei Stufen um 90 Cent auf 10,81 Euro.Ursprünglich hatten die Piepenbrock-Mitarbeiter ein Plus von einem Euro Stundenlohn gefordert. Gleichzeitig tritt der bereits zuvor verhandelte Rahmentarifvertrag in Kraft. Die darin enthaltenen Verbesserungen entsprechen nochmals einer durchschnittlichen Gehaltssteigerung von fünf Prozent.

"Den Beschäftigten wurde nichts geschenkt. Sie haben sich die faire Lohnsteigerung mit viel Engagement und Durchhaltewillen erstritten", sagte der IG BAU-Branchensekretär Mathias Kalusniak. "Doch der Kampf hat sich gelohnt. Er bringt nicht nur mehr Geld. Er zeigt zudem, gemeinsam sind wir stark. Denn selbstverständlich ist es auch Beschäftigten im Osten möglich, eine bessere Bezahlung durchzusetzen."

Die Piepenbrock Mitarbeiter in Eisenhüttenstadt stimmten heute mit großer Mehrheit für den Abschluss. Sie hatten in den letzten Wochen viele Tiefschläge einstecken müssen - Hinhaltetaktik, organisierte Streikbrecher bis hin zu Beschimpfungen. Aber sie kämpften nur umso härter für ihre Rechte. Geholfen hat ihnen neben dem gewerkschaftlichen Rückhalt durch die IG BAU die öffentliche Solidarität. Viele Unterstützer ermutigten die Beschäftigten, sich nicht unterkriegen zu lassen.

Nach dem erfolgreichen Abschluss gehen sie nun selbstbewusster zur Arbeit im ArcelorMittal-Werk, in dem sie die Wartungsarbeiten durchführen. "Erfolg ist ein gutes Gefühl", fasste Kalusniak die Stimmung vor Ort zusammen. "Den muss man sich aber organisieren. Ich hoffe, dass sich noch so manche Belegschaft die Piepenbrock-Mitarbeiter zum Vorbild nimmt und mutig für ihre Belange eintritt."

Der Abschluss im Einzelnen:

Entgelttarifvertrag:

Rückwirkend vom 1. August 2012 erhöht sich der Ecklohn eines Facharbeiters von 9,91 Euro pro Stunde um 50 Cent auf 10,41 Euro. Ab dem 1. Januar 2013 steigt der Lohn um 20 Cent auf 10,61 Euro. Die dritte Stufe folgt ab dem 1. August 2013 mit weiteren 20 Cent auf einen Stundenlohn von dann 10,81 Euro.

Rahmentarifvertrag:

  • Eine betriebliche Altersvorsorge wird eingeführt. Piepenbrock Instandhaltung zahlt einen Zuschuss von bis zu 92 Euro.
  • Die Vergütung von Ruf- und Notdienstbereitschaften erhöht sich von 0,85 Euro auf bis zu 1,50 Euro.
  • Zuschläge für Mehr-, Spät- und Nachtarbeit steigen von 25 Prozent des Lohns auf 30 Prozent.
  • Das zusätzliche Urlaubsgeld steigt vom derzeit 1,5fachen des Ecklohns auf das 1,8fache.
  • Die Jahressondervergütung wird von 48 auf 60 Prozent erhöht (bemessen nach dem tariflichen Monatsentgelt im April des jeweiligen Kalenderjahres).
  • Erstmals werden Erschwerniszulagen eingeführt. Die Spanne reicht von 0,40 bis zu 1,10 Euro. Beispielsweise werden nun Arbeiten in engen Räumen oder an Brückenträgern mit 80 Cent die Stunde mehr vergütet.

Quelle Text/ Foto: PM der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt