Neues Wohn- und Geschäftshaus am Bautzener Kornmarkt

Bauarbeiten am Kornmarktneubau beginnen im Juni 2012

Neue Wohn- und Geschäftshaus am Bautzener Kornmarkt

Wie kaum anders zu erwarten, war der Stadtratssaal im Gewandhaus am vergangenen Montag mit Stadträten, Bürgerinnen und Bürgern bis auf den letzten der 60 Plätze gut besetzt. Stadt und Investor wollten den Planungsstand zur Bebauung des ehemaligen Hochhausstandortes am Kornmarkt vorstellen. Dort soll im Auftrag der Bautzener Wohnungsbaugesellschaft mbH (BWB) ein Wohn- und Geschäftshaus entstehen.

Zur Einstimmung gab die Geschäftsführerin Dr. Regine Rohark einen kurzen Rückblick auf bisherige Vorbereitungsschritte und Entscheidungen. Sie erinnerte an den November 2010, als in einem Einwohnerforum erste Variantenvorschläge diskutiert wurden. Im Februar 2011 lag ein erstes Verkehrsgutachten vor und vier Monate später gab der Stadtrat mit dem Aufstellungsbeschluss grünes Licht, die Planungen für das Areal weiter vorantreiben zu können. Das tat man bei der BWB, holte sich Experten an den Tisch und legte schon im November 2011 einen konkreten Entwurf mit entsprechendem Finanzplan vor. Heiß her ging es in der anschließenden Diskussion im Stadtrat, da der Architekturentwurf einigen zu modern, anderen nicht gewagt genug erschien. Im Laufe dieses Prozesses, in den später ein Gesprächskreis aus Bürgermeistern, dem Ältestenrat, dem Bauverwaltungsamt und der Architektenkammer einbezogen wurde, entstand ein Entwurf, der nun am Montag vom Bautzener Architekten Falko Hinz vorgestellt wurde.

Zunächst einige Zahlen: Auf dem 5.100 Quadratmeter großen Areal entsteht ein Gebäudekomplex mit 5.510 m² Nutzfläche. 2.450 m² davon werden von der Lebensmittelkette "Edeka", 4 weiteren Handelsflächen und einem Bistro belegt. Auf 1.280 m² entstehen 16 Wohnungen, die teilweise rollstuhlgerecht sind. 1.780 m² entfallen auf Büros, die ab sofort zur Vermietung beworben werden. In einer Tiefgarage entstehen 122 Stellplätze für Mieter und Kunden.

Falko Hinz erinnerte zunächst an die Geschichte des Kornmarktes, wo zu Beginn des 19. Jahrhunderts ähnlich der angrenzenden Rosenstraße Handwerk angesiedelt war. Dies war ebenso Teil seiner Überlegungen zur Gebäudegliederung, wie die Straßenstruktur. So nimmt der Komplex die Struktur von Rosenstraße, Tuchmacherstraße und Schulstraße auf, was an einem eigens gefertigten Arbeitsmodell gut erkennbar wird. Zudem nimmt das Gebäude von Nord nach Süd auch noch eine architektonische Entwicklung. Häuserstrukturen in Art und Bauhöhe der Rosenstraße mit Arkaden und unterschiedlichen Putzstrukturen gehen in ein modernes sechsgeschossiges Bürohaus aus Klinkern und Keramikelementen mit strukturbestimmenden Glaselementen in Richtung Karl-Marx-Straße über. Die Innenhöfe sind auf mehreren Ebenen begrünt, die Ladenzonen sind eingerückt, entlang des Kornmarktes entsteht eine Zone für Fußgänger.

Die Zufahrt für Lieferfahrzeuge, Besucher und Bewohner erfolgt aus Richtung Rosenstraße. Hierfür eine Lösung zu finden, die unterschiedlichste Nutzungsanforderungen und -Interessen sinnvoll kombiniert, war eine besondere Herausforderung für das Team von Dipl.-Ing. Dirk Ohm vom Ingenieurbüro für Verkehrsanlagen und -systeme Dresden (IVAS). Er beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Straßenverkehr in Bautzen und anderen deutschen Städten. Daher kennt er sich auch mit der Verkehrslage insgesamt aus, weiß von den Verkehrsflüssen und dem zu erwartenden Aufkommen. War anfangs ein Kreuzungsausbau am Wendischen Graben und damit ein Queren der Platzfläche mit einer Fahrbahn angedacht, konnte nun eine Lösung ohne neue Kreuzung entwickelt werden, die nur wenig Fläche des östlichen Kornmarktes in Anspruch nimmt. Der PKW- Verkehr, vor allem aber der Lieferverkehr, zu dem auch große Sattelauflieger gehören, soll vor der Einmündung Steinstraße/Wendischer Graben nach rechts abbiegen können. Mit Hilfe moderner Berechungsverfahren und am Computer simulierter Schleppkurven kann die Wegeführung relativ platzsparend um die vorhandene Tiefgaragenausfahrt herumgeführt und über die Rosenstraße mit den Anlieferbereichen und der Tiefgarage des Neubaues verbunden werden. Die Zufahrt für Kunden, Mieter und kleinere Lieferfahrzeuge aus östlicher Richtung kann natürlich direkt über die Rosenstraße erfolgen.

Die Ausfahrt ist über die Tuchmacherstraße geplant, für die auf den ersten Metern die Einbahnstraßenregelung aufgehoben wird. Ob in diesem Zuge ein Abbiegen aus der Karl-Marx-Straße in Richtung Lauengraben möglich sein wird, ist momentan noch auf dem Prüfstand. Darüber muss ebenso noch entschieden werden, wie über die genauen Standorte von Querungshilfen für Fußgänger und die Zukunft des Tunnels zwischen Kornmarkt und Karl-Marx-Straße.

Zahlreiche Details sind also noch zu klären, parallel dazu beginnt bereits am 4.Juni die Baufeldfreimachung. Das dauert etwa 6 bis 8 Wochen, in denen die Bushaltestelle auf die Karl-Marx-Straße verlegt wird und Fußgänger über die "Platte" gehen müssen. Zunächst werden Fernwärmeleitungen entnommen und neu eingebunden. Archäologen haben dann die Chance, einige bislang unerforschten Teile des Areals zu untersuchen, bevor voraussichtlich im August 2012 zunächst eine neue Trafostation gebaut und anschließend mit Tiefbauarbeiten begonnen und die jetzt vorhandene Station abgebrochen wird. Wenn die Weiterarbeit am vorhabenbezogenen Bebauungsplan wie vorgesehen verläuft, soll anschließend mit Tiefbauarbeiten begonnen werden. Kai Hübner von der BWB möchte vor dem Winter noch die Bodenplatte und einige Grundmauern fertig haben, um im Frühjahr 2013 mit dem Rohbau beginnen zu können. Die anschließende Diskussion verlief sehr sachlich, Fragen wurden ausnahmslos sofort beantwortet. Baubürgermeister Peter Hesse zeigte sich erfreut darüber, dass wesentliche Änderungswünsche in die Gebäudelösung aufgenommen wurden. Nach dem aktuellen Stand der Planung ist aus seiner Sicht die Verkehrsanbindung des Neubaues so möglich, dass für die noch fertig zu stellende Verkehrsplanung für die Innenstadt keine Zwangspunkte geschaffen werden, die künftige Entscheidungen behindern. Einige Reibungspunkte sind jedoch noch zu lösen, die laufenden Planungen haben dazu bereits Wege aufgezeigt.

Er ist deshalb optimistisch, den Stadträten im Juni 2012 die kompletten Unterlagen für den Auslegungsbeschluss vorlegen zu können. Die anschließende Auslegungsfrist können Bürgerinnen und Bürger nutzen, ihre Bedenken und Vorschläge einzubringen. Ebenso erfolgt in dieser Phase die Beteiligung der Träger öffentlicher Belange und der Nachbargemeinden.

Nach den umfangreichen Vorarbeiten hoffen Stadt und BWB, dass die Auslegung der Planunterlagen auf breite Zustimmung trifft und nach dem Sommer der Abwägungs- und Satzungsbeschluss zum Bebauungsplan erfolgen können. Dann steht einem Baubeginn im Herbst 2012 nichts mehr im Wege.

Quelle: PM und Foto der Stadtverwaltung Bautzen