IG Metall - Solidarische Tarifpolitik besteht Praxistest

Berlin-Brandenburg übernimmt Tarifergebnis

IG Metall - Solidarische Tarifpolitik besteht PraxistestDie IG Metall beschreitet mit ihrem Abschluss in der Tarifrunde 2012 neue Wege. Man kümmert sich nicht nur um die eigene Klientel, wie mit der Forderung nach unbefristeter Übernahme und höheren Einkommen. In die Auseinandersetzung wurden bewusst die Bedingungen externer Leiharbeiter einbezogen. Damit zeigt die IG Metall Verantwortung für diese mehrfach ausgebeuteten Arbeitnehmer, die sich zu Recht als Beschäftigte zweiter Klasse fühlen. Zum anderen ist klar, dass Leiharbeit sich auf Dauer zur Konkurrenz für Stammbelegschaften entwickeln kann.

"Durch die Übernahme des Pilotabschlusses für Berlin-Brandenburg profitieren etwa 2.000 Beschäftigte in Südbrandenburg von den neuen Tarifbestimmungen. Es gibt jedoch auch einen Wermutstropfen. Der überwiegende Teil der 19.000 Arbeitnehmer in der Metallwirtschaft Südbrandenburgs unterliegt keiner Tarifbindung. Dazu zählen u.a. auch bekannte Betriebe wie EMIS, Züblin Stahlbau, KSC und Ortrander Eisenhütte. Hier gilt es für nun für uns als IG Metall anzusetzen und Beschäftigte zu ermuntern, ihre Rechte wahr zu nehmen und Forderungen nach fairer Teilhabe zu entwickeln.", so Ralf Köhler, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Südbrandenburg.

"Insgesamt trägt das Ergebnis dazu bei, die Spaltung in den Betrieben und auf dem Arbeitsmarkt ein Stück zu verringern. Die Betriebsräte haben in den Bereichen Zeitarbeit und Ausbildung mehr Rechte und damit mehr Handlungsmöglichkeiten erhalten. Bei der Leiharbeit sind erste Schritte gemacht, aber wir sind damit nicht zufriedengestellt. Als Nächstes werden wir uns den Werkverträgen widmen, mit denen die Leiharbeit umgangen werde.", so Ralf Köhler weiter.

Der Tarifabschluss im Überblick

Entgeltsteigerung: Die Löhne steigen nach dem sogenannten Nullmonat April zum 1. Mai um 4,3 %. Der Tarifvertrag endet nach 13 Monaten am 30. April 2013.

Zeitarbeit: Künftig darf ein Zeitarbeitnehmer ohne Einschränkung für 18 Monate im Betrieb eingesetzt werden. Danach muss der Entleiher prüfen, ob er unbefristet übernommen wird. Nach 24 Monaten muss ein Übernahmeangebot gemacht werden. Ausnahmen gelten, wenn Sachgründe wie Projektarbeit oder Vertretungszeiten den längeren Einsatz rechtfertigen. Zusätzlich wurde in der gesonderten Verhandlungen mit den Arbeitgebern der Zeitarbeitsbranchen ab dem 1.12.2012 ein Branchenzuschlag von 15-50 Prozent vereinbart. Damit erhalten Leiharbeiter, die in Betrieben der Metall- und Elektroindustrie eingesetzt werden, nach 9 Monaten Verleihdauer in der BZA-Entgeltgruppe 1 mit 7,50 € pro Stunde einen Zuschlag von bis 568 € pro Monat.

Ausbildung + Übernahme: Die Tarifvertragsparteien vereinbarten die Erstausbildung zu steigern, mindestens jedoch das bisherige Niveau zu halten. Sie empfehlen, dass die Ausgebildeten in der Regel nach bestandener Abschlussprüfung unbefristet in ein Arbeitsverhältnis übernommen werden. Ein Angebot auf eine unbefristete Stelle muss der Arbeitgeber aber nur jenen machen, die er tatsächlich benötigt. Diesen Bedarf kann er sechs Monate vor Ende der Ausbildung selbst festlegen und muss den Betriebsrat darüber unterrichten. Dann muss er die über Bedarf Ausgebildeten für zwölf Monate übernehmen. Neu ist also: der Unternehmer muss sich rechtfertigen, wenn er nicht alle Azubis übernimmt.

Weitere Informationen www.suedbrandenburg.igmetall.de

Quelle: PM der IG Metall Südbrandenburg