Spree-Neiße gegen die Zusammenlegung der Hochschule Lausitz (FH) und der BTU Cottbus

Offener Brief des Landrates des Landkreises Spree-Neiße und der Hauptverwaltungsbeamten seiner Kommunen gegen die Zusammenlegung der Hochschule Lausitz (FH) und der BTU Cottbus

Sehr geehrte Ministerin Prof. Dr. Dr. Sabine Kunst,

der Landkreis Spree-Neiße blickt nach Potsdam und verfolgt die aktuellen Diskussionen um die Entwicklungen der Hochschulstandorte Cottbus und Senftenberg. Trotz mehrfacher Diskussionen ist der Verlauf der Ergebnisfindung für die Zukunft der beiden Hochschulen nicht zufriedenstellend. Als angrenzender Landkreis, der von der Qualität und Attraktivität beider Bildungseinrichtungen profitiert, sind auch wir nachhaltig betroffen von den Entscheidungen, die umgesetzt werden sollen.

Der Landrat des Landkreises Spree-Neiße und alle Hauptverwaltungsbeamten seiner Städte, Ämter und Gemeinden sprechen sich gegen die Zusammenlegung der Hochschule Lausitz (FH) mit der BTU Cottbus aus. Die Region verliert mit der Neugründung einer "Energieuniversität" den etablierten und angesehenen Leuchtturm BTU, der das gute Bildungsniveau im Gebiet des südlichen Brandenburgs charakterisiert.

Die BTU Cottbus existiert seit 20 Jahren und hat sich sowohl national als auch international mit ihrem Namen und ihrer Marke etabliert. Entsprechend sind das Image und der Bekanntheitsgrad zu bewerten.

Seit der öffentlichen Debatte um die Zusammenlegung hat sich Unsicherheit und Protest in der Region verbreitet. Die unterschiedlichen Zugangsvoraussetzungen sowie die bewusst unterschiedlichen Lern- und Lehrmethoden sind bei einer Zusammenlegung zweier verschiedener Systeme nicht miteinander vereinbar. Für derzeit Studierende und Absolventen stellt sich zudem die Frage nach der Wertigkeit ihrer Abschlüsse und deren Ansehen und Nachprüfbarkeit im Wettbewerb mit Absolventen anderer Universitäten.

Der starke Praxisbezug, der in der Hochschule Lausitz (FH) elementarer Bestandteil des Unterrichts ist, wird auf einer Universität schlichtweg nicht in der Stärke umsetzbar sein.
Ebenfalls bedenklich stellt sich die Verdünnung und Spezialisierung des Fächerangebotes dar. Die Spezifikation "Energieuniversität" ist ein eng gefasster Begriff und suggeriert die Nichtbeachtung anderer nicht energierelevanter Studiengänge. Südbrandenburg nur auf den Fokus Energie zu beschränken, kann und darf nicht das Anliegen der Landespolitik sein.

Mit der vorliegenden, unseres Erachtens nicht ausgereiften Konzeption, wird sich die demografische Entwicklung deutlich beschleunigen. Junge Menschen, deren Ziel es ist, ein Studium der Wirtschaftswissenschaften oder in ähnlichen Fachrichtungen zu absolvieren, werden der Region den Rücken kehren. Das bereits bestehende Problem der Abwanderung verstärkt sich dadurch drastisch. Gegenmaßnahmen können nicht eingeleitet werden. Sie nehmen damit den jungen Menschen jegliche Möglichkeit, die Region zu beleben.

Schaden hat die BTU bereits jetzt genommen. Bestehende regionale und überregionale Kontakte in die Wirtschaft und die damit verbundenen Drittmitteleinnahmen sind in Gefahr. Das Vertrauen der Unternehmen in den Standort der BTU ist erschüttert und kann nur durch ein nachhaltiges und deutliches Statement der Landesregierung für den Erhalt der BTU als Technische Universität erhalten bleiben.

Zu Kooperationen und einer verstärkten Zusammenarbeit sind beide Bildungseinrichtungen bereit und haben dies bereits überzeugend medienwirksam bekundet. Wichtig ist, Synergien zu finden und Potentiale auszuschöpfen, damit der bereits gute Stand der Hochschulen verbessert werden kann.
Der Weg über die Schließung der Hochschulen und Neugründung einer "Energieuniversität" kann unter den beleuchteten Aspekten nicht zielführend für eine innovative und gute Hochschulpolitik sein.

Wir bitten Sie daher nachdrücklich um die von Ihnen bereits signalisierte Kompromissbereitschaft bei der Weichenstellung der Hochschulpolitik in Südbrandenburg unter Berücksichtigung der Ergebnisse der Hochschulkommission Lausitz unter Leitung von Dr. Emmermann.

Mit freundlichen Grüßen

Harald Altekrüger
Landrat



gez. Sven Zuber
stellvertretender Bürgermeister Stadt Forst (Lausitz)

gez. Fred Mahro
allgemeiner Stellvertreter des hauptamtlichen Bürgermeisters Stadt Guben

gez. Dr. Klaus-Peter Schulze
Bürgermeister Stadt Spremberg

gez. Dietmar Horke
Bürgermeister Stadt Drebkau

gez. Fritz Handrow
Bürgermeister Gemeinde Kolkwitz

gez. Ulrich Noack
Amtsdirektor Amt Burg (Spreewald)

gez. Günter Quander
Amtsdirektor Amt Döbern-Land

gez. Dieter Perko
Bürgermeister Gemeinde Neuhausen/Spree

gez. Elvira Hölzner
Amtsdirektorin Amt Peitz

gez. Peter Jeschke
Bürgermeister Gemeinde Schenkendöbern

gez. Birgit Zuchold
Bürgermeisterin Stadt Welzow

Pressestelle Landkreis Spree-Neiße