IG Metall Südbrandenburg - 6,5 Prozent mehr Lohn – Warum so wenig?

Auftakt Tarifrunde 2012 der IG Metall Südbrandenburg (IG Metall Kooperationsregion Cottbus-Südbrandenburg)

6,5 Prozent mehr Lohn – Warum so wenig?

"Die Inflation der letzten Jahre frisst alle Tarifsteigerungen auf. Defacto haben die Menschen heute weniger in der Tasche als vor 11 Jahren, die Einkommen sind in diesem Zeitraum real um 2,6 Prozent gesunken", so begrüßte Ralf Köhler, 1. Bevollmächtiger der IG Metall Kooperationsregion Cottbus-Südbrandenburg, zum heutigen Pressegespräch. Gegenstand war vor allem die Tarifrunde 2012 der IG Metall mit ihren Auswirkungen auf die Region Südbrandenburg. Insgesamt 19.000 Beschäftigte zählt hier der Bereich der Metallwirtschaft, von denen 6.000 Beschäftigte durch Betriebsräte und die IG Metall vertreten werden. Die Forderung nach 6,5 % mehr Entgelt bezeichnete Ralf Köhler vor dem Hintergrund realer Einkommenseinbußen der vergangenen Jahre als sehr moderat und zurückhaltend. Zudem erläuterte er zwei weitere zentrale Forderungen der diesjährigen Tarifrunde: sichere Zukunftsperspektiven für Auszubildende und die Gleichbehandlung von Leiharbeitern. An vielen Beispielen wurden Probleme gerade in unserer Region deutlich gemacht: "Wir haben in Südbrandenburg viele kleine Betriebe mit geringfügigen Vergütungsstrukturen und eine sehr niedrig ausgeprägte Tarifbindung. Viele Arbeitnehmer haben hier schlichtweg Angst vor dem Verlust ihrer Arbeit, wenn sie sich für faire Lohnverhältnisse engagieren.", so Ralf Köhler. Selbst in etablierten Unternehmen mit mehreren hundert Arbeitnehmern wie z.B. EMIS in Lübbenau oder Züblin Stahlbau in Hosena verfügen die Arbeitnehmer über keinen Tarifvertrag.

In einem ausführlichen Ein- und Ausblick zur Südbrandenburger Arbeitswelt schilderte dann Steffen Schmidt, Projektsekretär der IG Metall Südbrandenburg, die immensen bevorstehenden Probleme der Region. So verliert die Region im Vergleich von 1990 zu 2030 ganze 236.000 Menschen durch demografischen Wandel und Abwanderungsprozesse. Immer mehr junge Leute gehen in die wenigen Industriekerne oder sogenannten Stabilitätsinseln, von denen es in den neuen Bundesländern gerade einmal fünf gibt! Südbrandenburg liegt entfernt von diesen Inseln in Berlin und Sachsen und verliert beständig junge Menschen. Waren 1990 noch 57 Prozent der hiesigen Bevölkerung unter 40 Jahren, sind es 2030 nur noch 26 Prozent. Ausgerechnet im elektrotechnischen Bereich wandern die meisten Fachkräfte ab. Zudem verwies er am Beispiel der Firma Starz GmbH aus Großräschen auf die falsche Förderpolitik der Landesregierung. Zu oft werden Unternehmen gefördert, die dann schlechte Löhne zahlen und vor Ort gemachte Gewinne über Konzernstrukturen aus der Region schleusen. Im Ergebnis werden zwar Arbeitsplätze geschaffen, die niedrigen Löhne schaffen aber kaum Kaufkraft und die Kommunen gehen durch entgangene Steuern gleich ganz leer aus. In vielen Betrieben fallen immense Kontingente an Überstunden an, ein Beispiel wurde hier mit dem Unternehmen Magna Intier aus Finsterwalde/Massen geliefert, in dem einzelne Arbeitnehmer mit bis zu 1000 (!) Überstunden ausgenutzt werden. All diese Entwicklungen sorgen für große Probleme, die unsere regionale Arbeitswelt in Zukunft hart treffen werden. "Fehlende Attraktivität und Fachkräftemangel deuten sich heute schon an, werden sich aber erst in den kommenden Jahren ganz offensichtlich auswirken, wenn die Wirtschaft nicht endlich umdenkt.", so Steffen Schmidt.

Ein weiteres Thema mit Ausblick auf das Jahr 2012 wurde Frauen als "Arbeitnehmer zweiter Klasse" gewidmet. Frauen verdienen noch heute durchschnittlich 23 Prozent weniger als Männer. Selbst weibliche Führungskräfte werden mit geringerem Einkommen eingestellt, als männliche Kollegen. Zu diesem Thema wird es im März mit den Höhepunkten Frauentag (8. März) und Equal-Pay-Day (23. März) weitere Informationen und Aktionen der IG Metall Südbrandenburg geben.

Foto: Ralf Köhler (1. Bevollmächtigter), Steffen Schmidt (Projektsekretär) und Jörn Homuth (Jugendsekretär) von der IG Metall Südbrandenburg geben den regionalen Auftakt zur Tarifrunde 2012

Quelle und weitere Informationen www.suedbrandenburg.igmetall.de