Königs Wusterhausen - Walderlebnis unter Friedrichs Wilhelms Eichen

Förster engagieren sich für den "Tiergarten" in KW - Walderlebnis unter Friedrichs Wilhelms Eichen

Königs Wusterhausen - Walderlebnis unter Friedrichs Wilhelms Eichen

Königs Wusterhausen - Brandenburgs Forstminister Jörg Vogelsänger wird anlässlich der 1. Königs Wusterhausener Stadtkonferenz heute Nachmittag auch den offiziellen Startschuss für die Umsetzung Erholungswaldkonzepts "Tiergarten" geben.

Vogelsänger: "Der Landesbetrieb Forst Brandenburg hat sich die Aufgabe gestellt, für das Waldgebiet ,Tiergarten' aus Zeiten des Vaters von Friedrich II. ein Konzept zu erarbeiten, das dem hohen Erholungswert Rechnung trägt."

Im Rahmen der Umsetzung von Erholungswaldkonzepten im Land soll noch 2012 der "Tiergarten" in Königs Wusterhausen als Erholungswald eröffnet werden.
Durch die Lage im so genannten "Speckgürtel" hat der 100 Hektar große Erholungswald einen besonders hohen Stellenwert für Einheimische und für Touristen im Einzugsbereich der Stadt Königs Wusterhausen sowie der Orte Neue Mühle und Zeesen.

Das Konzept des Landesforstbetriebs umfasst Maßnahmen zur Verbesserung der Erholungsmöglichkeiten, zur Lenkung der Besucher und zur Entwicklung von waldpädagogischen Schwerpunkten, um den Erholungswert des Gebiets zu erhöhen und den Wald in seiner ganzen Schönheit zu präsentieren. Insbesondere dienen die Planungen dazu, den historischen Wert des "Tiergartens" mit seinen geschichtsträchtigen Alteichen zu erhalten.

Der "Tiergarten" ist 1725 auf Befehl von Friedrich Wilhelm I. entstanden. Damals mussten die Bauern der Umgebung ihre Feldarbeit ruhen lassen, um die Arbeiten auszuführen. Mehrere Gehege für Rotwild, Schwarzwild und Rehwild wurden errichtet. Vermutlich geschah dies, um das nahe gelegene Schloss ganzjährig mit Wildbret zu versorgen. Der Name stand seit dieser Zeit auch für den Wald, der an die Gehege grenzte. Die heute im "Tiergarten" stehenden Eichen sind wahrscheinlich die letzten Zeugen aus dieser Zeit. Sicher ist, dass sie über 250 Jahre alt sind. Vermutlich wurden sie als Mast bringende Baumart zur Versorgung des Wilds angepflanzt. Nach dem Tod von Friedrich Wilhelm I. 1740 wurde es ruhiger in Königs Wusterhausen. Sein Sohn, Friedrich II,. hatte ungute Erinnerungen an diesen Ort und so bekam Prinz Heinrich die Herrschaft Königs Wusterhausen übertragen. Dieser zog jedoch Schloss Rheinsberg dem Schloss Königs Wusterhausen vor.

Die Bestandsentwicklung wurde schon damals künstlich beeinflusst; wenn der Eichenoberstand zu licht oder zu alt war, um eine ausreichende Mast zu gewährleisten, wurden Eichen gepflanzt. Dabei sind stamm- und gruppenweise Rotbuchen und Lärchen eingemischt worden.

Zum Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Gebiet ein beliebtes Ausflugziel, besonders für Berliner. Es entstanden um den "Tiergarten" etliche Lokale, von denen heute nur noch "Riedels Gasthof" existiert. Im Zuge der Fürstenabfindung 1926 wurde das Forstamt Königs Wusterhausen preußisches Staatseigentum. Damals begannen die Forstleute, den Wald nur noch plentermäßig zu bewirtschaften und auf Kahlschläge zu verzichten.

1989 wurde im "Tiergarten" erstmals ein Waldlehrpfad angelegt, der bereits nach kurzer Zeit zerstört war. 1994 erneuerte eine Waldjugendgruppe den Lehrpfad mit großem Aufwand. Im Rahmen des Brandenburgtags 2008 wurde der Lehrpfad von der Oberförsterei Königs Wusterhausen wieder mit Tafeln ausgestattet.

Das Gebiet ist nach der Waldfunktionskartierung des Landes Brandenburg als Erholungswald ausgewiesen. Alle Waldflächen des "Tiergartens" sind Naturschutzgebiet.
Drei Viertel gehören zum FFH-Gebiet "Tiergarten", wobei der Bitterling und der Fischotter besonderen Schutz genießen. Ein Fünftel der Gesamtwaldfläche dient der Gewinnung von forstlichem Vermehrungsgut der Stiel- und Traubeneiche. Im Landesentwicklungsplan Berlin-Brandenburg sind alle Flächen als Freiraumverbund festgeschrieben.

Das Waldgebiet "Tiergarten" wurden zur Zeit der letzten Besuchererfassung 2007/2008 wöchentlich 181.545 und an Wochenenden 56 290 Besucher gezählt. Somit nutzten jährlich 237.835 Besuchern den Wald. Das waren am Tag durchschnittlich 651 Besucher.

Grundvoraussetzung für einen Erholungswald mit dieser Frequentierung ist die Einrichtung von ausreichend Waldparkplätzen. Auch müssen die Hinweistafeln des Waldlehrpfads dringend erneuert werden. Gleiches gilt für die Bänke. Hilfe braucht auch die hier vorhandene Streuobstwiese. Am Baumpfad fehlen Hinweise zum Alter, zur Geschichte und zur Bedeutung der Altbäume. Die feuchteren Stellen auf den ausgewiesenen Wanderwegen müssen instand gesetzt werden. Auf Grund des hohen Alters des Bestands ist der Totholzanteil sehr hoch.

Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft Brandenburg