Kirchgemeinde Guben fordert Verzicht auf Tagebau-Festlegung

Kirchgemeinde Guben fordert Verzicht auf Tagebau-Festlegung

In einem Schreiben an die SPD-Landtagsfraktion fordert die evangelische Kirchgemeinde Region Guben, die Ausweisung neuer Braunkohletagebaue aus der Energiestrategie des Landes zu streichen. Zugleich wird die Forderung nach einer Fristverlängerung bei der öffentlichen Beteiligung zur Energiestrategie bekräftigt.

SPD-Fraktionschef Holzschuher hatte im Dezember 2011 gegenüber der Gemeinde deutlich gemacht, dass er es nicht für verantwortbar halte, die weitere Verstromung der Braunkohle heute abschließend und endgültig zu entscheiden. "Angesichts dessen ist es uns unverständlich, warum die Landesregierung nun die Festlegung des Tagebaues Jänschwalde-Nord als Leitprojekt ihrer Energiepolitik verfolgen will." reagiert die Kirchgemeinde nun auf den zwischenzeitlich bekannten Entwurf der Strategie.

"Ein Verzicht auf ein Neubaukraftwerk und damit auf den Tagebau Jänschwalde-Nord wäre der erste Schritt eines Braunkohleausstieges, der endgültige Abschied von diesem Energieträger wird deutlich länger dauern. Umso dringender muss dieser erste Schritt jetzt gegangen werden." erläutert Pfarrer Mathias Berndt.

In der Lausitz würden die auch 2030 die Kraftwerke Schwarze Pumpe und Boxberg verbleiben. Der im Probebetrieb befindliche Neubaublock in Boxberg wird nicht zuletzt auch die Notwendigkeit der Stromerzeugung in Jänschwalde verringern und mit anderen Braunkohlekraftwerken, wie auch mit Erneuerbaren Energien um Netzkapazitäten zur Durchleitung nach Südwestdeutschland konkurrieren.

Zu unrecht völlig ausgeblendet hat die Landesregierung auch, dass ein Kraftwerksneubau in Jänschwalde nach der Grube Jänschwalde-Nord zwangsläufig noch einen weiteren Tagebau erfordern würde.

Die Kirchgemeinde hält gemeinsam mit anderen gesellschaftlichen Kräften eine deutliche Fristverlängerung für Stellungnahmen für angemessen, da wesentliche Gutachten, so zu Strommarkt und regionalwirtschaftlichen Effekten erst wenige Tage vor Ende der Beteiligungsfrist zugänglich gemacht wurden.

Hintergrund:

Für den Tagebau Jänschwalde-Nord müssten die Ortsteile Grabko, Kerkwitz und Atterwasch der Gemeinde Schenkendöbern umgesiedelt werden, große Teile der Gemeinde sowie der Stadt Guben wären den Belastungen des Tagebaues ausgesetzt. Die Umsiedlungen sollen 2015 verbindlich in einem Braunkohlenplan beschlossen werden, die Kohleförderung würde 2025 beginnen.

Den vollständigen Wortlaut des Briefes (PDF) können Sie hier entnehmen.

Quelle: Evangelische Kirchgemeinde Region Guben - Gemeindebüro: August-Bebel-Str. 4, 03172 Guben