Grüne Woche - Brandenburger Land- und Ernährungswirtschaft

Die Brandenburger Ernährungsindustrie ist seit Jahren der wichtigste Wirtschaftszweig im Land.

Grüne Woche - Brandenburger Land- und Ernährungswirtschaft Die Branche konnte ihre Wettbewerbsfähigkeit entscheidend erhöhen. Dafür sprechen sowohl die verstärkte Orientierung auf ausländische Märkte als auch die Zunahme der Arbeitsproduktivität. Den Grundstein legt eine gut aufgestellte heimische Landwirtschaft. Agrarbetriebe tragen über Direktverarbeitung und Eigenvermarktung selbst dazu bei, das Angebot regionaler Lebensmittel vielfältiger zu machen.

Spreewälder Gurke, Beelitzer Spargel, Werder Ketchup, Neuzeller Schwarzbier, Eberswalder Würstchen, Prignitzer Cornflakes, Zinnaer Klosterbruder oder Peitzer Karpfen finden nicht nur als regionale Spezialitäten ihren Weg zu den Verbrauchern. Sie tragen auch insgesamt zu einem positiven Image des Landes bei.

Arbeitskräfte im Bereich Nahrung und Getränke

Mehr als 12.300 Arbeitskräfte sind in 161 Brandenburger Unternehmen der Branche beschäftigt (2010). Die heimische Lebensmittelwirtschaft ist klein- und mittelständisch strukturiert. In der Mehrzahl der Unternehmen arbeiten bis zu 50 Mitarbeiter.

Großbetriebe mit mehr als 200 Mitarbeitern sind Eberswalder Fleischwaren, Vion-Schlachtbetriebe, Odenwald Früchte Elsterwerda, Mineralquellen Bad Liebenwerda, Birkenhof Fleischwerk, Coca Cola, Storkower Hähnchen, Märkische Geflügelhof-Spezialitäten Niederlehme, Brandenburger Urstromquelle sowie vier Großbäckereien mit eigenem Filialsystemen.

Umsatzentwicklung der Ernährungswirtschaft

Mit 3,44 Milliarden Euro Umsatz 2010 ist die Ernährungswirtschaft die stärkste Branche in Brandenburg.

Fast ein Drittel des Umsatzes wird von den fleischverarbeitenden Unternehmen erwirtschaftet, vor der Getränkeherstellung mit über 12 Prozent und der Obst- und Gemüseverarbeitung mit über 10 Prozent Umsatzanteil.

Mit 16 Prozent 2010 macht die Ernährungsbranche den größten Anteil unter der gewerblichen Wirtschaft in Brandenburg aus - noch vor Metall oder Chemie (jeweils 13 Prozent).

Überproportional gewachsen sind im vergangenen Jahrzehnt vor allem die Auslandsumsätze von anteilig 10,5 Prozent auf 26,2 Prozent bei gleichzeitig steigenden Gesamtumsätzen.

Berlin-Brandenburg bitten gemeinsam zu Tisch

Da Berlin und Brandenburg beim Thema Essen und Trinken eine Einheit bilden, lohnt sich der Blick auf die Hauptstadtregion insgesamt. Die Ernährungsindustrie ist mit rund 22.000 Beschäftigten in beiden Ländern und einem Jahresumsatz von zehn Milliarden Euro (2010) einer der beschäftigungs- und umsatzstärksten Industriezweige in Berlin-Brandenburg.

Die Hauptstadtregion bietet der Ernährungswirtschaft sehr gute Bedingungen. Zum einen sichert die Nähe zum Anbau den Produzenten Qualität und Frische. Zum anderen ist Berlin-Brandenburg mit mehr als sechs Millionen Verbrauchern ein idealer Test- und Absatzmarkt.
3,48 Millionen Berliner und 2,49 Millionen Brandenburger in insgesamt drei Millionen Haushalten bieten der heimischen Ernährungswirtschaft vor der eigenen Haustür gute Absatzmöglichkeiten. 76 Euro werden von Brandenburger und Berliner Haushalten monatlich für Verpflegungsdienstleistungen in Kantinen und anderen gastronomischen Einrichtungen ausgegeben. Mehr als 10.000 gastronomische Einrichtungen in Berlin und Brandenburg sind ein Potenzial für heimische Produkte.

Landwirtschaftliche Struktur stabil

Die landwirtschaftliche Nutzfläche im Land pendelt sich seit Jahren um 1,3 Millionen Hektar ein. Den größten Anteil daran hat Ackerland mit einer Million Hektar, der Rest ist im Wesentlichen Grünland.

In der Brandenburger Landwirtschaft sind in rund 5.600 Betrieben rund 36.500 Menschen beschäftigt. Im Durchschnitt bewirtschaftet jede Arbeitskraft 36 Hektar. Die durchschnittliche Betriebsgröße macht 240 Hektar aus. Brandenburgs Bauern pachten 74 Prozent ihrer Flächen. Ungefähr tausend Brandenburger Betriebe bilden in einem oder mehreren der 14 landwirtschaftlichen Berufe aus. Im Ausbildungsjahr 2011/2012 begannen 481 Jugendliche eine Ausbildung.

Etwa jeder dritte Betrieb erwirtschaftet wesentliche Teile seines Einkommens außerhalb der Landwirtschaft in der Direktvermarktung und Verarbeitung seiner Produkte, im Tourismus, mit erneuerbaren Energien.

Jeder achte Betrieb (690) arbeitete Ende 2010 nach den anerkannten Regeln des ökologischen Landbaus.

Agrarrohstoffe aus der Mark

Vier Fünftel der Nutzfläche sind Ackerland, ein Fünftel Dauergründland.

Bei Roggen steht die Mark in Deutschland auf Platz 1. Winterweizen nimmt nach Roggen weiterhin den zweiten Rang in der Anbaufläche ein. Die Getreideernte liegt im Schnitt bei 45 bis 55 Dezitonnen pro Hektar und Jahr. Die größten Hektarerträge werden in den Landkreisen Märkisch-Oderland, Ostprignitz-Ruppin, Potsdam-Mittelmark, Teltow-Fläming, Uckermark erzielt.

Silomais, genutzt als Futter und in Biogasanlagen, stieg auf 165.400 Hektar, was einen Zuwachs von sieben Prozent gegenüber 2010 bedeutet. Das entspricht 12,7 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche.

Obst, Gemüse, Zierpflanzen werden zwar nur auf 11.500 Hektar angebaut, machen aber 20 Prozent der Wertschöpfung in der Pflanzenproduktion aus.

Brandenburg ist mit 96.770 Kühen das Bundesland mit den meisten Mutterkühen. Spitze sind auch die Brandenburger Milcherzeuger. Erstmals wurde 2011 in der Milchleistung die 9.000er Marke geknackt. Die brandenburgischen Milcherzeuger liegen mit über 9.107 Milchkilogramm pro Kuh und Jahr im Vergleich der Bundesländer auf Platz 1. Insgesamt werden landesweit 565.000 Rinder gehalten.
Nach der jüngsten Erhebung Ende 2011 werden landesweit 843.000 Schweine gehalten. Ein größerer Bestand wurde zuletzt im April 1994 erreicht.

Der Legehennenbestand ist nach dem Rückgang 2010 in Folge der Umstellung auf neue Haltungssysteme wieder auf 2,8 Millionen Haltungsplätze angestiegen, davon drei Viertel in Bodenhaltung.

Brandenburg gehört neben Niedersachsen zu den größten Entenproduzenten in Deutschland.

Mit Regionalität punkten

Regionalität ist nach Untersuchungen der DLG ein Thema, das von den Verbrauchern und Handelsunternehmen in den letzten fünf Jahren mit wachsendem Interesse verfolgt wird. Traditionsmarken repräsentieren aus Verbrauchersicht am stärksten das Thema Regionalität.
Regionalität bedarf aus Sicht des Verbrauchers Authentizität und ist außerdem hoch emotional besetzt.
Regionalität steht mit 45 Prozent in der Wichtigkeit der Themen beim Verbraucher eindeutig an erster Stelle, vor den Themen Bio (22 Prozent) und Nachhaltigkeit (21 Prozent). 97 Prozent der Verbraucher geben an, regionale Produkte zu kaufen, weil sie explizit aus der persönlich definierten Region stammen.

Ökologischer Landbau

Mit knapp 11 Prozent (140.800 Hektar) hat Brandenburg den höchsten Anteil ökologisch bewirtschafteter Fläche in Deutschland.

Agrar- und Ernährungswissenschaften

Brandenburg gehört im Bereich der Agrar- und Ernährungswissenschaften zu den ersten Adressen in Deutschland. Die Institutsdichte ist in diesem Bereich nirgendwo so groß wie hier. Nach 1990 entstanden nach der Evaluierung durch den Wissenschaftsrat in der Agrar- und Ernährungsforschung vier Leibniz-Institute, vier Mehrländerinstitute, zwei Lehr- und Versuchsanstalten sowie etliche private Einrichtungen wie das Institut für Getreideverarbeitung Bergholz-Rehbrücke, das als enger Kooperationspartner der heimischen Wirtschaft an Produktneuheiten im Ernährungsbereich forscht. Mit den drei Berliner Universitäten, insbesondere mit der Landwirtschaftlich-Gärtnerischen Fakultät der Humboldt Universität Berlin, bestehen sehr enge Kooperationen bis zu Doppelberufungen. Die Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde setzt Schwerpunkte im Forstbereich und im ökologischen Landbau. Brandenburg ist zudem Sitzland einer Reihe von Einrichtungen der Umweltforschung, die sich ebenfalls mit Fragestellungen aus den Agrar- und Ernährungswissenschaften beschäftigen (Klima, Wasser, Boden, erneuerbare Energien, nachwachsende Rohstoffe, Nachhaltigkeit).

(Quellen: MIL, MWE, ZAB, Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, DLG)

Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft Brandenburg