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Auferstanden als Ruine - barrierefrei im Schloss Dahme

Dahme - Die Schlossruine der märkischen Kleinstadt Dahme wird von der Arbeitsgemeinschaft Städte mit historischen Stadtkernen morgen (19. Mai) zum Denkmal des Monats Mai gekürt. Neben der baulichen Sicherung des kultur- und landegeschichtlich bedeutenden Gebäuderests achteten die Dahmer auch darauf, dass der Veranstaltungsort für Menschen mit Handicap erreichbar und erlebbar ist. Unter dem Motto „Historische Stadtkerne für alle? - barrierefrei -alltagstauglich -attraktiv" steht auch die Frühjahrstagung der Arbeitsgemeinschaft, die ebenfalls morgen ab 10.00 Uhr im Veranstaltungszentrum Schlossruine Dahme startet.

Auferstanden als Ruine - barrierefrei im Schloss DahmeDas Brandenburger Infrastruktur- und Agrarministerium unterstützte die Sicherung und Sanierung des Dahmer Schlosses in den Jahre 2004 und 2005 aus dem Förderprogramm ländliche Entwicklung mit 373.280 Euro. Plus Eigenanteil der Stadt wurden insgesamt 497.706 Euro verbaut. Mit dem Geld konnten die Überdachungen über den freigelegten und bereits sanierten Gewölbedecken sowie der Einbau von Laufstegen finanziert werden. Weiterhin wurde das Gebäude malermäßig verbessert. Der repräsentative Mittelrisalit wurde gesichert. Durch den Einbau von Ziegelfußböden sowie die Fensterverglasung wurden Teile der Schlossruine nutzbar.

Die Wiedereinbeziehung der Schlossruine in das Ortsbild und die Annahme und Akzeptanz der Ruine durch die Bevölkerung wird durch die Stadt Dahme als besonders bedeutsam herausgestellt. Dies spiegelt sich auch in dem 2002 beschlossenen Stadtentwicklungskonzept wieder.
Der bauliche Sicherungsplan des Ingenieurbüros für Baustatik und Sanierungsplanung Treuenbrietzen ist Grundlage für die gesamte bisherige und laufende Sanierung. Ziel ist die Substanzerhaltung und denkmalgerechte Sicherung des Bestands der gesamten Ruine. Das Ergebnis der Sicherungsmaßnahmen soll den momentanen Eindruck des Gebäudes bewahren und die Spuren der zahlreichen Nutzungen und Veränderungen dokumentieren.

1713 bis 1715 errichteten vermutlich der schlesische Baumeister Elias Scholtz und Johann Christoph Schütze aus Sachsen für Herzog Friedrich zu Sachsen-Weißenfels ein Barockschloss auf den Resten einer mittelalterlichen Wasserburg. Friedrich konnte dieses jedoch nicht mehr beziehen, da er bereits kurz vor Vollendung des Baus 1715 starb. Herzog Johann Adolph II., letzter Regent des Herzogtums Sachsen-Weißenfels, führte die Bauarbeiten ab 1719 weiter und machte das Dahmer Schloss zu seiner zeitweiligen Residenz. Nach seinem Tod 1746 fiel mit dem Herzogtum auch Dahme wieder zurück an Kursachsen. Während der Befreiungskriege 1813 wurde das Gebäude von preußischen Truppen als Lazarett genutzt, worunter die Inneneinrichtung enorm litt. Im Ergebnis des Wiener Kongresses wurde das Dahmer Land Preußen zugeschlagen. Die Verwaltung des Schlosses oblag nunmehr der preußischen Provinzialverwaltung. Diese verkaufte es 1825 an den Berliner Bankier und Großkaufmann Schultze (andere Schreibweisen: Schulz/Schulze). Dessen Nachkommen wiederum veräußerten das Schloss 1875 an die Stadt. Im Erd- und ersten Obergeschoss fand nun die Schule der Stadt eine Bleibe. Das Erdgeschoss des Südflügels wurde ab 1905 durch das städtische Museum genutzt. Auch eine Gastwirtschaft befand sich im Schloss. 1940 verkaufte die Stadt das Schloss an den Staat, ob aus freien Stücken oder unter Druck, lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen. Da geplant war, hier eine Polizeischule einzurichten, wurde abermals ein Umbau eingeleitet, der aber kriegsbedingt ins Stocken geriet. 1956 lagen seitens der Stadt Pläne vor, die die Fortführung der Bauarbeiten vorsahen. Das Schloss sollte wieder genutzt werden. Die Arbeiten wurden noch im selben Jahr begonnen, endeten jedoch bereits 1958 auf Grund politischer Entscheidungen damit, dass der Bau ohne Dach sich selbst überlassen wurde. Damit war der ruinöse Verfall des einst stolzen Barockschlosses besiegelt. Hoffnungen auf einen Wiederaufbau mussten nach 1989 bald wieder aufgegeben werden. 1994 gelang mit dem Einbau eines Stahlskeletts eine erste Sicherung des einsturzgefährdeten Mittelrisalits. Ab 2000 folgten Sicherungsmaßnahmen, auch mit Fördermitteln der brandenburgischen Denkmalpflege, mit Unterstützung des Archäologischen Landesmuseums, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und der Kreissparkasse Teltow-Fläming.

Stadt für alle

Mit Blick auf die demografische Entwicklung wird Barrierefreiheit immer mehr zu einem Thema der Stadtentwicklung in Brandenburg. Die Innenstädte sollen allen Bevölkerungsgruppen ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen. Barrierefreie Angebote zielen nicht nur auf Menschen mit Einschränkungen, sie verbessern auch die Infrastruktur für Radfahrer und Fußgänger. Bis zum 31. Mai können sich alle Brandenburger Städte noch mit ihren Projekten am 4. Innenstadtwettbewerb „Innenstadt! - Barrierefrei?", zu dem Brandenburgs Bauminister Jörg Vogelsänger am 16. März aufgerufen hat, beteiligen.

Monatlich würdigt die Arbeitsgemeinschaft „Städte mit historischen Stadtkernen" ein Denkmal im Land Brandenburg. Die Arbeitsgemeinschaft hat seit ihrer Gründung 1992 dazu beigetragen, das Gesicht ihrer Mitgliedstädte positiv zu verändern und die Innenstädte neu zu beleben. Wertvolle Bausubstanz konnte erhalten werden. Bund und Land haben hierfür bisher 617 Millionen Euro bewilligt.

Fotoquelle: dahme.de

Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft Brandenburg