Nachrichten und Pressemitteilungen
Keine Saure-Gurken-Zeit: Spreewaldverein begrüßt Vogelsänger zum 12. Gurkenfest
Golßen - Brandenburgs Agrarminister Jörg Vogelsänger kommt anlässlich des 12. Spreewälder Gurkentags am 7. August nach Golßen. Zur Wahl stehen die neue Spreewälder Gurkenkönigin und der Gurkenkönig. Mit der Krönung wird auch das Fass mit den ersten sauren Gurken der Saison angestochen.
2009 wurden in Brandenburg auf 671 Hektar Gurken angebaut. Der Vorjahrsertrag lag bei 713 Dezitonnen je Hektar (1991: 438 Hektar/ 202 Dezitonnen).
Vogelsänger: „Die Erfolgsstory der Spreewaldgurke ist beeindruckend. Die Spreewälder können stolz auf ihr ,Nationalprodukt' sein. Künftig wird es weniger darauf ankommen, die Latte noch höher zu hängen, sondern das Erreichte zu stabilisieren. Dabei lässt sich sicher noch die eine oder andere Reserve erschließen, aber der Spreewald hat seine natürlichen Grenzen. Hier kommt es darauf an, eine ausgewogene Entwicklung zu verfolgen."
Die Spreewälder Gurken haben seit dem 16. Jahrhundert nichts von ihrem guten Ruf verloren. Flämische Tuchmacher, die vom Grafen von der Schulenburg nach Lübben geholt wurden, um die hiesige Leinwand qualitativ zu verbessern, brachten aus ihrer Heimat den Gurkensamen mit. Der gute Boden im Spreewald eignete sich bestens für das Wachstum der Gurken. So konnten die weniger erfolgreichen Tuchmacher wenigstens mit dem Gurkenanbau und -verkauf ihre Existenz sichern. Doch noch war es schwierig, die Gurken über längere Zeit zu lagern, da sie durch die Gärung hohl wurden.
Um auch in der gemüsearmen Zeit ausreichend Gurken vorrätig zu haben, mussten sie durch Einsäuern haltbar gemacht werden. Damit war zugleich die Geburtsstunde der späteren Konservierungsbetriebe angebrochen. 1932 konnten erstmals sterilisierte Gurken in deren Produktionsprogramm aufgenommen werden und die brachten den Konservierern einen beträchtlichen Gewinn.
1972 wurden die bis dahin privaten Konservierungsbetriebe zwangsverstaatlicht. Die ehemaligen Eigentümer wurden manchmal als Betriebsleiter eingesetzt. Erst nach der Wende war es einigen möglich, die Familienbetriebe zurückzukaufen.
Allerdings führte die Maueröffnung beim Absatz Spreewälder Produkte kurzzeitig in eine tiefe Krise. Die Flut von Lebensmitteln aus den alten Bundesländern sorgte zunächst für eine Vernachlässigung der einheimischen Erzeugnisse. Doch recht bald konnten regionale Spezialitäten aus dem Osten - dank guter Qualität und dank guter Vermarktung - wieder ihren angestammten Platz zurückerobern. Die Spreewaldgurke gehört dazu.
Damit in Gurkengläsern und Meerrettichgläschen auch Spreewald drin ist, wenn Spreewald draufsteht, stellte der Spreewaldverein Lübben mit dem Brandenburger Agrarministerium bei der Europäischen Union in den Neunzigern einen Antrag auf geografischen Schutz von „Spreewälder Gurken" und „Spreewälder Meerrettich". Am 18. März 1999 wurden beide Spezialitäten in die Verordnung für geschützte geografische Angaben und Ursprungsbezeichnungen von Erzeugnissen (g.g.A.) aufgenommen.
Aus Anlass der 1999 erfolgten Registrierung von „Spreewälder Gurken" und „Spreewälder Meerrettich" als europaweit geschützte geografische Angaben wurde von den Gurkenanbau- und -verarbeitungsbetrieben die jährliche Durchführung des Spreewälder Gurkentages beschlossen. Veranstalter im Namen der Betriebe ist der Spreewaldverein. Seit einigen Jahren fördert der Verband pro agro den Gurkentag als Mitveranstalter. Mit der Gründung des Spreewaldvereins 1995 ist in der Region eine feste Basis geschaffen worden, um hier die Entwicklung mit vereinten Kräften voranzubringen. Der Spreewaldverein zählt Mitglieder aus Kommunen, aus Land-, Forst-, Wasserwirtschaft, Fischerei, Tourismus und Naturschutz in seinen Reihen. Ein besonderes Anliegen ist neben der wirtschaftlichen Entwicklung auch der Erhalt der Spreewaldregion mit ihren typischen Merkmalen und Werten.
Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft Brandenburg